Innerhalb des Mittleren Rings deutlich heißer: Diese Viertel trifft die Hitze am stärksten

AZ-interview mit Silvia Gonzalez: Sie ist Klimaexpertin und war jahrelang in der Klimabewegung aktiv, unter anderem bei den Vereinen Green City und Greenpeace. Die Fachexpertin für nachhaltige Stadtentwicklung spricht mit der AZ darüber, warum es in München immer heißer wird und welche Rolle Bäume dabei spielen.
Maja Aralica
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Die Hitze hält seit Tagen an, das Wochenende wird besonders heiß. Klimaexpertin
Silvia Gonzalez weiß, was helfen kann, um München nachhaltig abzukühlen
Die Hitze hält seit Tagen an, das Wochenende wird besonders heiß. Klimaexpertin Silvia Gonzalez weiß, was helfen kann, um München nachhaltig abzukühlen © IMAGO/Wolfgang Maria Weber (www.imago-images.de)

ABENDZEITUNG: Frau Gonzalez, wie würden Sie das Stadtklima in München grundsätzlich beschreiben?
SILVIA GONZALEZ: München ist – wie viele Millionenstädte – stark vom sogenannten Wärmeinsel-Effekt betroffen. Durch die dichte Bebauung und die versiegelten Flächen kann sich die Stadt tagsüber stark aufheizen, aber nachts nicht ausreichend abkühlen.

Silvia Gonzalez.
Silvia Gonzalez. © Tobias Hase

Gibt es auch positive Faktoren?
Ja. München profitiert klimatisch von der Nähe zu den Alpen. Von dort kommen regelmäßig frische Winde, das sogenannte „Alpenschwappen“ oder auch "alpines Pumpen". Das bringt uns im Vergleich zu Städten wie Berlin durchaus Vorteile.

Klimaexpertin über das Hitzeproblem von München: "Da liegt ein großes Problem"

Hat sich das Stadtklima in den letzten Jahren verändert?
Ja. Die "heißen Tage" und die "Sommertage" mit Temperaturen von über 30 beziehungsweise 25 Grad haben zugenommen, die Frost- und Eistage ab.

In welchen Stadtteilen ist es am heißesten?
Besonders betroffen sind die innenstadtnahen Bezirke wie die Altstadt, das Lehel oder auch die Maxvorstadt – also stark versiegelte und dicht bebaute Viertel. Selbst dort, wo es größere Grünflächen gibt, etwa beim Englischen Garten, reicht die Kühlwirkung oft nur für die unmittelbare Umgebung. Eine Straße weiter merkt man davon nichts mehr.

Woran liegt das?
Es gibt zwei Hauptfaktoren: der Versiegelungsgrad und das Vorhandensein von Grünelementen – oder eben das Fehlen davon. Die Kühlwirkung von Bäumen und Parks ist sehr lokal begrenzt. Dazu kommt, dass Frischluftschneisen von Süden nach Norden verlaufen – diese dürfen nicht durch Bebauung blockiert werden.

Mittlerer Ring grundsätzlich heißer

Ist es im Süden Münchens deshalb generell kühler?
Tendenziell ja. Aber entscheidender als die Himmelsrichtung ist, wie dicht bebaut ein Stadtteil ist. Sendling zum Beispiel liegt zwar im Süden, ist aber dichter bebaut als Allach im Norden – und deshalb oft wärmer. Innerhalb des Mittleren Rings ist es grundsätzlich deutlich heißer als außerhalb.

Was macht die Stadt München aus Ihrer Sicht beim Thema Stadtklima richtig?
Es gibt positive Initiativen wie die Aktion "3500 Bäume für München", bei der Bürgerinnen und Bürger sowie Bezirksausschüsse mitgeholfen haben, geeignete Pflanzorte zu identifizieren. Das ist gut – aber wir brauchen deutlich mehr. 3500 Bäume in zehn Jahren sind zu wenig. Notwendig wären eher 8000 bis 10.000.

