Klang-Erlebnis im Münchner Dom: Ein Sound-Bad mit Herzgeschichten

Im Südturm der Münchner Frauenkirche und in der Herz-Jesu-Kirche lädt die Klanginstallation "Core" zu einem besonderen Sound-Bad ein: Besucher hören intime Herzgeschichten, elektronische Klangflächen und vibrierende Holzplatten – ein sinnliches Experiment zwischen Glaube, Alltagsleben und akustischer Kunst.
Hüseyin Ince
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Die Klang-Installation im Südturm der Frauenkirche, mit den Künstlern (v.l.) Luis Weiß, Nathalie Brum und Lukas Schäfer. Brum hält den Hörer des Memophons in der Hand. Darin sind 200 Audio-Aufzeichnungen zu hören. Links an der Wand: schwingende Kiefernholzplatte.
Die Klang-Installation im Südturm der Frauenkirche, mit den Künstlern (v.l.) Luis Weiß, Nathalie Brum und Lukas Schäfer. Brum hält den Hörer des Memophons in der Hand. Darin sind 200 Audio-Aufzeichnungen zu hören. Links an der Wand: schwingende Kiefernholzplatte. © Daniel von Loeper

Die Künstlerin und Architektin Nathalie Brum sowie die Musiker und Künstler Luis Weiß und Lukas Schäfer haben am Donnerstag eine besondere Klanginstallation namens "Core" zur christlichen Fastenzeit gestartet. Sie wird bis 27. März im Südturm der Frauenkirche sowie in der Herz-Jesu-Kirche (Lachnerstraße 8) erlebbar sein.

Die drei Künstler kommen aus dem Raum Köln und waren wochenlang mit den Vorbereitungen beschäftigt. Die Installation ist dreiteilig, funktioniert aber gemeinsam. Vor allem das sogenannte Memophon ist ein spannendes sowie berührendes Audio-Element.

Was lässt dein Herz höher schlagen?

Denn wer den antiken Telefonhörer abnimmt, muss nicht erst eine Nummer anwählen. Man hört ausgewählte Aufnahmen von etwa 200 Besucherinnen und Besuchern der Frauenkirche, die seit Oktober 2025 hineinsprechen und ihre Stimme digital aufzeichnen konnten. Sie alle antworteten anonym auf die Frage: "Was lässt Ihr Herz höher schlagen?"

Was darin gesagt wird, ist unterhaltsam, berührend, manchmal traurig und manchmal zum Schreien lustig. Nathalie Brum sagt: "Es ist alles dabei, Profanes aber auch Glaubensbekenntnisse." Ein Mann, der urbayrisch klingt und etwa 50 bis 60 Jahre alt sein müsste, sagt nur ein Wort: "Germknödel!" Andere wiederum machen komische Geräusche, was bestenfalls wie eine Beat-Box klingt.

Allein die Aussicht vom Kirchturm in alle Himmelsrichtungen aus fast 100 Metern Höhe ist stets phänomenal.
Allein die Aussicht vom Kirchturm in alle Himmelsrichtungen aus fast 100 Metern Höhe ist stets phänomenal. © Daniel von Loeper

Die drei Elemente des Klangs

Die Palette ist groß. Eine Frau, die Anfang 50 sein müsste, schluchzt und erzählt von ihrer Kündigung nach 31 Jahren in ihrer Firma. Ein Mann zählt auf: "Mein Herz lässt höher schlagen, wenn alle gesund sind und Freiheit, Umwelt und Wald." Die Antwort einer weiteren Frau: "Indie-Pop".

Zur Installation gehören aber auch komponierte Klangflächen der drei Künstler, die im Hintergrund laufen. Weiß und Schäfer bezeichnen sich als Kirchenraummusiker. "Sie bestehen aus Synthesizern, Orgeln, Tonbandeffekten und weiteren elektronischen Instrumenten", sagt Lukas Schäfer. Die Soundflächen sollen den Kirchenraum akustisch zum Leben erwecken. Spannend: Das dritte Klang-Element besteht aus Holz.

"Exciter" bringen das Holz zum Schwingen

Sogenannte Exciter, die hinter vier Kiefernholzplatten angebracht sind, versetzen sie an der Wand in Schwingung. "Das ist wie doppeltes Stereo", sagt Brum. Die drei Teile des Klangerlebnisses nennen die Künstler: Duftebene (Klangflächen), Klangplatten (Kiefernholz), Core-Ebene (Memophon).


Das Audio-Erlebnis ist kostenfrei. Der Aufzug zum Südturm der Frauenkirche kostet derzeit 7,50 Euro. 

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