"Isarmord"-Ermittler bekommt Schlag ins Gesicht

Nach der Entnahme von Blut rastet ein Zeuge aus und boxt dem Chef der Mordkommission ins Gesicht. Jetzt ist der Fall vor Gericht gelandet.
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Salama N. mit seinem Anwalt und einer Rechtsanwärterin.
anf Salama N. mit seinem Anwalt und einer Rechtsanwärterin.

München - Salama N. mag die Justiz nicht sonderlich. Wohl deshalb steht er nicht auf, als Richter und Schöffen den Gerichtssaal betreten. Polizisten schätzt er gar noch weniger. Zumindest bekam einer von ihnen, Markus Kraus (43), Chef der Mordkommission, von N. eins auf die Nase, nachdem N. im Zuge vom Ermittlungen Blut entnommen worden war. Seit gestern steht der 38-Jährige deshalb vor Gericht.

Es war Ende März 2015, die Mordkommission suchte gerade nach einer neuen Fährte im sogenannten Isarmord an Domenico L. Salama N. sollte eine Speichelprobe abgeben, reagierte aber nie auf die Vorladung. Weil er am Telefon aggressiv reagierte, rückten die Kommissare um Kraus mit dem SEK an. Um sechs Uhr früh.

N. beschimpfte die Kommissare, wurde fixiert und es wurde Blut entnommen, weil er keine Speichelprobe abgeben wollte. Als das Einsatzteam schon am Abrücken war, schlug N. Kraus nach dessen Aussage „aus dem Nichts“ ins Gesicht.

N. sagt, es habe ihn geärgert, dass das SEK die Tür zerstört habe und Kraus sie angeblich nicht reparieren lassen wollte. Zudem habe der Einsatz seine kranke Mutter verschreckt, die er bislang zu Hause gepflegt habe. Inzwischen ist N. in der Psychiatrie untergebracht.

Warum er zugeschlagen hat, kann er sich nicht erklären. Eigentlich sei er ja ein Esoteriker und für Gewaltverzicht, aber gleichzeitig auch Agnostiker. Er nennt sich einen „spirituellen Aktivisten“. Es ist kompliziert.

Salama N. bezieht seine Erkenntnisse aus der Bibel – aus der er während der Verhandlung einmal vorliest – aber manchmal auch vom Gangster-Rapper Bushido. Der habe nämlich einmal gesagt, „in einem schwebenden Verfahren sage ich nichts ohne meinen Anwalt“, sagt N.

Aber weil sein Anwalt während der Verhandlung hinter ihm sitzt, sagt N. sehr viel. Gerne auch: „Um es kurz zu machen“, was er aber selten macht. N. schildert, wie er den Morgen im März empfunden hat, schweift dabei gerne ins Grundsätzliche und Philosophische ab.

Dass er zugeschlagen und mehrere Polizisten beschimpft hat, räumt er ein. Aber sonst sei vieles, was in der Anklage steht, falsch. Als das SEK auf einmal in seiner Wohnung stand, habe er erst eine Stunde geschlafen gehabt, weil er so lange einen Film angeschaut habe. Außerdem habe er Angst um seine 73 Jahre alte Mutter gehabt. Deshalb sei er so ausfallend gewesen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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