Im Kofferraum nach Bayern entführt

Vor Gericht wird derzeit ein Fall wie aus einem Krimi verhandelt. Es geht um Menschenraub: Das Opfer soll zudem mit einem Mord von kroatischen Agenten vor 33 Jahren in Verbindung stehen.
| John Schneider
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Der Angeklagte im Gespräch mit Anwalt und Dolmetscher (l.).
jot Der Angeklagte im Gespräch mit Anwalt und Dolmetscher (l.).

München - Kroatische Agenten, bayerische LKA-Ermittler und ein nach eigener Einschätzung eher unbedarfter Mann, der zum Entführer wird – Bestseller-Autor John le Carré hätte sich diese Geschichte kaum besser ausdenken können.
So beginnt der Agenten-Plot: Ein 48-jähriger Geschäftsmann fährt mit einem Bekannten nach Schweden. Latif F. (Namen geändert) war überredet worden, dabei zu helfen, einen Dritten nach Deutschland zu „begleiten“.

Doch aus der Begleitung wird eine Entführung. Und der gebürtige Bosnier, der den Wagen fuhr, muss sich seit Montag wegen erpresserischem Menschenraub, räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten.

Das Motiv: Das Entführungs-Opfer soll mit dem Agenten-Mord an einem jugoslawischen Dissidenten in Wolfratshausen vor 33 Jahren in Verbindung stehen. Der Kopf der Entführer wollte den Mann den deutschen Behörden ausliefern und sich so die Belohnung verdienen. Latif F. will davon nichts gewusst haben.

Plötzlich eine Pistole am Kopf

Als Entlohnung für die „Begleitung“ winkte ihm eine Arbeitserlaubnis für Deutschland und 500 Euro, ließ der Angeklagte stattdessen seinen Anwalt Adam Ahmed erklären. Er selber habe nicht geahnt, was denn der Hintergrund gewesen sei.
Kurz nachdem man am 26. Oktober 2009 noch einvernehmlich in Södertälje gestartet war, wollte das Opfer sich erleichtern, fährt Ahmed fort. Man hielt in einem Waldstück, der Mann zückte plötzlich eine Pistole. Sein Mandant sei dann weggelaufen, habe beim Umdrehen aber noch gesehen, wie sein Komplize und das Opfer sich prügelten.

Kurz darauf sei Latif F. von seinem Komplizen aufgelesen worden. Auf seine Frage, wo Alex R. sei, antwortete der Komplize: „Im Kofferraum“. Tatsächlich habe sein Mandant Klopfzeichen gehört, erklärt Anwalt Ahmed. Er sei weitergefahren und habe sich deswegen der Entführung schuldig gemacht, gibt Latif F. zu.

Amtsgericht verweigert Anklage gegen Filmemacher

Staatsanwalt Florian Weinzierl glaubt an eine etwas andere Tatversion. Demnach hat Latif F. das Opfer gemeinsam mit einem Komplizen in einer Garage in Södertälje überfallen und in den Kofferraum des eigenen Volvo S 60 gezwungen. Der Mann habe dabei Schläge gegen Kopf und Gesicht kassiert. Davon zeugten Hämatome und Platzwunden.

Fahrer Latif F. und der Komplize hätten sich die Kreditkarte des Opfers genommen und ihn gezwungen, die Pin zu verraten. Damit sei es ihnen gelungen, 1870 Euro abzuheben. Das Opfer wurde an der Raststätte Holledau frei gelassen. Unterdessen hatte der Kopf der Entführer – er begleitete den Volvo mit dem Opfer in einem Audi A4 – mit dem LKA Kontakt aufgenommen. Aufgrund seiner Angaben wird das Entführungsopfer schließlich festgenommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.    

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