Karstadt - jetzt sind Bürger gefragt

Ab August schon soll es losgehen mit dem Umbau beim Warenhaus am Hauptbahnhof. Der Signa-Konzern will jetzt die Münchner in seine Pläne einbinden.
| Irene Kleber
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Der Altbau am Bahnhofsplatz (links) bleibt stehen, aber der lange 70er-Jahre-Riegel dahinter wird abgerissen. Zum kleinen Hotel Luitpold (nicht blau übermalt) laufen laut Signa noch "Ankaufsgespräche".
Der Altbau am Bahnhofsplatz (links) bleibt stehen, aber der lange 70er-Jahre-Riegel dahinter wird abgerissen. Zum kleinen Hotel Luitpold (nicht blau übermalt) laufen laut Signa noch "Ankaufsgespräche". © Signa

München - Welche Läden wünschen sich die Münchner zwischen Hauptbahnhof und Stachus? Wie könnten tolle Dachterrassenkonzepte aussehen? Oder Freiflächen? Wie will man sich zu Fuß, mit dem Radl, Roller, Auto oder sonstwie fortbewegen können, dort, wo heute noch der riesige Riegel des Karstadt am Bahnhofsplatz und der Schützenstraße steht?

Münchner dürfen ab sofort mitreden

Ab sofort dürfen die Bürgerinnen und Bürger mitreden bei dem, was der Signa-Konzern des österreichischen Milliardärs René Benko mit dem Karstadt-Komplex am Hauptbahnhof vorhat.

In den nächsten Tagen sollen Flyer dazu in vielen Briefkästen liegen. Auf einer neuen Webseite kann man virtuell auf dem Gelände spazieren gehen (ab dem Sommer auch live) und mitdebattieren - so jedenfalls hat es der Signa-Managing-Director Tobias Sauerbier gestern angekündigt.

Man wolle, sagt er, "weg von der Monostruktur der Fußgängerzone mit immer wieder gleichen Filialisten", man wolle die Innenstadt "lebenswerter und vielfältiger machen".

Im August soll die Sanierung starten

Wie berichtet, will die Signa, die das Areal 2017 gekauft hat, den Kaufhauskomplex völlig neugestalten. Der denkmalgeschützte Altbau vorn am Bahnhofsplatz bleibt stehen (hier hatte 1905 eine Warenhaus-Filiale der Kette Hermann Tietz, später Hertie, eröffnet).

So sieht das denkmalgeschützte Warenhaus aktuell noch aus ...
So sieht das denkmalgeschützte Warenhaus aktuell noch aus ... © Signa

Die Signa will das Gebäude als erstes Teilprojekt schon ab August sanieren und in den Originalzustand zurückversetzen. Danach soll eine deutlich verkleinerte Karstadt-Filiale bleiben. Unters Dach kommen noch Gastro und Geschäfte.

Was passiert mit dem Langbau?

Spannend wird, was dahinter mit dem langgezogenen Riegel passiert, der in den Siebzigerjahren entlang der Schützen- und Prielmayerstraße angebaut wurde, und der sich bis hinter das Hotel Königshof erstreckt. Mit dieser Fläche wurde das Kaufhaus, das seit 2007 als Karstadt firmiert, nach dem Berliner Kadewe zum zweitgrößten in Deutschland.

Es könnte zum Abriss kommen

Den Langbau nämlich will die Signa ab dem Frühjahr 2023 komplett abreißen - sobald das Bebauungsplanverfahren abgeschlossen ist. Stattdessen sollen dort drei Neubauten entstehen, die durch Passagen getrennt sind, damit Spaziergänger von der Schützen- in die Prielmayerstraße kreuzen können. Auch längs, vom Hauptbahnhof zum Stachus, soll man die Gebäude in einer 200 Meter langen Passage durchlaufen können.

Wohnungen sind hier nicht geplant

In den Neubauten (sieben Stockwerke) sind drei Lichthöfe eingeplant - und Dachterrassen, die öffentlich nutzbar sein sollen. Aktuell plant die Signa mit einer Gebäudehöhe von 31 Metern (also acht Meter höher als jetzt). Projektchef Alexander Cronauer: "Man wird bis zu den Alpen sehen können."

... und so soll es wiederhergestellt werden, auch bei den Rundbogen.
... und so soll es wiederhergestellt werden, auch bei den Rundbogen. © Signa

Aber welche Nutzung ist in den neuen Gebäuden vorgesehen? Auf sechs der sieben Stockwerke plant die Signa Büroflächen, darunter auch Co-Working-Spaces. Wohnungen soll es keine geben - der Lärm vom Hauptbahnhof und vom Verkehr drumherum gebe das nicht her.

Eine Jury soll über die Fassade entscheiden

Im Erdgeschoss soll es nicht nur Läden und Restaurants geben, sondern vor allem Ausstellungsflächen etwa für Firmen. "Das können große Unternehmen wie Autobauer oder Siemens, Apple und Google sein, aber auch junge bayerische und Münchner Partner", sagt Alexander Cronauer.

Wie die neuen Fassaden mal aussehen werden, ist noch unklar. Darüber soll eine Jury entscheiden. Für die Tiefgarage sind nur noch 320 Platze (jetzt: 470) geplant, dafür aber viele Fahrradstellplätze.

Und was passiert mit dem Gebäude des Hotels Luitpold, das in der Schützenstraße 14 mit dem Karstadt-Anbau verbunden ist, also im Planungsareal liegt - aber der Signa nicht gehört?

Zukunft des Hotel Luitpold ist noch unklar

Man sei noch "in Ankaufsverhandlungen", sagt ein Signa-Sprecher, und man sei "zuversichtlich, zu einem Abschluss zu kommen". Das Signa-Imperium hat etliche Immobilien in der Münchner City angesammelt. Darunter den Oberpollinger, das Kaut-Bullinger-Haus in der Rosenstraße und die Alte Akademie in der Fußgängerzone. Auch das Unternehmen Galeria Karstadt Kaufhof gehört der Signa.

In den Umbau am Hauptbahnhof werde man "mehrere 100 Millionen Euro" investieren, hieß es gestern. Wenn alles läuft wie geplant, soll der Altbau mit dem verkleinerten Karstadt 2023 wiedereröffnet werden und das Neubauareal Ende 2026 fertig sein.

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Virtuell am Karstadt-Areal spazieren gehen und mitdiskutieren kann man in Kürze auf der Projekt-Webseite: www.entwicklung-schützenstrasse.de Für 19. Mai (19 Uhr) ist dort ein Online-Bürgerdialog geplant. Mitreden kann man auch über:
089 23 23 72 78 1905 oder per Mail über: dialog@entwicklung-schützenstrasse.de

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