Alte Bäume schützen und zusätzliche pflanzen

Und wie sieht es auf Privatgrundstücken aus?
Da liegt ein großes Problem. Viele Innenhöfe werden derzeit zugebaut und versiegelt – oft mit der Folge, dass alter Baumbestand verloren geht. Das passiert auch in Vierteln wie der Maxvorstadt, Schwabing oder dem Westend, wo es ohnehin schon dicht ist. Leider hat die Stadt bei privaten Grundstücken kaum Handhabe. Zwar wird die Baumschutzverordnung gerade überarbeitet und Fällungen sollen teurer werden, aber das ist noch nicht ausreichend.

Bäume spenden in der Stadt wertvollen Schatten: hier vor der alten Pinakothek.
Bäume spenden in der Stadt wertvollen Schatten: hier vor der alten Pinakothek. © Sven Hoppe (dpa)

Was wäre Ihrer Meinung nach die wichtigste Maßnahme?
Wir müssen jeden einzelnen Baum schützen – und zusätzlich viele neue pflanzen. Jeder Mensch sollte idealerweise einen Baum vor der Haustür haben. Die großen Parks sind wichtig, aber sie helfen bei der Hitze nur den Menschen, die direkt daneben wohnen. Besonders nachts kann das zum Gesundheitsrisiko werden – etwa bei Tropennächten, wenn die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt.

Für die Zukunft vorsorgen

Wie stark kühlt ein Baum die Luft tatsächlich ab?
Das hängt stark vom Alter und der Art des Baums ab. Eine große Linde mit dichter Krone kühlt mehr als ein junger Baum mit wenig Laub. Die volle klimatische Wirkung erreicht ein Baum erst nach etwa 25 Jahren, oft später. Deswegen muss man die doppelte Strategie fahren: Zum einen den alten Baumbestand unbedingt schützen, zum anderen immer wieder neue Bäume pflanzen, um für die Zukunft vorzusorgen.

Was können Münchnerinnen und Münchner für ein kühleres Stadtklima tun?
Private Eigentümer könnten versiegelte Innenhöfe, Fassaden oder Dächer begrünen. Dafür gibt es auch Fördergelder von der Stadt München, auch für Gewerbe.

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  • MadridistaMUC vor 9 Minuten / Bewertung:

    Also ich bin Hitze gewohnt. War schon in Utah, Arizona, Dubai ca 50 Grad, Marokko, bin von Dubai durch die Wüste ins Hatta Gebirge, Athen Auto gefahren ohne Klimaanlage, Akropolis hoch bei 42 Grad.. Aber gestern musste ich mit Hund aus der Au in die Schönstrasse zu Freunden flüchten. Es ist grenzwertig. In der Au kühlt es einfach nicht mehr ab, verdunkeln, morgens lüften, Klimagerät, bringt fast nichts mehr. Das liegt daran, dass alles versiegelt ist und kein Quadratzentimeter grün ist. Nur Asphalt, Betonpflastersteine und überall geparkte Autos die noch Nachts Wärme abgeben
    Es wird Zeit, dass die Stadt dort entsiegelt, beschattet, und Grünflächen anlegt. Am Besten auch vorhandene unterirdische Bäche freilegt.
    2 Brunnen in der nahen Umgebung sind nicht in Betrieb und Mariahilfkirche ist zugeschlossen. Die Stadt sollte in die Puschen kommen, weil sonst wars das mit Lebensqualität in München.

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  • FredC2 vor 30 Minuten / Bewertung:

    Übrigens haben auch am Strassenrand abgestellte Autos einen Anteil an der Erwärmung in einem Stadtviertel.
    Zum einen ist Motor nach einer Fahrt heiß bei fossilen Kfzs, zum anderen heißen sich die Dinger generell wie Backöfen in der Sonne aufund geben irgendwann die Energie an die Umgebung wieder ab.
    Aber soetwas will man in der Kfz-Hauptstadt von Deutschland ja nicht wahrhaben.

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  • MadridistaMUC vor 7 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von FredC2

    Neuerdings lassen Autofahrer sogar schon vor Abfahrt Ihre Autos laufen, Klimaanlage an, warten draussen bis etwas abgekühlt ist. Ich dachte ich fall vom Hocker. Jetzt geht das schon bei Hitze los und nicht nur im Winter.

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