Kletterhalle Heavens Gate hinterm Münchner Ostbahnhof: Die AZ im neuen Kraxel-Paradies

Am Samstag eröffnete die neue Kletter- und Boulderhalle im Werksviertel. Der AZ-Reporter hat das Angebot vorab getestet.
| Andre Spannl
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Geschafft! AZ-Reporter Andre Spannl wird wieder runter gelassen.
Geschafft! AZ-Reporter Andre Spannl wird wieder runter gelassen. © Daniel von Loeper

München - Als ich 30 Meter über dem Boden hänge, wird mir ganz schön mulmig. Hier ist vor mir noch keiner hochgeklettert, in einem alten Kartoffelmehlsilo auf dem Werksviertel-Gelände. Eng und schmal ist die Strecke nach oben, entlang der massiven grauen Betonwand. Sehr eng und schmal, finde ich.

Von unten: ein ehemaliges Silo mit verschiedenen Kletter-Routen.
Von unten: ein ehemaliges Silo mit verschiedenen Kletter-Routen. © Daniel von Loeper

Heavens Gate: bis auf 30 Meter Höhe geht's hinauf

Für Sanna Peteranderl hingegen ist das keine große Herausforderung. "Das mache ich im Schlaf", sagt sie und sichert mich währenddessen mit Seil und Karabiner. Wir kennen uns erst seit fünf Minuten und mein Leben hängt im wahrsten Sinne des Wortes in ihren Händen. Als ich oben ankomme, sind meine Arme sehr schwer.

Aber immerhin: Ich habe es geschafft. Ich habe Vertrauen und lasse mich in die Seile fallen. Sorgen habe ich jetzt nur noch eine. Wie schreibe ich diesen Artikel? Meine Arme sind total verkrampft. Schwer vorstellbar, wie ich heute noch einen Text tippen soll.

Sanna Peteranderl sichert den Reporter.
Sanna Peteranderl sichert den Reporter. © Daniel von Loeper

Viele, die hier arbeiten, sind früher schon zum Klettern hergekommen

Hier in der "Heavens Gate" Kletter- und Boulderhalle wurde seit eineinhalb Jahren ordentlich gewerkelt. "Heavens Gate" heißt übersetzt Himmelspforte - und 30 Meter hoch fühlt man sich tatsächlich ganz weit weg von der Welt da unten. Am Samstag war die offizielle Eröffnung.

Wiedereröffnung, um genau zu sein. Einst wurde hier Kartoffel-Mehl gelagert, wie Benjamin Plahl erzählt, der Geschäftsführer. Doch das ist schon lange vorbei. Die IG Klettern München & Südbayern betreibt hier seit 20 Jahren die Kletter- und Boulderhalle.

50.000 Löcher wurden in die Wände gebohrt

Zuvor hat man in Neubiberg geklettert, an der Bundeswehr Uni. Als das irgendwann nicht mehr möglich war, "ist man hier hängengeblieben", sagt Plahl. Im Jahr 1998 wurde die Halle eröffnet, damals noch im Kunstpark Ost. Doch nach knapp 20 Jahren wurde der Großteil der Anlage geschlossen. Der alte Bereich wurde komplett entkernt und alles wurde, samt Gerüst, rausgeräumt. "Viele Ehrenamtliche waren hier tätig", sagt Plahl.

Die schwarze Außenwand wird noch aufwendig besprüht.
Die schwarze Außenwand wird noch aufwendig besprüht. © Daniel von Loeper

Über 50.000 Löcher wurden hier neu gebohrt. Insgesamt seien hier 7.000 bis 8.000 ehrenamtliche Stunden gearbeitet worden, berichtet er stolz. "Irgendwann haben wir aufgehört zu zählen." Viele Münchner Kletter-Freunde können sich auf das Angebot freuen. In Nicht-Corona-Zeiten können hier 190 bis 200 Menschen klettern. In Corona-Zeiten immerhin noch 90 bis 100.

Heavens Gate: Klettern auf 1.400 Quadratmetern

Was noch nicht ganz fertig ist, ist die Außenwand. Mit einem berühmten Graffiti des Künstlers Loomit soll sie noch bis Mitte August besprüht werden.

Beim Besuch der AZ am Donnerstag hängt Andreas Faessler auch noch hoch in den Seilen. Er kümmert sich um wichtige Kleinigkeiten, so sagt er es, bohrt hier oben 30 Meter über dem Boden in den Beton. Mit einem Gerät kann er sich sogar hochziehen lassen und muss nicht selbst hochklettern. Inzwischen hat Faessler, der seit 18 Jahren klettert, hier sein Hobby zum Beruf gemacht.

Klettern kann man im Werksviertel auf insgesamt 1.400 Quadratmetern. Viele Kurse habe man auch geplant, sagt Plahl. Auf Anfänger finden ein passendes Angebot.

Heavens Gate im Werksviertel: Auch Kurse für Behinderte

Von Vor- und Nachstiegskursen über Technik-Kurse, bis hin zu Kursen für Kinder und Jugendliche reicht das Spektrum. Auch für körperlich behinderte und schwerkranke Münchner soll es Angebote geben.

Teilweise klettert man an einer Glasfront entlang.
Teilweise klettert man an einer Glasfront entlang. © Daniel von Loeper

Sana Peteranderl hat mich inzwischen sicher wieder auf den Boden der Halle gebracht. Jetzt erzählt sie von ihrer Arbeit in der Kletterhalle. Seit zehn Jahren klettert sie hier - und mittlerweile verdient sie auch ihr Geld mit Kursen.

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Und mit all ihrer Erfahrung. Der AZ-Reporter zumindest hat sich sicher gefühlt. Und kommt bestimmt mal wieder ins Werksviertel, um hoch hinaus zu kommen.

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