Ist der Professor von der Musikschule ein Vergewaltiger?

Ein Ex-Professor der Musikhochschule, Hans-Jürgen von Bose, muss sich wegen Vergewaltigung vor Gericht verantworten.
| John Schneider
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Hans-Jürgen von Bose vor dem Prozessbeginn.
Hans-Jürgen von Bose vor dem Prozessbeginn. © Sven Hoppe/dpa

München - Der Mann im Gerichtsflur wirkt erleichtert. Und das obwohl ihm schwerste Vorwürfe gemacht werden. Aber der bekannte Münchner Komponist und frühere Hochschulprofessor Hans-Jürgen von Bose (66) bestätigt den Eindruck des Beobachters. Im AZ-Gespräch nach dem ersten Verhandlungstag sagt er, dass er froh ist, dass der Prozess endlich angefangen hat: "Ich lebe seit fünfeinhalb Jahren mit einem Damoklesschwert über meinem Kopf."

Nach Vorwurf der Vergewaltigung: Professor wird suspendiert

Mitte 2015 war der Vorwurf der Vergewaltigung laut geworden. Hans-Jürgen von Bose wurde sofort suspendiert. Für ihn eine Enttäuschung, sagt der Ex-Hochschullehrer. Er habe keinerlei Rückendeckung von der Hochschule bekommen, die Unschuldsvermutung habe für ihn nicht gegolten: "In dubio pro reo hat es bei mir nicht gegeben."

Die mutmaßlichen Fälle gehen zurück in die Jahre 2006 und 2007. Der renommierte Komponist soll die 30 Jahre jüngere Frau laut Staatsanwaltschaft unter anderem mit der Drohung sexuell gefügig gemacht haben, er könne ihren Bruder beruflich ruinieren. Auch sei er gewalttätig geworden und habe sie unter Entzug von Essen und Trinken über Tage in seiner Wohnung eingesperrt. Die Anklage lautet auf Vergewaltigung in drei Fällen und Drogenbesitz.

Professor hat "besonderen Geschmack" beim Sex

Von Bose bekräftigt die Aussagen, die er 2015 nach einer Durchsuchung seiner Wohnung gegenüber der Polizei gemacht hatte. Demnach habe er mit der Frau eine Liebesbeziehung geführt, der Sex mit ihr sei einvernehmlich gewesen. Auch wenn er zugebe, dass er vielleicht einen "besonderen Geschmack" beim Sex habe, sie sei nie seine "Sklavin" gewesen.

Einige Zeit nach den vorgeworfenen Übergriffen seien beide zusammen nach Berlin gezogen, sie habe sich auch ein Kind von ihm gewünscht. Man wolle ihn mit den Vorwürfen wohl "in die Pfanne hauen", soll er gesagt haben.

Verteidiger fordert Freispruch

Den Drogenbesitz gibt der Angeklagte zu, aber er habe Rauschmittel nur genommen, um damit diverse gesundheitliche Beschwerden zu behandeln. Von Boses Verteidiger Steffen Ufer nannte die Anklage "nicht nachvollziehbar". Er erwarte einen Freispruch für seinen Mandanten.

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Von Bose ist nicht der erste Professor der Hochschule, der wegen eines Sexualdeliktes angeklagt wird. Der frühere Hochschulpräsident Siegfried Mauser wurde im Mai 2018 wegen sexueller Nötigung in drei Fällen vom Landgericht zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt, die er aus gesundheitlichen Gründen aber noch nicht angetreten hat.

Aufatmen auch an der Hochschule: Hochschulpräsident Bernd Redmann sagt, er sei "erleichtert, dass der Strafprozess gegen Hans-Jürgen von Bose nun beginnt". Die Ermittlungen seien "eine enorme Belastung für alle Beteiligten".

Das gilt natürlich vor allem für das mutmaßliche Opfer. Die Frau wird am nächsten Verhandlungstag am 23. November zu Wort kommen. Wahrscheinlich aber unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

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