In der AZ vor 50 Jahren: Abschied von der legendären 8er

Vor 50 Jahren rollte die Tram das letzte Mal die Lindwurmstraße rauf und weiter zum Harras.
Felix Müller
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Jahrzehntelang ein gewohntes Bild für die Münchner: Trambahnen und Autos teilen sich am Goetheplatz die Straße.
Jahrzehntelang ein gewohntes Bild für die Münchner: Trambahnen und Autos teilen sich am Goetheplatz die Straße. © Archiv FMTM e.V.

SPD-Oberbürgermeister Schorsch Kronawitter war zum Scherzen aufgelegt. Eigens damit man ihm nicht nachsage, er baue eine U-Bahn bis vor seine Haustür, sei er vom Harras nach Neuperlach gezogen, sagte er bei der Eröffnung der Trasse Goetheplatz-Harras vor genau 50 Jahren.

Die Linie 8 auf der Lindwurmstraße, im November 1974 war Schluss.
Die Linie 8 auf der Lindwurmstraße, im November 1974 war Schluss. © Archiv FMTM e.V.

Ein Vertreter des U-Bahn-Referats schlagfertig: "Da müssen Sie bald wieder umziehen. Nach Perlach bauen wir auch schon."

50.000 Münchner stürmten die neue Haltestelle Harras gleich am ersten Tag. Die AZ schrieb von einer "Super-Premiere" - obwohl es Fragezeichen bei der Finanzierung gab, die öffentlich wenig transparent erklärt worden war.

Abschiedstour mit Nostalgietram und Ehrengast

Wie so oft lag in dem großen Neubeginn aber auch ein Abschied. Und der fiel vielen Münchnern schwer. Denn die legendäre Linie 8 der Trambahn, einst vom Weiß Ferdl besungen, wurde eingestellt. Die Lindwurmstraße entlang, den Sendlinger Berg hoch zum Harras und dann weiter nach Forstenried fuhr nun keine Trambahn mehr.

Die MVG hatte für die Abschiedstour extra eine 50 Jahre alte Nostalgietram aufgefahren, die bis nach Mitternacht ratternd durch die Stadt fuhr. Ehrengast war die 84-jährige Berta Weißheitinger, die Witwe des Weiß Ferdl. Sie schenkte Tramfahrer Hans Schroth (54) zum 8er-Abschied eine Flasche Schnaps.

Maria Harras fährt mit der U-Bahn zum Harras. Neben ihr sitzt bei der Premierenfahrt Oberbürgermeister Schorsch Kronawitter.
Maria Harras fährt mit der U-Bahn zum Harras. Neben ihr sitzt bei der Premierenfahrt Oberbürgermeister Schorsch Kronawitter. © AZ-Archiv

Und auch in der neuen U-Bahn fand sich ein besonderer Ehrengast ein: Maria Harras. Der Bruder ihres Vaters, Robert Harras, hatte 100 Jahre zuvor im Herzen Sendlings das Café Harras betrieben, das später dem Platz seinen Namen gab.

Heute wohne sie in Pasing, erzählte Harras der AZ. Und gestand: "Wir sind eigentlich gar keine Münchner. Der Vater von Robert Harras war noch waschechter Berliner."

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  • Witwe Bolte am 24.11.2025 15:39 Uhr / Bewertung:

    Schöne Erinnerungen an eine schöne Zeit. Jahrelang mit der Tram vom Goetheplatz zum Harras bzw. Waldfriedhof gefahren. Damals endete die U-Bahn bereits am Goetheplatz. Heute kaum vorstellbar.

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