„In der Stadt sind viele Senioren einsam“

Der Leichnam einer 90-Jährigen liegt 2 Jahre in einer Wohnung.  Die AZ hat mit der Sozialpädagogin Katja Stempfhuber gesprochen, die den Besuchsdienst "Mit Herz und Hand“ leitet.
| Interview: ta
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Katja Stempfhuber
az Katja Stempfhuber

Der Leichnam einer 90-jährigen Frau liegt zwei Jahre in einer Münchner Wohnung, ohne dass es jemand merkt. Die AZ hat mit der Sozialpädagogin Katja Stempfhuber gesprochen, die bei den Maltesern den Besuchsdienst "Mit Herz und Hand“ leitet.

AZ: Eine 90-Jährige stirbt und wird von niemandem vermisst. Ein Einzelfall?

KATJA STEMPFHUBER: Man wundert sich immer wieder, wenn man so etwas hört. Aber gerade in der Großstadt gibt es viele Senioren, die einsam sind. In der eigenen Wohnung zu bleiben, gibt vielen Sicherheit. Aber oft sind Freunde und Bekannte schon gestorben, und die Nachbarn, die man kannte, sind längst ausgezogen.

Sie organisieren einen ehrenamtlichen Besuchsdienst. Wie kommen die Senioren mit Ihnen in Kontakt?

Sie rufen bei uns an und teilen uns ihre Wünsche mit. Manche wollen jemanden für Gesellschaftsspiele, andere wen zum Vorlesen. Oder um gemeinsam raus zu gehen. An die Luft kommen, die Wohnung verlassen, das ist enorm wichtig.

Kann sich jeder an Sie wenden?

Wir besuchen jeden, der im Stadtgebiet München lebt, weder Nationalität noch Religionszugehörigkeit spielen eine Rolle. Man muss auch kein Malteser-Mitglied sein.

Wie läuft der Besuch ab?

Wir haben immer ein 1:1-Verhältnis. Das heißt, wir haben zurzeit 130 Senioren und 130 Ehrenamtliche, und man bekommt immer von dem gleichen Besuch. Es soll ja ein Vertrauensverhältnis sein und wir suchen die Leute auch nach gemeinsamen Interessen aus. Die Regel sind einmal pro Woche zwei Stunden. Die Termine machen die Betroffenen unter sich aus. Vier mal im Jahr holen wir alle unsere Senioren zusammen und machen Ausflüge oder wie dieses Wochenende ein Frühlingstreffen.

Wer macht als Besucher mit?

Viele Ehrenamtliche sind selbst schon in Rente, aber noch sehr rüstig. Wir haben aber auch Hausfrauen, Studenten und junge Leute, die zu ihrem Berufsalltag einen sozialen Ausgleich suchen.

Braucht man eine Ausbildung?

Die Ehrenamtlichen werden von uns fünf Tage lang geschult, da geht es vom Umgang mit dem Rollstuhl bis hin zu Themen wie Distanz und Nähe. Eine Betreuung von Dementen können wir nicht leisten, das machen dann speziell ausgebildete Demenzbegleiter.

Informationen bei den Maltesern unter 43608 - 530.

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