Jogger fängt Straßenräuber

Michael Ackermann sieht, wie eine Radlerin überfallen wird, und macht sich an die Verfolgung des Täters. Der sitzt inzwischen seine Haftstrafe ab.
| Ralph Hub
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Michael Ackermann (35) bekommt Polizeibienenhonig und ein Dankschreiben vom Polizeipräsidium.
Daniel von Loeper Michael Ackermann (35) bekommt Polizeibienenhonig und ein Dankschreiben vom Polizeipräsidium.

München - Behaupte noch jemand, joggen sei sterbenslangweilig und monoton. Der Münchner Michael Ackermann erzählt da eine ganz andere Geschichte. Er fing beim Lauftraining einen Straßenräuber. Gestern wurde der 35-jährige Angestellte für seinen beherzten und mutigen Einsatz belobigt.

Fahrradfahrerin rief um Hilfe

Um fit zu bleiben, läuft Michael Ackermann regelmäßig sechs bis sieben Kilometer. Er hatte seine Trainingsrunde am 27. Oktober vergangenen Jahres nachmittags fast beendet, als er in der Milbertshofener Straße Schreie hörte. "Ich sah eine Frau am Boden, die auf einen Mann zeigte, der davonlief", erzählt der 35-Jährige. "Er hielt eine Tasche unter dem Arm und hatte es sehr eilig."

Dem Münchner war sofort klar, dass er Zeuge eines Straßenraubs geworden war. Der Täter hatte die Tasche einer 58-Jährigen aus deren Fahrradkorb gerissen. Um sich vor Diebstahl zu schützen, hatte die Münchnerin zur Sicherheit die Henkel um die Sattelstange geschlungen. Als der Täter an der Tasche riss, stürzte die Radlerin.

Jogger holt flüchtigen Räuber ein

Zum Glück kam genau in diesem Moment Michael Ackermann vorbei. "In so einer Situation handelt man rein instinktiv und denkt nicht lange nach", sagt der Angestellte. Er gab Gas und versuchte, den flüchtigen Räuber einzuholen. Der hatte inzwischen bereits 15 Meter Vorsprung, Michael Ackermann aber die bessere Kondition. Er bekam den 18-Jährigen an der Schulter zu fassen.

Der Räuber riss sich los und rannte über die Straße. Doch er kam nicht mehr weit. Zwei Handwerker hatten ihn ebenfalls bemerkt und stellten sich dem Flüchtenden in den Weg. Zu dritt umzingelten sie den 18-Jährigen, drängten ihn gegen eine Hauswand. "Setz dich auf den Boden und warte, bis die Polizei kommt", rieten ihm die drei Männer.

Einfach gehandelt, statt lange nachgedacht

Erst als die Anspannung nachließ, kam Michael Ackermann der Gedanke, was wäre passiert, wenn der Täter mit einem Messer bewaffnet gewesen wäre und sich gewehrt hätte? "Über die Gefahr war ich mir in diesem Augenblick gar nicht im Klaren, das kam erst später", erzählt Michael Ackermann.

Im Polizeipräsidium bekam der Münchner gestern ein Glas echten Polizeibienenhonig überreicht, dazu 150 Euro als Belohnung und ein Dankschreiben für sein couragiertes Eingreifen. "Das ist in diesem Fall wirklich optimal gelaufen", sagt Polizeisprecher Werner Kraus. "Allerdings sollte sich niemand selbst in Gefahr bringen, wenn er in so einer Situation eingreift."

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Auch die beiden anderen Helfer wurden vom Präsidium belobigt. Die beiden Handwerker bekamen ebenfalls Honig, Geld und ein Dankschreiben.

Täter ist inzwischen in Haft

Der Dieb sitzt übrigens gerade seine Haftstrafe ab. Der Münchner ist einschlägig polizeibekannt. Weil er zur Tatzeit erst 18 Jahre alt war, wurde er vor einem Jugendgericht angeklagt. Der Richter entschied auf eine mehr als ein Jahr dauernde Haftstrafe, die der Handtaschenräuber derzeit verbüßt.

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