Kiosk am Weßlinger See: "Geilste Fischsemmel weit und breit"

Am Kiosk am Weßlinger See gibt es laut Eigenwerbung „die geilste Fischsemmel weit und breit“ – und ansonsten beste Sicht auf ein amüsantes Spektakel am Bootsverleih.
| Michael Schilling
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Dreieinigkeit am Weßlinger See: Semmel, Steg und See – die Zutaten für einen perfekten Sommertag.
Michael Schilling Dreieinigkeit am Weßlinger See: Semmel, Steg und See – die Zutaten für einen perfekten Sommertag.

Am Kiosk am Weßlinger See gibt es laut Eigenwerbung „die geilste Fischsemmel weit und breit“ – und ansonsten beste Sicht auf ein amüsantes Spektakel am Bootsverleih

München - Für den Zugereisten, pardon: Zuagroastn, hat sich spätestens nach einigen Jahrzehnten in München der Dialekt und die Dialektik Oberbayerns erschlossen.

Naja, weitgehend.

Geübt rümpft also das einstige Nordlicht die Nase, wenn die eine Verballhornung des Boarischen wittert. Speziell Speisenkarten bieten da Anlass.

„Wos Siaß’s“, ist mancherorts in der Stadt zu lesen. Oder auch: „Un’d jetzat etwas G’sund’s.“ Da vergeht vermutlich sogar einem Touristen der Appetit auf Kaiserschmarrn und Salat – es sei denn, er ist Australier, Japaner oder gar apostrophophil.

Drum sei hier eine Speisenkarte empfohlen, die ein wenig außerhalb liegt. Genauer: eine Tafel. Aufschrift: „Die geilste Fischsemmel weit und breit: 2,80 Euro.“ Sie findet sich außen am „Kiosk am See“ in Weßling (Kenner erraten an dieser Stelle, dass besagter See der Weßlinger See ist).

„Die geilste Fischsemmel weit und breit“ ist im Fünf-Seen-Land nicht nur eine unvermutet unbayerische, sondern vor allem unbescheidene Ankündigung.

Allerdings: Sie stimmt – wie der Autor dieser Zeilen in diversen Selbstversuchen herausgefunden hat.

Die Zutaten: mindestens zwei Heringsfilets (Kiosk-Betreiberin Gitti Forner schwört auf Bismarck), reichlich rohe Zwiebelringe, Gurke, Salat, Tomate, Schnittlauch. Der Rest ist Gitti Forners Geheimnis.
Für den Verzehr gibt es keinen besseren Platz als auf dem breiten Steg direkt vor dem Kiosk: Er bietet gegebenenfalls ganztägig Sonne, einen Blick auf die Kirche und das Café am See gegenüber. Rechts auf das Treiben auf der Liegewiese, links auf die Schwimmer, die sich auf dem schmalen Grünstreifen trocknen lassen.


Und bestenfalls: Freie Sicht auf ein amüsantes Spektakel, wenn etwa eine erkennbar unmaritime, aber stattliche Touristen-Familie vorm Steg versucht, eines der wackligen Ruderboote zu entern.
Aber Achtung: Wer die beste Fischsemmel weit und breit isst und sich gleichzeitig schief lacht über solche Boots-Tölpel, dem droht ein Erstickungsanfall – womit er sich selbst der Lächerlichkeit preis gäbe. Weit und breit. Ob Zuagrosta oder nicht.

Kiosk am See: Obere Seefeldstraße 20, 82234 Weßling. Parkplätze: heikel. Anwohner sind Kummer gewöhnt.

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