Im "Bratwurstglöckl": Er zapft und zapft und zapft

Im „Bratwurstglöckl“ begeht Mandi Zeitler ein seltenes Jubiläum. Graeter staunt – und trauert um eine Münchner Gastro-Legende aus China
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Seine 73 Jahre sieht man ihm nicht an: Mandi Zeitler in Aktion am Zapfhahn
Petra Schramek / Ronald Zimmermann Seine 73 Jahre sieht man ihm nicht an: Mandi Zeitler in Aktion am Zapfhahn

MÜNCHEN - Im „Bratwurstglöckl“ begeht Mandi Zeitler ein seltenes Jubiläum. Graeter staunt – und trauert um eine Münchner Gastro-Legende aus China

Fünfzig Jahre an der Schänke – es gibt Schlimmeres: Manfred „Mandi“ Zeitler hat schon Fürst Albert von Monaco das Bier gezapft und einst Konzernherrn Friedrich Karl Flick. Der Franzose wollte immer ein „Schaumiges“, der inzwischen verstorbene Mercedes-Benz-Großaktionär den Gerstensaft sechs Grad kalt, im kleinen Glas und schnell musste es gehen, F.K. war ungeduldig, wollte immer neue Gläser. Das Servieren bei Tisch wurde von Flick mit kurzen Wink-Bewegungen begleitet, wie man Fliegen verscheucht.

Beide Szenen der flüssigen Nahrungsaufnahme spielten im Herzstück des über 100 Jahre alten Traditionslokals „Nürnberger Bratwurstglöckl“ am Münchner Dom (Neue Chefs: Jürgen Moraweck und Bernd Menzner). Dort hinten neben dem Holzbock in der eigentlichen Schänke ist Manfred Zeitlers Reich. Dort stand und steht noch heute der Meister seiner Zunft, der nun schon seit 50 Jahren den Holzschlegel schwingt. Im Dienst trinkt er nie, sagt er.

Mit einem verspäteten Lausbubengesicht meistert er jeden Ausschank-Ansturm der Bedienungen, man sieht ihm die 73 Lenze nicht an. Seine Haut, die er angeblich nur mit Nivea behandelt, ist wie ein Kinderpopo, er wirkt kein bisschen müde und ist, ganz merkwürdig, über den Klatsch des internationalen Societylebens stets auf dem Laufenden. Er erinnert an Percy Adlon und trägt eine goldene, limitierte Omega „Geneve“ mit goldenem Armband, seit 1958 einen goldenen „MZ“-Siegelring und stets einen Stetson, wenn er privat unterwegs ist.

Das goldene Schank-Kellner-Jubiläum feierte der Rekord-Zapfer und Stiefvater von Münchens Ersatz-Elvis, dem fabelhaften Rock-Star Richard Rigan, ganz bescheiden mit Spezis in Schwabing. Seit 35 Jahren ist er im „Bratwurstglöckl“. Karel Gott, Hugh Hefner, der Herr der Hasen, und der Kaiser waren schon an seiner Schänke. Franz Beckenbauer zeigte der gelernte Bierbrauer stolz seinen FC-Bayern-Ausweis, Nummer 1200.

An Blasius, den Spaziergänger kann sich Mandi noch gut erinnern. Sigi Sommer hatte in der „Bratwurst“ immer am Samstag um 18 Uhr einen Stammtisch. Als der in den 80er Jahren einmal noch nicht gleich frei war, drehte sich Sommer ohne großes Reklamieren um und kam nie wieder. Ab dem Zeitpunkt zählte für Sigi die „Bratwurst“ nicht mehr zu seinen Tankstellen.

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