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Jetzt wird Münchens Nahverkehr zwei Tage bestreikt: Das sagt die MVG

Die Gewerkschaft Verdi ruft im ÖPNV bundesweit zum zweitägigen Warnstreik auf. In Bayern sind neben München zwölf weitere Städte betroffen. Was die MVG sagt und rät.
von  AZ/dpa
Auch München ist von der nächsten Runde im Warnstreik betroffen. (Archivbild)
Auch München ist von der nächsten Runde im Warnstreik betroffen. (Archivbild) © Felix Hörhager/dpa

 In 13 bayerischen Städten dürfte der Nahverkehr am Freitag und Samstag (27./28. Februar) weitgehend zum Erliegen kommen. Die Gewerkschaft ruft zu einem zweitägigen Warnstreik im kommunalen Nahverkehr auf. Was geplant ist, wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) reagiert.

Erneutes Chaos im ÖPNV: Zwei Tage Warnstreik in München

Betroffen sind demnach die fünf größten bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Ingolstadt, zudem Fürth, Bamberg, Passau, Landshut, Schwabach, Bayreuth, Schweinfurt und Dachau. Auch in anderen Teilen Deutschlands wird gestreikt.

Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben am Freitag und Samstag in vielen bayerischen Städten stehen. (Archivbild)
Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben am Freitag und Samstag in vielen bayerischen Städten stehen. (Archivbild) © Stefan Puchner/dpa

Wie schon in den vorhergehenden Streiks sind S-Bahnen, Regionalbahnen und Regionalbusse in der Regel nicht betroffen, da sie von anderen Unternehmen betrieben werden. Zudem ist damit zu rechnen, dass in den betroffenen Städten teilweise städtische Buslinien verkehren, die von externen Dienstleistern befahren werden. 

Selbst der Straßenverkehr war zuletzt betroffen

Teilweise war es den Stadtwerken und Verkehrsunternehmen bei den jüngsten Warnstreiks zudem gelungen, Notfahrpläne zu organisieren oder auch auf einzelnen Tram- oder U-Bahn-Strecken einen ausgedünnten Verkehr aufrechtzuerhalten. Die Beeinträchtigungen waren dennoch enorm, der Straßenverkehr war durch deutlich stärkere Staus betroffen.

Der MVG-Betrieb während des Warnstreiks

In München sind, wie bei den beiden Ausständen zuvor, die U-Bahn, die Trambahn und alle Buslinien bis zur Nummer 199 betroffen, teilte die MVG am Dienstag mit. Die S-Bahn, die Regionalzüge und die Linien der MVV-Regionalbusse werden demnach nicht bestreikt.  

"Wie bei jedem Streik" bereite man sich im Vorfeld auf Grundlage eines Notfahrplans vor. "Die Priorität liegt dabei auf einer möglichst gleichmäßigen Verteilung der einsatzbereiten Busse im Netz. Sie werden stadtweit die Grundversorgung absichern", heißt es bei der MVG.

Je nachdem wie viel Personal verfügbar ist, verkehren den Angaben zufolge außerdem einzelne Tram- und U-Bahn-Linien ganz oder abschnittsweise. Die MVG empfiehlt, am Streiktag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder – wenn möglich – Homeoffice einzuplanen.

Aktuelle Informationen gibt es auf mvg.de und in der App MVGO. In der Verbindungsauskunft finden die Fahrgäste im Streikfall demnach alle aktuellen Informationen, die der MVG bekannt sind, unter "Aktuelle Störungen" auf mvg.de bzw. unter "Störungen" in der App MVGO.

Erneute Streik-Ankündigung stößt auf heftige Kritik

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) bezeichnet die Warnstreiks als unverhältnismäßig und verlangt deren Rücknahme. "Die Gewerkschaft überspannt den Bogen bei weitem", wird Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt in einer Mitteilung zitiert.

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. (Archivbild)
Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. (Archivbild) © Sven Hoppe/dpa

Er fügte hinzu: "Die geänderte Streikkultur der Gewerkschaften und eine arbeitskampffreundliche Rechtsprechung haben das Kräfteverhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern in Schieflage gebracht. Das muss dringend durch den Gesetzgeber korrigiert werden."

Werde der Berufsverkehr durch Streiks zum Erliegen gebracht, treffe dies Pendler und Unternehmen gleichermaßen hart, betonte Brossardt: "Das ist in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation unseres Landes nicht hinnehmbar." Er fordert angesichts der "immensen streikbedingten Kosten" im Bereich der kritischen Infrastruktur eine verpflichtende Schlichtung, bevor es zum Arbeitskampf kommen könne.

Am Verhandlungstisch gegenseitige Vorwürfe

Verdi fordert für die etwa 9000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen, für die der Tarifvertrag gilt, unter anderem eine Entgeltsteigerung um 668,75 Euro sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit. 

In der Verhandlungsrunde am 13. Februar war es nach Einschätzung von Verdi zu keiner Annäherung gekommen. Statt die Forderungen "als überzogen zurückzuweisen, sollten die Arbeitgeber/innen endlich den Druck erkennen, der finanziell und aufgrund der Arbeitsbedingungen auf den Beschäftigten lastet und Verhandlungen auf Augenhöhe mit uns führen", fordert der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, Sinan Öztürk.

Der Kommunale Arbeitgeberverband hatte die Warnstreiks zuletzt kritisiert. Die Forderungen der Gewerkschaft seien nicht erfüllbar. "Daran können auch die derzeitigen Streiks nichts ändern. Sie belasten daher die Bevölkerung zu Unrecht", teilte der Verband vergangene Woche mit. Zudem würden die Kostensteigerungen durch höhere Löhne "zwangsläufig zu höheren Fahrpreisen und einer Reduzierung des Verkehrsangebots führen".

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