„Jedes Opfer ist eines zu viel“

Der Krieg in Nahost lässt München nicht kalt: Am Samstag ziehen 2500 Palästinenser durch die Innenstadt, am Sonntag versammelt sich 1100 Menschen auf dem Marienplatz, um sich für Israel stark zu machen.
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2500 Demonstrierende ziehen durch die Stadt, um auf das Leid im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen.
Petra Schramek 2 2500 Demonstrierende ziehen durch die Stadt, um auf das Leid im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen.
Charlotte Knobloch spricht vor 1100 Menschen auf dem Marienplatz.
Sigi Müller 2 Charlotte Knobloch spricht vor 1100 Menschen auf dem Marienplatz.

MÜNCHEN - Der Krieg in Nahost lässt München nicht kalt: Am Samstag ziehen 2500 Palästinenser durch die Innenstadt, am Sonntag versammelt sich 1100 Menschen auf dem Marienplatz, um sich für Israel stark zu machen.

Sie wollen den Terror im Gaza-Streifen nicht – 2500 Menschen zeigten sich am Samstag bei einer Demo solidarisch mit dem Palästinensern. Und am Sonntag versammelten sich 1100 Menschen am Marienplatz, um Israel den Rücken zu stärken.

Gemeinsam gegen den Krieg? Da sind die Überzeugungen zu verschieden. „Wo sind die Menschenrechte in Gaza“, „Freiheit für Palästina“, steht auf den Plakaten, die in der Mittagssonne auf dem Odeonsplatz geschwenkt werden. Auf vielen sind Bilder von blutverschmierten Kinderleichen abgedruckt. Mehr als 800 Tote und 3000 Verletzte, „ein Drittel sind Kinder!“, sagt Wolfgang Blaschke vom Münchner Bündnis gegen Krieg am Rednerpult. Die Demonstranten drängen sich vor der Bühne, die meisten haben Palästinensertücher um den Hals, viele tragen Kopftuch.

Rechtsradikale haben hier nichts verloren

Zwei in den vorderen Reihen verstecken sich hinter Sonnenbrillen. „Wir verwehren uns auf das Schärfste, dass die Ewiggestrigen ihr braunes Süppchen auf unserem Herd köcheln“, ruft ein Veranstalter wütend ins Mikro. Die Rechtsradikalen werden, begleitet von „Nazis-raus“-Rufen, aus der Menge gezogen.

„Hauptgrund für diesen Krieg ist, dass die israelische Regierung vor den Wahlen Härte zeigen will“, sagt Ismail Hassan von der palästinensischen Gemeinde München, „Merkel, Merkel, Augen auf, unsere Kinder gehen drauf“, ruft die Menge, die sich von der deutschen Außenpolitik nicht würdig vertreten sieht. Der Zug zieht durch die Innenstadt zum Marienplatz, am Platz der Opfer des Nationalsozialismus muss die Polizei eine prosiraelische Mahnwache schützen, Palästinenser werfen Eier auf deren acht Teilnehmer.

Am Marienplatz spricht Evylen Hecht-Galinski, die Tochter des ehemaligen Präsidenten des Zentralrats der Juden. Auch sie zeigt sich solidarisch mit den Bewohnern des Gaza-Streifens, „die unter dem Terror Israels leiden, welches behauptet, in Selbstverteidigung handeln zu müssen!“

Sonntag: 1100 Menschen versammeln sich am gleichen Ort, um Solidarität mit Israel zu bekunden. „Die Hamas zerstört den Traum von dem friedlichen Miteinander zweier Staaten“, sagt Charlotte Knobloch, „seit acht Jahren feuern sie Raketen auf Israel.“ Der Staat würde nun der Pflicht nachgehen, seine Bürger zu schützen, sagt sie, und die Menge schwenkt blauweiße Fahnen und Transparente. „Die Hamas hat schon immer mehr Energie darauf verwendet, den jüdischen Staat zu zerstören, statt den eigenen aufzubauen – sie ist es, die die palästinensischen Kinder auf dem Gewissen hat!“

Die Palästinenser müssten endlich ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen, statt sich von Terroristen lenken zu lassen, sagt die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, „ Jedes Opfer ist eines zu viel“. Und da würden wohl beide Seiten zustimmen.

Laura Kaufmann

2500 Demonstrierende ziehen durch die Stadt, um auf das Leid im Gaza-Streifen aufmerksam zu machen.
München: „Jedes Opfer ist eines zu viel“ - München - Abendzeitung München

Foto: Petra Schramek
Charlotte Knobloch spricht vor 1100 Menschen auf dem Marienplatz.
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Foto: Sigi Müller
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