"Die besten Aussichten für Siemens": So will das Unternehmen wachsen

Siemens will groß denken: KI soll im Münchner Dax-Konzern eine immer bedeutendere Rolle spielen. Gewerkschafter gehen mit, haben aber eine Forderung. Wie diese lautet und was das Großunternehmen so vorhat.
von  Martina Scheffler
Roland Busch ist der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG. Er plant, das Unternehmen umzubauen – und setzt dabei voll auf Technologie.
Roland Busch ist der Vorstandsvorsitzende der Siemens AG. Er plant, das Unternehmen umzubauen – und setzt dabei voll auf Technologie. © Sven Hoppe (dpa)

Der deutschen Wirtschaft geht’s schlecht – aber nicht jedes Unternehmen klagt. In München zeigt sich Siemens bereit für die Zukunft. "Es ist unser Anspruch, prozentual zweistellig zu wachsen", sagte jetzt der Vorstandsvorsitzende Roland Busch dem "Handelsblatt".

Dafür brauche man angesichts der schon starken Marktposition "neue Produkte, neue Geschäftsmodelle und neue Partnerschaften". Die Pläne für den Wandel des Unternehmens zur sogenannten "One Tech Company" stellte Busch demnach Arbeitnehmervertretern im Wirtschaftsausschuss vor.

"Jetzt machen wir den nächsten Schritt in unserer Transformation: Wir geben uns ein neues Betriebssystem", sagte Busch dem "Handelsblatt" weiter. "Mit Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility behalten wir unsere Struktur bei."

Gewerkschaft hält Siemens-Strategie für "tragfähig"

Der Vertrieb solle künftig näher am Kunden arbeiten. Die Transformation zur "One Tech Company" beinhaltet unter anderem den Anspruch, Software, Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) zusammenzuführen.

Der Schriftzug "Siemens" vor der Firmenzentrale. Das Unternehmen möchte verstärkt auf KI setzen.
Der Schriftzug "Siemens" vor der Firmenzentrale. Das Unternehmen möchte verstärkt auf KI setzen. © Sven Hoppe (dpa)

Innovationen sollen skaliert, also erhöht werden. KI werde die Welt binnen sieben oder acht Jahren verändern, sagte Busch dem "Handelsblatt". Die IG Metall bezeichnete die Entwicklung in einer Mitteilung "unverändert grundsätzlich als tragfähige Strategie".

"Wir tragen das Konzept der integrierten One Tech Company mit, weil es aus heutiger Sicht langfristig die besten Aussichten für Siemens bietet", kommentierte Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG  Metall und stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Siemens AG.

Jürgen Kerner ist Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Er befürwortet Siemens Umbaupläne, solange diese keine Stellen kosten.
Jürgen Kerner ist Zweiter Vorsitzender der IG Metall. Er befürwortet Siemens Umbaupläne, solange diese keine Stellen kosten. © Michael Kappeler (dpa)

"Wenn eine Firma bei industrieller KI den amerikanischen Tech-Konzernen die Stirn bieten kann, dann ist das Siemens." Allerdings dürften die angestoßenen Veränderungen keinen Stellenabbau mit sich bringen, forderte Kerner. Busch kündigte im "Handelsblatt" schon "Verschiebungen" an, "begleitet von einer massiven Aus- und Weiterbildungsinitiative". Es werde "für bestimmte Aufgaben weniger Menschen brauchen, für andere mehr".

Siemens-Chef will Fachkräftemangel mit Technologie lösen

Seit Start des One-Tech-Programms sei die Zahl der Beschäftigten stabil geblieben. Es gelte aber: "In einer Phase des Wachstums und einer alternden Belegschaft müssen wir den Fachkräftemangel mit Technologie lösen." Ingenieure etwa hätten durch den Einsatz neuer Technologien mehr Zeit, um etwa Roboter in die Produktion zu bringen.

Ob letztlich auch die Aktie neu bewertet werde, sei eine Frage des Marktes, sagte der Siemens-Chef. "Aber bei unserem Geschäftsmodell wächst auch die Marge, wenn der Umsatz steigt. Siemens hat da eine hervorragende Conversion. Bei Software zum Beispiel fällt zusätzlicher Umsatz weitgehend von oben nach unten durch und erhöht den Gewinn."

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