Die erste seit Jahrzehnten: Warum es heuer eine große Passionsausstellung gibt

Statt wie sonst Weihnachtskrippen und Adventsszenen zeigen die Münchner Krippenfreunde ab Sonntag eine ganz besondere Schau zur Osterzeit. Die Erste ihrer Art seit Jahrzehnten...
Myriam Siegert
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Diese Darstellung vom letzten Abendmahl aus dem Nachlass eines Vereinsmitglieds ist die einzige Passionsdarstellung, die der Verein bereits besaß.
Diese Darstellung vom letzten Abendmahl aus dem Nachlass eines Vereinsmitglieds ist die einzige Passionsdarstellung, die der Verein bereits besaß. © Daniel von Loeper

Das war keine leichte Aufgabe für den Verein der Münchner Krippenfreunde – aber eine besonders erfüllende. Vorstand Jürgen Milla spukte die Idee schon länger im Kopf herum – einmal wieder eine Passionsausstellung machen.
Aus der fast 110-jährigen Vereinsgeschichte war bekannt, dass es so etwas schon gegeben habe, "aber sogar unsere ältesten Mitglieder, die schon 50 Jahre dabei sind, konnten sich nicht erinnern", erzählt er.

Filigrane Arbeit: die Kreuzigung in einem Nandu-Ei.
Filigrane Arbeit: die Kreuzigung in einem Nandu-Ei. © Daniel von Loeper

Über tausend Stunden Arbeit

1600 Stunden für Bauzeit und Konzeption kamen seit Januar zusammen, die vielen Stunden für Recherchen noch nicht eingerechnet, so Milla. Dazu gehörte auch, sich auf die Suche nach geeigneten Stücken zu machen. Passionskrippen sind eher selten, der Verein selbst besitzt nur eine einzige Abendmahlsdarstellung. "Alle anderen 39 Exponate haben wir also zusammengesucht und zusammengestellt, zum Beispiel aus Jahreskrippen", erklärt Milla.

Jürgen Milla vor einem Satz künstlicher Straußeneier, die er mit dem Kreuzweg bemalt hat.
Jürgen Milla vor einem Satz künstlicher Straußeneier, die er mit dem Kreuzweg bemalt hat. © Daniel von Loeper

"Es geht ja viel um Leid - da ist man froh, wenn die Auferstehung kommt"

Dem Verein tat die neue Aufgabe gut, statt – wie zur Weihnachtsausstellung – vier bis fünf Leute saßen jetzt wöchentlich zehn bis 14 Mitglieder zusammen und werkelten. Der harte Kern auch zwei bis vier Mal die Woche. "Alle wussten, dass man es sonst nicht hinbekommt", sagen Jürgen Milla und Vize-Vorständin Nadine Kagerer.
Auch sonst unterschied sich die Arbeit von der gewohnten zur Adventszeit. "Wenn man die Szenen konzipiert und aufbaut, dann zieht einen das richtig rein", sagt Jürgen Milla. "Da habe ich mich gar nicht immer so gut gefühlt, denn es geht ja viel um Leid", sagt Jürgen Milla. "In der Passionsgeschichte geht’s richtig zur Sache. Da ist man richtig froh, wenn dann die Auferstehung kommt", lacht er.

"Lass diesen Kelch an mir vorübergehen": Jesus im Garten Garten Gethsemane.
"Lass diesen Kelch an mir vorübergehen": Jesus im Garten Garten Gethsemane. © Daniel von Loeper

Jetzt ist die Schau fertig und wartet in der Krypta von St. Theresia in Neuhausen auf Besucher. Wer hier einer Führung lauscht, erfährt viel Wissenswertes rund um Ostern und Brauchtum, Kunstgeschichtliches und Kulturwissenschaftliches. Manches erinnert man noch dunkel aus dem Religionsunterricht.

Doch um die Ausstellung interessant zu finden, muss man nicht religiös sein. Oder wussten Sie (noch), dass geflügelte Worte wie "sich die Hände in Unschuld waschen" oder "Lass den Kelch an mir vorübergehen" aus Szenen der Passionsgeschichte stammen? Oder wie das mit den Osterratschen war? "Dass Ostern mehr ist als ein paar freie Tage, wollen wir aber schon vermitteln", erklärt Nadine Kagerer. "Und das zugleich herausholen aus dem Abstrakten der Kirche."

Von Volkskunst bis zu echten Kostbarkeiten ist alles dabei

Um einen hohlen Apfelbaumstamm herum, hat Jürgen Milla den Kreuzweg gestaltet. So konnte er die Stationen in der richtigen Abfolge darstellen und der Betrachter muss drumherum gehen.
Um einen hohlen Apfelbaumstamm herum, hat Jürgen Milla den Kreuzweg gestaltet. So konnte er die Stationen in der richtigen Abfolge darstellen und der Betrachter muss drumherum gehen. © Loeper

In der feierlichen Stimmung der Krypta gibt es viel zu entdecken: Krippen, die Szenen der Passion darstellen, wie die Tempelreinigung, das Abendmahl, den Bruderkuss, den Garten Gethsemane, und natürlich Kreuzweg, Kreuzigung, Heiliges Grab und Auferstehung.

Imposante wie filigrane Arbeiten, manche historisch wertvoll, wie ein spätbarockes Rokoko-Kreuz mit Figuren aus der Renaissance, manche liebevoll gestaltete Volkskunst wie ein Stück mit Loammandl-Figuren. Besonders ist auch ein gegeißelter Jesus, der aus der alten Obergiesinger Heilig-Kreuz-Kirche stammt, die 1888 abgerissen wurde. Oder ein Weg nach Emmaus, den man an den Mariahilfplatz verlegt hat.

Dieser gegeißelte Jesus stammt aus der alten Heilig-Kreuz-Kirche.
Dieser gegeißelte Jesus stammt aus der alten Heilig-Kreuz-Kirche. © Daniel von Loeper

Das Prunkstück ist aber die 4,80 Meter lange Alt-Münchner Krippe mit besonders kostbaren Figuren der Stiftung Schachinger aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Die sollten eigentlich einmal ans Stadtmuseum gehen, wurden dann aber den Krippenfreunden geschenkt. "Das ist ein kunsthistorischer Schatz, dessen Wert man gar nicht ermitteln kann", sagt Jürgen Milla.

St. Theresia, Unterkirche/Krypta. Dom-Pedro-Str. 39. Ausstellung vom 15. März bis 12. April. Geöffnet jeweils sonntags, 11.45 bis 15 Uhr, sowie am Ostermontag, 6. April. Während der Öffnungszeiten laufend Führungen. Eintritt frei. Für Kinder ist ein themenbezogener Spieltisch vorbereitet.

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