Innere Mission fordert Steuererleichterungen für Pfleger und Polizisten

Wer dem Gemeinwohl dient, soll vom Fiskus entlastet werden, fordert Günther Bauer, scheidender Chef der Inneren Mission, und will eine solidarischere Pflegeversicherung.
| Linda Jessen
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Die Geschäftszentrale der Inneren Mission an der Landshuter Allee.
Bernd Wackerbauer Die Geschäftszentrale der Inneren Mission an der Landshuter Allee.

München - Deutschland altert und der Bedarf an Pflege steigt stetig an. Günther Bauer, noch bis einschließlich Februar dieses Jahres Vorstand der Inneren Mission, erinnert sich zurück, wie es zu Beginn seiner Dienstzeit vor 26 Jahren war. Damals war ein Großteil der Bewohner in Altenheimen noch "rüstig". Heute sind fitte Heimbewohner eine Seltenheit, die Menschen werden älter, vor allem die Zahl der Demenzerkrankten nimmt zu.

Für die sozialen Träger bedeutet das vor allem: Woher sollen die Fachkräfte kommen, die zur Pflege so vieler Menschen benötigt werden? Aus dem Ausland? Das funktioniert nur zum Teil. Denn die Pflegekräfte müssen, woher sie auch kommen, auch hier leben können.

Wie so viele andere wirbt die Innere Mission daher mit Einstiegsgehältern, die inklusive Zuschlägen bei rund 3.500 Euro brutto liegen.

Chef der Inneren Mission will höhere Steuergrenze

Bauer nimmt aber auch die Politik in die Pflicht, er fordert unter anderem höhere Steuerfreibeträge für Berufsgruppen, die dem Gemeinwohl dienen. Damit meint er nicht nur Pfleger und Erzieher, sondern auch Polizisten und Busfahrer.

Außerdem will Bauer eine höhere Steuergrenze. "Wenn der Mindestlohn bei zehn Euro läge, würde jemand mit Vollzeitjob 19.000 Euro im Jahr verdienen. 9.000 davon wären besteuert. Das ist ein innerer Widerspruch", sagt er.

Mit Blick auf München drückt ihn der Schuh am allermeisten da, wo er alle drückt: beim Wohnen. Das betreffe sowohl das Pflegepersonal wie auch beispielsweise junge Familien oder Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Die Geschäftszentrale der Inneren Mission an der Landshuter Allee.
Die Geschäftszentrale der Inneren Mission an der Landshuter Allee. © Bernd Wackerbauer

Pflegeversicherung: "Lebensrisiko nicht ausreichend abgesichert"

Aber auch bei der Finanzierung der Pflege hätte er gern einiges anders. Seine Kernforderung: Die Pflegeversicherung muss vollumfänglich solidarisch getragen werden. Also nach dem gleichen Prinzip funktionieren wie bereits jetzt die gesetzlichen Krankenkassen.

"Ein großes Lebensrisiko ist hier nicht ausreichend abgesichert. Es kann nicht sein, dass die Pflegeversicherung notwendige Maßnahmen der Grundpflege nicht zu 100 Prozent abdeckt", findet er.

Mit Rückblick auf die Veränderungen, die es während seiner Dienstjahre gab, sieht er hier die Privatisierung der Sozialbereiche als ursächliches Problem. "Wir müssen daher neu definieren, was eigentlich Daseinsvorsorge ist", sagt er. Die Pflege gehört für ihn eigentlich unbestreitbar dazu.

29 Prozent der deutschen Pflegekräfte kommen aus Vietnam

Auf europäischer Ebene müssen auch die Länder, die mit der EU-Osterweiterung dazukamen, Teil des Fürsorgeabkommens werden. Die andere Möglichkeit wäre eine nationale Lösung, um die Kommunen zu entlasten, denen der bisherige Ausschluss der betroffenen EU-Bürger auf die Füße falle. Denn an denen bleiben die Kosten, etwa für den Übernachtungsschutz in der Bayernkaserne, hängen.

Die globale Migration spürt die Innere Mission bisher vor allem im Personal – rund 29 Prozent der Pflegekräfte kommen etwa aus Vietnam.

Lesen Sie hier: Keine höhere Zulage für Beamte - OB Reiter ist enttäuscht

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