Kalte Pyrotechnik: Grüne wollen Bengalo-Alternative

Pyrotechnik ist in deutschen Fußballstadien seit vielen Jahren verboten. Die Landtags-Grünen bringen jetzt eine Alternative zu den herkömmlichen Bengalos ins Spiel – Max Deisenhofer, sportpolitischer Sprecher, spricht sich für sogenannte kalte Pyrotechnik aus.
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Grünen-Politiker Max Deisenhofer.
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München - Immer wieder kommt es in deutschen Fußballstadien zu Vorfällen mit Pyrotechnik – und das, obwohl das Abbrennen der Fackeln eigentlich per Gesetz verboten ist.

Max Deisenhofer, sportpolitischer Sprecher der Landtags-Grünen, setzt sich laut eigener Aussage für eine "lebhafte, bunte und zugleich friedliche Fankultur in den Fußballstadien" ein. Eine Alternative zu den üblichen Bengalo-Fackeln ist für ihn die "kalte" Pyrotechnik. Mit einem entsprechenden Antrag hat er sich im November 2018 an den Landtag gewandt.

Was ist kalte Pyrotechnik?

Der größte Unterschied zwischen "kalter" und üblicher Pyrotechnik ist wohl die Temperatur. Während normale Bengalos eine Temperatur von bis zu 2.000 Grad erreichen und damit für Verbrennungen dritten Grades verursachen können, wird die "kalte" Alternative lediglich bis zu 230 Grad heiß. Ganz ungefährlich sind aber auch diese Fackeln nicht, sie können bei Kontakt mit der Haut noch immer zu Verbrennungen ersten oder gar zweiten Grades führen.

Die Technologie der "kalten" Fackeln ähnelt der der sogenannten Traumsterne. Das sind kleine Pyro-Fontänen, die man beispielsweise auf Torten findet – für etwa eine halbe Minute brennt dann ein leuchtender Feuerstrahl ab.

In den vergangenen Jahren hat der Däne Tommy Cordsen die Funktionsweise der Traumsterne auf eine größere Form übertragen und so die neuartigen Pyro-Fackeln entwickelt. In dänischen Fußballstadien werden sie jetzt zu Testzwecken teilweise erlaubt.

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Bayerische Regierung gegen kalte Pyrotechnik

Grünen-Politiker Deisenhofer möchte nun "ergebnisoffen prüfen", wie es mit "kalter" Pyrotechnik in bayerischen Fußballstadion aussehen würde.

Thorsten Glauber von den Freien Wählern, Staatsminister für Umwelt und Verbraucherschutz, hat im Januar auf die Anfrage von Deisenhofer reagiert. Mit Bezug auf die Stadionverordnungen und die Polizei lehnt die Söder-Regierung die "kalte" Pyrotechnik ab. "Auch wenn diese Pyroprodukte 'weniger heiß' als konventionelle Bengalfackeln sind, ist eine Brand- und Verbrennungsgefahr vorhanden. Gerade bei großen Menschenansammlungen ist diese Gefährdung nicht unerheblich", führt Glauber in seiner Antwort aus. Auch das Abbrennen der Fackeln im öffentlichen Raum - etwa bei Fanmärschen zum Stadion - lehnt die Regierung aus Sicherheitsgründen ab.

Für Deisenhofer ist das "ignorante Scheuklappenpolitik". Seiner Meinung nach möchte sich die Regierung überhaupt nicht ernsthaft mit dem Thema befassen. "Wir sprechen hier von Pyrotechnik mit um mehr als einem Viertel niedriger Abbrenntemperatur", so Deisenhofer. "Da bewegen wir uns im Bereich von Wunderkerzen und weit weg von Gefahren durch Silvesterböller."

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Deisenhofer möchte einen Kompromiss finden, mit dem sowohl die Verbände und Vereine als auch die Fans gut leben können: "Es bringt ja nichts, wenn wir den illegalen Einsatz von Bengalos beklagen, aber in der Praxis nicht eindämmen können. Dann doch lieber die kontrollierbare, legale Technik und klare Vereinbarungen mit der Fanszene." Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga lehnen Pyrotechnik in den Stadien jedoch rigoros ab – sowohl "kalte" als auch übliche.

Ohnehin gilt das Verhältnis zwischen den beiden Verbänden und den Ultra-Gruppierungen in Deutschland als stark angespannt. Der Grund: 2011 sprachen DFB und DFL mit den Ultras über das kontrollierte Abbrennen von Pyrotechnik. Den Fans zufolge hätten die Verbände zugestimmt, die entgegengebrachten Vorschläge zu prüfen – allerdings nur, wenn die Ultras für einige Zeit auf Bengalos verzichten würden. Anschließend sollen DFB unf DFL den Versuch abgebrochen haben.

Grünen-Politiker Max Deisenhofer.
Grünen-Politiker Max Deisenhofer. © ok-photography.de

Kalte Pyrotechnik: Wie geht es jetzt weiter?

Der grüne Sportpolitiker kündigt zeitnah einen Antrag auf Gefahrenevaluation für "kalte" Pyrotechnik an und möchte im Rahmen eines Fachgesprächs mit Fanvertretern deren Zustimmung zu möglichen kontrollierten Abbrennzonen in den Stadien ausloten.

Der Regierung zufolge werden die aktuellen Versuche in Dänemark, Pyrotechnik kontrolliert abzubrennen, beobachtet.

Lesen Sie auch: Innenminister beraten - Haftstrafe für Pyrotechnik?

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