Kellereinbrüche in München: mehr als 300 Taten in nur sechs Wochen

Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der Kellereinbrüche in der Stadt. Mehr als 300 Taten wurden alleine seit Jahresbeginn bei der Polizei angezeigt. Im Schnitt sind das zehn pro Tag. Vier Verdächtige wurden bisher festgenommen. Die Männer werden dem Obdachlosenmilieu zugerechnet.
Leichtes Spiel in der Anonymität der Großstadt
Bevorzugtes Ziel sind große Wohnanlagen und Mietshäuser im gesamten Stadtgebiet. Die Bewohner kennen sich untereinander oft kaum oder gar nicht. „Ein Fremder fällt da weniger auf“, sagt Winfried Kotschenreuther, Chef beim zuständigen Kommissariat K53. Die anonymen Wohnanlagen haben noch einen großen Vorteil: Haben die Einbrecher sich über den Hauseingang oder die Tiefgarage Zutritt zum Untergeschoss verschafft, haben sie meist völlig freie Bahn. Alarmanlagen oder Videoüberwachung gibt es nur selten. Die Kellerabteile sind zudem schlecht gesichert. An vielen Türen hängen nur mit Schrauben gesicherte Vorhängeschlösser. „Und die lassen sich oft mit einem Schraubenzieher kinderleicht herausdrehen“, sagt Ermittlerin Isabel Hofmann.

Beute zum eigenen Lebensbedarf
Die Einbrecher sind nicht sonderlich wählerisch, was den Wert ihrer Beute betrifft: Kleidung, Elektrogeräte, Werkzeug und gerne auch mal im Keller gelagerte Vorräte wie Lebensmittel und Alkohol. Isabel Hofmann: „Es wirkt, als ob sie ihre Beute für den eigenen Lebensunterhalt stehlen.“ Einiges werde verkauft, manches auch einfach wieder weggeworfen, so die Ermittlerin. Die Täter sind organisiert, keine fest strukturierten Banden, eher „Zweckbündnisse auf Zeit“, wie es beim K53 heißt. Clanstrukturen, seien nicht zu erkennen, betont Winfried Kotschenreuther. Aber die Täter gingen arbeitsteilig vor: Einer steht Schmiere, warnt die „Kollegen“, wenn sie entdeckt zu werden drohen.
Was die Kripo über die Täter weiß
Aufgrund der bisherigen Ermittlungen geht die Kripo davon aus, dass es sich bei den Tätern um „ortsansässige Gruppen“ handelt, überwiegend Personen ohne festen Wohnsitz. Vier Männer, zwei Deutsche und je einer aus Ungarn bzw. einer aus Serbien, sind zuletzt erwischt worden. „Wir rechnen sie dem Obdachlosenmilieu zu“, sagt Winfried Kotschenreuther. Fingerspuren und DNA, die an den Tatorten von der Spurensicherung dokumentiert wurden, lassen den Schluss zu, dass es sich oft um Serientäter handelt, die immer wieder auftauchen, zuschlagen und verschwinden. Besondere Schwerpunkte gebe es nicht, sagt Winfried Kotschenreuther, die Fälle verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Die Geschädigten bemerken die Einbrüche oft erst nach Tagen, sagt Ermittlerin Isabel Hofmann; viele wüssten auch gar nicht genau, was bei ihnen alles im Keller lagere. Der Beuteschaden sei daher nur schwierig zu beziffern.

Das rät die Polizei zum Schutz vor Einbrechern
Die Polizei rät, an den Sicherungsvorkehrungen nicht zu sparen. Massive Vorhängeschlösser schrecken ab und erschweren den Einbruch. Videokameras mit Bewegungsmelder können zudem später bei der Identifizierung der Täter helfen. Sinnvoll könnte auch sein, die Metall- oder Holzgitterkonstruktionen der Kellerabteile als Sichtschutz mit Plastikfolie oder Pappe auf der Innenseite abzukleben. Das sollten aber alle in der Hausgemeinschaft gemeinsam machen. Andernfalls, so warnt der Chef von K53, könne bei Einbrechern der Eindruck entstehen, dass bei einem sichtgeschützten Kellerabteil besonders interessante Dinge zu holen sind. Generell, so der Rat der Kripo, sollte man keine wertvollen Dinge im Keller aufbewahren. Wenn man verdächtige oder fremde Personen in einem Mietshaus, im Keller oder in der Tiefgarage antrifft, sollte man sich im Zweifelsfalle zurückziehen und den Polizeinotruf, die 110, verständigen.