Im Männerwohnheim kräftig mit Kokain gedealt

Drogenprozess: Zwei Männer mit bewegter Vergangenheit sitzen auf der Anklagebank und werden verurteilt. Der vorbestrafte Haupttäter muss drei Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.
| John Schneider
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Mit Kokain gehandelt: Die beiden Angeklagten Peter S. (v.r.) und Mathias H. mit ihren Anwälten Andreas Fischer und Markus Meißner.
jot Mit Kokain gehandelt: Die beiden Angeklagten Peter S. (v.r.) und Mathias H. mit ihren Anwälten Andreas Fischer und Markus Meißner.

München - Beide hatten eine schwere Kindheit, beide haben im bürgerlichen Leben nie so richtig Tritt fassen können, beide landeten zuletzt im Männerwohnheim an der Implerstraße, beide dealten dort mit Kokain - und beide standen dafür gestern vor Gericht.

Für den Vorsitzenden Richter der 3. Strafkammer, Anton Winkler, ist Peter S. (47) offenbar ein alter Bekannter. „Mann, geht’s denn gar nicht anders?“, fragte er zu Prozessbeginn in Richtung des Hünen mit dem langen Pferdeschwanz. Der einschlägig vorbestrafte Mann sagte nur: „Die Sucht.“

Was ihm und seinem Komplizen Mathias H. (29) vorgeworfen wird: Seit Mitte Dezember 2013 sollen die beiden Zimmernachbarn im Männerwohnheim an der Implerstarße rege mit Kokain gehandelt haben. Peter S. habe die Droge besorgt, den Kontakt zu den Kunden hergestellt und auch die größeren Verkäufe getätigt.

Mathias S. versteckte das Kokain, wog es ab, verpackte es und wickelte auch selber Verkäufe kleinerer Mengen ab. Dabei hatte er laut Anklage auch ein Einhandmesser in der Hosentasche griffbereit. Welches er auch eingesetzt hätte, falls „bei einem Drogengeschäft Probleme auftreten sollten“.

Peter S. räumte die Taten über seinen Anwalt Andreas Fischer ein. Einzige Korrektur: Er sei erst Silvester – wenige Wochen nach seiner letzten Haftentlassung – rückfällig geworden und habe danach mit dem Kokainhandel begonnen.

Auch Mathias H. gab alles zu. Sein Anwalt Markus Meißner erklärte, dass das Messer für seinen Mandanten ein Alltagsgegenstand, keine Waffe gewesen sei. Er habe es zum Apfel schneiden und Brot schmieren genutzt.
Vater ließ Dreijährigen in einer Bar zurück, „um auf Sauftour zu gehen“

Die Vorgeschichte der Drogendeals: Peter S. wuchs im Rotlicht-Milieu auf, kam schnell mit Alkohol und Drogen in Kontakt und wurde selber zum Zuhälter. „Ich hatte sechs bis zehn Frauen gleichzeitig“, gab er vor Gericht freimütig zu.

Mathias H. erzählt, dass er als Dreijähriger gemeinsam mit seiner behinderten Schwester vom Vater in einer Bar abgegeben wurde, „um auf Sauftour zu gehen“. Die überforderte Mutter gab die Kinder ganz ab. Mathias H. wuchs in acht (!) verschiedenen Pflegefamilien auf.

Das Urteil: Peter S. wandert drei Jahre und sechs Monate in den Knast, muss eine Entziehung machen. Mathias H. kommt mit 20 Monaten auf Bewährung davon.

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