"Ich werde Deutschlands nächster Superstar" – Lizzy (24) aus München ist im DSDS-Recall
Ein Wort, das die 24-Jährige im AZ-Gespräch oft verwendet, ist "manifestieren". Das ist neudeutsch für so etwas wie "Fest an etwas glauben – bis es Wirklichkeit wird". Oder wie Lizzy es macht: dem Glück etwas auf die Sprünge helfen. Für sie hieß das 2026, bei "Deutschland sucht den Superstar" teilzunehmen.
"Nach Silvester mache ich jedes Jahr so ein Meeting mit mir selbst und überlege mir, was ich erreichen will", erzählt sie. Da kam der Aufruf zum Casting für Deutschland sucht den Superstar gerade recht. Die berüchtigte Casting-Show läuft in der 22. Staffel auf RTL. Auch aus München gab es zahlreiche Bewerber. Drei davon waren im TV zu sehen, doch nur Lizzy konnte sich das Ticket zum Recall – die Runde mit den letzten 30 Bewerbern – sichern.
"Ich war so nervös" – So lief das Casting in Köln
"Ich war so nervös", erinnert sie sich an das erste Casting in Köln. "So kenne ich mich gar nicht." Eigentlich ist Lizzy sehr selbstbewusst, hatte vorher etwas anderes verinnerlicht: "Mein Kopf wusste, dass ich gewinne." Ein paar flatternde Nerven sind dann aber doch nachvollziehbar. Denn zum einen wartet hinter dem Juroren-Tisch Kandidaten-Schreck Dieter Bohlen – bekannt für seine gnadenlosen Sprüche. Zum anderen war da auch noch Rapper Bushido, einst Teenie-Idol von Lizzy. Der Neu-Münchner (Villa in Grünwald) und Ex-Bürgerschreck wurde als Juror für die neue Staffel verpflichtet. "Mein 13-jähriges Ich war sehr aufgeregt", erinnert sich Lizzy. Einige seiner Songs hätten ihr früher viel Kraft gegeben, obwohl sie mit anderen Titeln von ihm – den frauenfeindlichen, destruktiven Texten – heute nicht mehr viel anfangen kann. Das sei aber eher allgemein ein HipHop-Problem, als ein Bushido-Problem, fügt sie an. "Bei DSDS muss er mich als Juror gut finden, das ist alles, was zählt."

Vorher im Warteraum – im Foyer des Drehorts – war die Stimmung unter den Kandidaten mehr als angespannt. Kamera-Teams huschen umher. Keiner weiß, wann er drankommt. Lizzy zog sich lieber raus: "Ich hab‘ mich echt mehrmals auf dem Klo versteckt und wollte raus aus dieser 'Angst-Wolke' der Kandidaten", erzählt sie. Sie will lieber ihr eigenes Drehbuch schreiben.
Die Jury will zunächst ihren eigenen Song hören
Dann ist sie dran. Vor ihr wird ein Kandidat "komplett auseinandergenommen", wie sie im Aufzug auf dem Weg zur Jury mitbekommt. "Aber Bushido hat mich gleich angelächelt, als ich reinkam – er hat richtig geglänzt". Also: Augen zu, Krone richten und durch. Die Jury lässt Lizzy (Künstlername: QUEEN Lizzy) zunächst einen eigenen Song performen: "Changes" – eine Rap-Nummer, die ihren persönlichen Weg als afrodeutsche Frau reflektiert.
Mit ihrem Song und der Nummer "People pleaser" von Cat Burns kann sie alle Jury-Mitglieder – darunter auch Partyschlager-Sängerin Isi Glück – überzeugen. Dreimal "Ja" für die nächste Runde. Bei der Gesangsnummer trifft sie nicht alle Töne – ist selbst unzufrieden, ihre Stimme eigentlich etwas zu tief für den Song – doch das QUEEN Lizzy-Gesamtpaket stimmt die strenge Jury milde. Auch wenn Dieter sonst der "größte Hater Deutschlands ist", wie sie amüsiert sagt. "Immer wenn ich einen Ton verkackt habe, habe ich sofort zu ihm geschaut".

Später stellt sich heraus, dass sie zum Zeitpunkt der Aufzeichnung zwei sogenannte Registerbrüche in der Stimme hatte. Mit einer Ärztin arbeitet sie momentan daran. Viele Dampfbäder und Salbei-Tee gibt es seither.
Bei alldem will Lise-Christine Kobla Mendama im AZ-Gespräch betonen, dass DSDS nur eines von vielen Projekten ist, bestenfalls ein Sprungbrett mit lukrativem Preisgeld. Sie ist selbständig, will bald ein Album in Afrika aufnehmen, engagiert sich seit Jahren aktivistisch – etwa bei der AfroJugend München. Sie war auch eine der Hauptsprecherinnen auf den "Black Lives Matters"-Demos 2020 und engagierte sich für die Initiative "N-Wort stoppen", die auch die Stadt München offiziell unterstützt. Als Noch-OB Dieter Reiter kürzlich das N-Wort im Stadtrat rausrutschte, hat er sich unter anderem bei ihr stellvertretend entschuldigt und um ein Gespräch gebeten.
Kulturschock in Bayern
In Bayern hat die gläubige Christin nicht immer gelebt: Ursprünglich kam sie mit sieben Jahren aus Nordrhein-Westfalen nach München. Das sei erst mal ein "Kulturschock" gewesen, wie sie sich erinnert. "Die Leute haben sich lustig gemacht, weil ich Wörter wie Semmel nicht kannte“. Auch ihre Hautfarbe war ein Angriffspunkt. "Hier habe ich das einzige Mal erlebt, dass mir jemand das N-Wort ins Gesicht sagt". Aber sie sieht Licht und Schatten: "Wir hatten die größte Black-Lives-Matter-Demo in Deutschland". Auch die bayerische Schulbildung empfindet sie als Privileg. Schon mit 13 hat sie hier auf Kundgebungen gesprochen. Deshalb sagt sie bei DSDS stolz: "Ich trete für München, Bayern und Kamerun an".
Wie es im Recall – der Runde mit den letzten 30 Kandidaten – für sie ausging, darf sie zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht verraten. Die Sendung läuft am Dienstagabend auf RTL. Aber egal, ob sie gewinnt oder nicht, für sie steht fest: "Ich bin Deutschlands neuer Superstar". Probieren – oder vielmehr Manifestieren – geht wohl über Studieren.
