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Isarindianer ist stocksauer auf die Münchner Polizei – das ist der Grund!

Der Liedermacher Willy Michl wird an seinem 76. Geburtstag auf der Leopoldstraße auf Alkohol und Drogen kontrolliert – und muss vor sechs Polizisten in einen Pappbecher pinkeln.
von  Nina Job
Isarindianer Willy Michl hat den bairischen Blues erfunden.
Isarindianer Willy Michl hat den bairischen Blues erfunden. © IMAGO/Manfred Segerer

Willy Michl ist eigentlich ein sehr friedliebender Mann. Der Musiker, der in den 70ern den bairischen Blues ("Isarflimmern", "Bobfahrer-Blues", "I möcht so gern a Wildpferdl sei") erfand, bezeichnet sich gern als "Freedener". Das Wort ist eine Eigenkreation aus dem englischen Wort Freedom (Freiheit) und dem deutschen Frieden. Was der Musiker an seinem 76. Geburtstag erlebt hat, bringt ihn allerdings auch am Tag danach noch so in Wallung, dass er überlegt, das Kriegsbeil auszugraben, freilich nur im übertragenen Sinne.

Am 9. Juli hat der Münchner Willy Michl Geburtstag.
Am 9. Juli hat der Münchner Willy Michl Geburtstag. © imago/Manfred Segerer

Es geschah in der Nacht zum Donnerstag, den 9. Juli. "Es war um 1.20 Uhr: Eine Stunde, nachdem ich vor 76 Jahren im Haunerschen Kinderspital geboren wurde", erzählt der Isarindianer der AZ. Willy Michl saß mit seiner Frau Cora im Auto. Die beiden kamen aus dem Lustspielhaus, wo er am Abend ein Geburtstagskonzert geben wollte. Der Musiker und seine Frau hatten schon mal das Equipment hingebracht.

Willy Michl saß am Steuer des Opel Vivaro, erzählt er. Über dem Armaturenbrett zwischen den beiden baumelten "heilige Federn" von fünf bayerischen Adlern. Federn, die die prächtigen Vögel bei der Mauser verloren haben und die Michl bei besonderen Zeremonien als Kopfschmuck trägt.

Plötzlich, so erzählt es der Musiker, tauchte hinter ihm die Polizei auf mit der Aufforderung anzuhalten. "Ich bin in eine Parkbucht gefahren, um die Zeit war ja nicht viel los", berichtet er.

Ich nehme keine Drogen, das weiß die ganze Stadt!

Nach dem Vorzeigen des Führerscheins und der Fahrzeugpapiere musste Michl einen Alkoholtest machen, also blasen. 0,00 Promille sei dabei herausgekommen, versichert der Musiker. "Seit mehr als 23 Jahren trinke ich keinen Alkohol mehr. Ich bin geistig und körperlich fit. Ich nehme gar nix, keine Drogen, das weiß die ganze Stadt!", sagt er.

So weit, so gut. Die Kontrolle war damit offenbar noch nicht erledigt. Willy Michl schimpft: "Die allgemeine Verkehrskontrolle ist zu einer Drogenfahndung eskaliert." Der "leitende Polizeiobermeister" habe ihn aus dem Auto heraus gezwungen. "Er sagte, ich hätte Schweiß auf der Stirn. Das ist eine Lüge. Ich habe nicht transpiriert", so Michl vehement. "Ich nehme Kollagen und Bräunungscreme, kann sein, dass da ein gewisser Schein war." Aber er habe sicher nicht geschwitzt. "Ich musste meine Sonnenbrille absetzen und mir wurde in die Augen geleuchtet."  Auch Koordinationstests habe er machen müssen. "Mit dem Finger an die Nase tippen und so, das ging alles einwandfrei."

Meine Frau hat mich mit Mut und Tapferkeit verteidigt

Doch noch immer war er offenbar nicht über jeden Drogenverdacht erhaben für die Polizeibeamten. Nun sei der Isarindianer auch noch aufgefordert worden, eine Urinprobe abzugeben. "Ich trag ja Lendenschurz. Da ziehe ich nur meine Leggins runter und halte den Pappbecher hin. Fünf Mann standen um mich rum und eine Frau", erzählt er. Problem: Michl konnte nicht. "Es kam nichts raus. Ich war erst kurz vorher auf die Toilette gegangen." Ewig habe er auf dem Beifahrersitz gesessen mit dem Becher unterm Schurz. Man habe ihm angekündigt, dass er dann mitmüsse zur Blutabnahme.

So weit kam es dann schließlich doch nicht. Um 2.23 Uhr durften Willy Michl und seine Frau endlich nach Hause fahren. Auch sein Finnenmesser, das der Isarindianer stets bei sich trägt, bekam er wieder zurück. "Das war Psychoterror", sagt er. "Meine Ehefrau war Zeuge." Sie habe während der Kontrolle nach Fotos gesucht im Handy, die ihren Mann mit Prominenten und Politikern zeigen und die Polizisten gefragt: "Wisst ihr überhaupt, wer er ist?" Michl ist seiner Frau dankbar. Sie habe ihn mit "Mut und Tapferkeit" verteidigt.

Am Tag nach dem unliebsamen Ereignis resümiert Michl: "Die haben mich wie eine Schachfigur zum Pissen durch die Leopoldstraße bugsiert". Es sei gut, "wenn das Kriegsbeil begraben ist." Aber: "Es ist ebenso gut, niemals zu vergessen, wo es liegt." Er will sich nun erst mal mit einem Anwalt besprechen. Als "Kriegsbeil" erwägt er eine Dienstaufsichtsbeschwerde.

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