Im größten Neubaugebiet Europas: 32 Meter hoch ragt die Kunst in den Himmel

Freiham: Im größten Neubaugebiet Europas leben schon 9000 Münchner – vor allem junge Familien. An einer Turm-Skulptur möchte die katholische Kirchesie zusammenbringen.
Eva von Steinburg
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Auf der Baustelle: Pastoralreferent Johannes van Kruijsbergen aus Neuaubing vor einem Stahl-Quader für die 32-Meter-Skulptur.
Auf der Baustelle: Pastoralreferent Johannes van Kruijsbergen aus Neuaubing vor einem Stahl-Quader für die 32-Meter-Skulptur. © privat

Diese elegante Stahl-Skulptur ist begehbar: Seit wenigen Tagen wird ein turmartiges, spektakuläres Kunstprojekt auf einer Wildwiese in Freiham aufgebaut.

Die katholische Kirche schafft dafür Raum – auf ihrem unbebauten Freihamer Grundstück am Golo-Mann-Weg.  Die 32 Meter hohe Skulptur aus 13 gestapelten Quadern stand bereits 2019 im Münchner Werksviertel und zuletzt auf dem Areal der bayerischen KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Sichtung“ heißt die Skulptur aus 13 schimmernden Stahlquadern, die ab 5. September in Freiham fertig aufgebaut ist.
Sichtung“ heißt die Skulptur aus 13 schimmernden Stahlquadern, die ab 5. September in Freiham fertig aufgebaut ist. © Anne Wild

Die hohe Kunstinstallation der Architektin Hildegard Rasthofer und des Metallbauers Christian Neumaier soll Besuchern neue Blicke auf das größte Neubaugebiet in Europa schenken – und sie womöglich auch spirituell inspirieren.

"Für uns als Kirche ist Freiham ein Experimentierfeld, auch weil wir als Christen nicht mehr so viele sind", erklärt Pastoralreferent Johannes van Kruijsbergen: "Kunst bewegt die Menschen immer. Und diese hohe Skulptur steht für uns für eine Verbindung zum Himmel."
Der freundliche Mann ist Seelsorger im Pfarrverband München West, zu dem drei Kirchen, darunter die St.-Markus-Kirche in der Wiesentfelser Straße 49, in Neuaubing gehören – nur 500 Meter entfernt von der Installation.

Wir können hier als Kirche
Gesicht zeigen

Das war die alte Strategie, sagt der Theologe: "Wo neue Wohnviertel errichtet wurden, baute die Kirche eine Kirche mit Pfarrheim." In Freiham würde keine neue Kirche gebaut. "Wir probieren etwas Neues: ungezwungenes Reden, Begegnung und Seelsorge mobil unter freiem Himmel." Und bald in einem Pavillon. "Es weitet sich der Blick auf die moderne Gesellschaft: Was ist wichtig für die Menschen hier?", sagt der 39-jährige Seelsorger. Die aktuellen Fragen sind: "Wer lebt in Freiham?", und "Was brauchen die Menschen?"

Eine Wendeltreppe aus Stahl, die Klänge fabriziert. Sie führt 32 Meter auf ein Aussichtspodest: Die Installation der Künstler Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier soll den Blick weiten.
Eine Wendeltreppe aus Stahl, die Klänge fabriziert. Sie führt 32 Meter auf ein Aussichtspodest: Die Installation der Künstler Hildegard Rasthofer und Christian Neumaier soll den Blick weiten. © Rasthofer/Neumaier


Symbol für diese Offenheit ist das weithin sichtbare Kunstwerk inmitten freier Natur: "Wir können hier als Kirche unser Gesicht zeigen und ein Angebot machen", sagt der Theologe. Denn: "Viele Menschen brauchen nicht mehr den sonntäglichen Gottesdienst für ihren Glauben. Sie leben ihn für sich persönlich"“, erlebt van Kruijsbergen.

9000 Menschen leben schon in Freiham

In Zukunft soll Freiham ein Stadtteil für 25.000 Münchner werden. 9000 Menschen sind bereits in das neue Viertel gezogen – vor allem Familien. 3000 Kinder leben in Freiham und nur 230 Münchner, die älter sind als 75 Jahre. "Das Viertel ist quirlig. Es hat eine sehr lebendige Atmosphäre durch die vielen Kinder. Manche hadern aber damit, weil ihnen zu viele unterschiedliche Nationalitäten da sind. Wir wollen alle zusammenbringen, damit sie sich kennenlernen", sagt der Seelsorger: "Ein Missionieren oder ein Gegenpol zum muslimischen Glauben ist nicht das Ziel des Zeichens."

Die große Wildwiese der Kirche ist ein Stück Natur im Neubaugebiet

Freiham hat nagelneue Wohnblöcke, viel Beton, auch Klinker, überall Fenster und Balkone. Auch neue Parks und viele kleine Spielplätze – doch alles ist künstlich angelegt.

Ein Stück Natur ist das 5000-Quadratmeter-Kirchengrundstück – eine Wiese ohne Bäume, die für Passanten begehbar ist. Das Kulturzentrum "Grete" hat einen Kaffeewagen aufgestellt, ein Mann kommt mit Gitarre und Verstärker. Es gibt ökumenisch organisierte Brettspiele. Mit der "Turm"-Öffnung für Besucher ab Oktober will die Erzdiözese München und Freising sich an der Stadtgesellschaft beteiligen: "Für die Entwicklung pastoraler und kultureller Angebote für das neu entstehende Stadtviertel."

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