Kapi Sauna München: Social-Sauna im Bahnwärter Thiel mit Self-Service-Container
Früher brachte Maximilian Rottenaicher (38) das Münchner Publikum mit seiner Partyreihe IWW in Clubs wie dem Harry Klein zum Schwitzen. In Zukunft versucht er’s mit einer Sauna.
Dazu hat er sich mit seinem Spezl Martin Dietrich (39) zusammengetan und eine Idee nach Deutschland gebracht, die beide schon in diversen Urlauben begeistert hat: eine Kompakt-Sauna mit Self-Service. In den Niederlanden oder der Slowakei ist das schon ein richtiges Erfolgsmodell, wie die beiden Sauna-Fans berichten.

Beim AZ-Besuch Ende August gibt es indes noch kleine Kinderkrankheiten: Das Internet zickt ein wenig – heute Abend wird der erste Gast kommen und bis dahin soll der Ort ganz von allein funktionieren. Ohne Mitarbeiter vor Ort. Das ist nämlich der Clou an der Geschichte: Per App oder Internet bucht man sich ein Zeitfenster à 90 Minuten und sauniert dann mit bis zu acht anderen Gästen. Ein Code verschafft Zugang zu den zwei Schiffscontainern, die – ganz im Bahnwärter-Thiel-Stil – umfunktioniert wurden zu einem Wellness-Kleinod.
Gäste gießen selbst auf
"Wir nennen unser Konzept ‚Social Sauna’", erklärt Dietrich. "Man trifft auf fremde Leute und kann ganz locker ins Gespräch kommen, weil man sich ja um alles gemeinsam kümmert." Rottenaicher ergänzt: "Bei den meisten Saunen, die ich kenne, steht draußen ein Schild: ,Bitte leise sein‘. Das ist bei uns nicht so. Es ist gewollt, dass die Leute auch miteinander interagieren."
Das fängt bei den Aufgüssen an: Diese gießen die Gäste selbst auf, der Elektroofen ist bereits auf 80 bis 85 Grad vorgeheizt, wenn eine Session beginnt. Wer lieber unter sich bleibt, der sollte sich den Raum ganz mieten. Auch das ist möglich. Dann dürfen bis zu zehn Personen gemeinsam in die beiden Container, die durch einen Außenbereich mit Dusche verbunden sind.

"Wir hoffen, dass hier eine kleine Community entsteht", sagt Rottenaicher. Community bedeutet auch, dass die Gäste achtsam mit dem Inventar umgehen. Es ist schon ein kleiner Vertrauensvorschuss, den die Betreiber ihren Gästen mitgeben. Hier im wilden, umtriebigen Bahnwärter-Thiel-Kosmos. Oder?
Der Name der Sauna kommt von Capybara-Tieren
"Wir sind hier im ersten Geschoss." Rottenaicher macht sich keine Sorgen: "In den Niederlanden funktioniert das prima", berichtet er. Eine Firma von dort stattet sie mit der nötigen Technik aus, die es ihnen erlaubt, den Wellness-Container aus der Ferne zu betreiben, obwohl sie beide auch noch eine Vollzeit-Arbeitsstelle haben.
Über eine Wendeltreppe kommt man zum Eingang der Sauna. Dort prangt schon das runde Schild: Kapi Sauna. Der Name leitet sich von den putzigen Capybara-Tieren ab. Es ist ein Nagetier, das in Lateinamerika weit verbreitet ist und wegen seiner tiefenentspannten Aura sowas wie Kult-Status innehat.
Die friedlichen Riesennager sind bekannt dafür, dass selbst gefährliche Raubtiere wie Krokodile ihnen gegenüber quasi nie aggressiv werden. Nicht mal, wenn sie auf deren Rücken "Boot fahren". Ein passendes Wappentier für eine gesellige Sauna also.
"Gesundheit wird in der Gesellschaft ein immer wichtigeres Thema"
Drinnen erwartet Besucher erst mal eine Chill-out-Area, in der auch die Umkleiden untergebracht sind. Über eine Terrasse geht es in die eigentliche Sauna. "Man kann hier seine Musik über Bluetooth laufen lassen", erklärt Dietrich. In beiden Kabinen sind in der Decke Lautsprecher verbaut. Die Räume sind holzvertäfelt mit Fußbodenheizung und lassen tatsächlich typisches Sauna-Flair auf kleinem Raum entstehen.
"Gesundheit wird in der Gesellschaft ein immer wichtigeres Thema", sagt Rottenaicher. Ein Metatrend, der auch ihnen in die Karten spielen soll. Die kurze Auszeit und Regeneration nach der Arbeit oder einer anstrengenden Jogging-Runde: Hier soll sie möglich sein für rund 19 Euro je 90 Minuten.

Wenn das Konzept ankommt in München, können sich beide vorstellen, zu expandieren. Das Thema "Sauna an besonderen Orten" ist schließlich gut weiterspinnbar. Neben der Surfwelle am Eisbach? In Isar-Nähe? Für die beiden ein kleiner Traum.
Italiener fühlen sich in der Textilasauna wohler
Einen weiteren Unterschied zu den klassischen Thermalsaunen oder den Angeboten der Stadt gibt es aber noch: Die Kapi Sauna funktioniert als Textilsauna – zumindest bei den gemischten Runden. "Meinen Arbeitskollegen aus Italien oder Spanien etwa ist bei dem Gedanken viel wohler", sagt Rottenaicher. Dort kennt man die "Nacktsauna" aus dem deutschsprachigen und skandinavischen Raum nicht so.
Speziell – nicht gerade typisch schön, aber spannend – ist auch der Ausblick durch eine riesige Fensterscheibe zu einer Seite des Sauna-Containers hin. Dort blickt man gewissermaßen "hinter die Kulissen" des Container-Dorfs auf die Rückseite der angrenzenden Einheiten.
Man kann sogar das Heizkraftwerk sehen
Diverse Holzlatten, ein Fahrradfelgen-Kunstwerk, ein Teil der Graffiti-Wand sowie der Zaun zum angrenzenden Club-Areal sind einige Eindrücke. Wer genau hinsieht, entdeckt in der Ferne am Himmel auch die zwei Türme des Heizkraftwerks. Gerade im Winter, bei Schneetreiben, dürfte dieser Anblick aus dem heißen Saunaraum heraus noch mal an Flair gewinnen.
Eins ist Rottenaicher noch wichtig: "Der Ort ist zur Erholung gedacht, das hier ist keine Party-Location." Vor Ort gibt es fließendes Leitungswasser, aber keinen Getränkeverkauf. Party-Vibes könnten indes von direkt nebenan kommen. Wenn im Sommer der Bahnwärter Thiel am Wochenende seine Open Airs feiert, dann dürfte man die bassgeladene Tanzmusik auch in der Sauna wahrnehmen, vielleicht ein paar Hände in der Luft über dem Zaun sehen.
Aber das bringen spezielle Orte eben mit sich: Sie haben ihre Eigenheiten.
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