"Ich bin unsicher, ob ich durchhalte": Baustellen-Frust in Laim
"Die Baustelle ist für mich eine Katastrophe." Der Gemüsehändler am Ausgang der Laimer Unterführung, die auch zum S-Bahnhof führt, ist wütend. "Bei mir kommen keine Menschen mehr vorbei", sagt er.
Der Grund für seinen großen Groll ist die labyrinthische Baustelle am Laimer S-Bahnhof. Mit rot-weißen Zäunen werden Fahrbahnen und Baustellen voneinander getrennt. Das wirkt durch die Fülle der Markierungen und Absperrungen ein wenig chaotisch. Seinen Weg über die große Kreuzung muss man erst einmal finden.

Laim im Baustellen-Chaos: Händler verlieren Kunden und Hoffnung
Der Bahnhof selbst bleibt diese Woche total gesperrt, erklärt ein freundlicher Bahn-Angestellter denjenigen, die von der Sperrung bislang noch nicht erfahren hatten. Kein Halt in Laim bis 25. August, weil ein neues Gleis in Betrieb genommen werden soll. Ab der nächsten Woche werden dann zwar wieder S-Bahn-Züge stadteinwärts fahren. Aber stark reduziert. Und das für lange Zeit.

Keine guten Aussichten für die kleinen und großen Geschäfte, die sich rund um den Vorplatz zur Unterführung angesiedelt haben. Wie der Gemüsehändler. Der lässt seinem Ärger freien Lauf. "Ich halte meinen Laden ja nicht für mich selber offen, sondern ich will etwas verkaufen – aber es kommen keine Leute mehr."
Kiosk-Betreiber: "Mein Umsatz hat sich halbiert"
Der Händler ist aber nicht nur wegen der großen Bahnhofs-Baustelle sauer. Auch der Bahnbetrieb funktioniere nicht so, wie es wünschenswert wäre. "Die S-Bahn hat oft Verspätung, die Leute wollen aber pünktlich zur Arbeit kommen und haben dann keine Zeit mehr, um bei mir einzukaufen."
Ähnlich ergeht es anderen Gewerbetreibenden am Platz vor der Laimer Unterführung. So wie dem 27-jährigen Kiosk-Betreiber, den wir in seinem Geschäft antreffen. "Es ist richtig schlecht – ich habe kaum noch Kunden." Er hat sich deswegen schon bei der Stadt beschwert, aber keine richtige Antwort bekommen. "Mein Umsatz hat sich halbiert."
Ein großes Problem für ihn: Viele Stammkunden aus Neuperlach und dem Hasenbergl kommen nicht mehr zu ihm, weil es durch die Baustelle keine Parkmöglichkeit rund um den Vorplatz gibt. "Wer gegenüber parkt, muss eine große Runde laufen."
Trübe Aussichten für den Kiosk-Mann
Auch Versprechungen seien nicht gehalten worden. "Die Stadt hatte vor etwa zwei Monaten gesagt, es dauere noch ungefähr sechs Wochen." Vor dem Eingang zum Kiosk steht zu allem Überfluss ein Dixi-Klo. "Das stinkt. Angeblich gebe es dafür keinen anderen Platz." Das nervt ihn.
Der 27-Jährige sagt, die Baustelle müsse natürlich sein, das sehe er ein, aber der Zugang zu seinem Geschäft sei zu eng geraten und bei schnellen Fahrradfahrern gefährlich. Auch bei den Absprachen auf der Baustelle scheint es zu hapern, so seine Beobachtung. Man habe ihm erklärt, dass mehrere Firmen an der Baustelle beteiligt sind und niemand genau weiß, wann die nächste Firma anrückt. Insgesamt trübe Aussichten für den Kiosk-Mann, um die Zukunft ist ihm ein wenig bange: "Ich bin unsicher, ob ich durchhalte."
Auch der Friseur am Platz klagt. "Die Kunden kommen schwieriger zu mir hin, die Laufkundschaft ist zurückgegangen. Durch die Baustelle sieht man den Laden nicht mehr richtig. Außerdem ist es für Fahrräder viel zu eng."
Pendlerin klagt über fehlende Kommunikation
Das findet auch der Postbote. Mit seinem großen gelben Fahrrad wird es rund um den Vorplatz sehr eng. Dazu kommt, dass sich ständig ändert, wo beziehungsweise wie man fahren kann. "Die Zustellung im Bereich der Baustelle ist dadurch schwierig geworden."

Die beiden Mitarbeiter der Münchner Stadtentwässerung, die an diesem regnerischen Dienstag an der Baustelle werkeln, sind da gelassener. Die Baustelle gehört für sie einfach dazu. "Die Stadt ist immer im Wandel." Aber: "Wenn die Baustelle vorbei ist, denkt ohnehin keiner mehr darüber nach."
Nicht so gelassen nimmt es eine Pendlerin, die aus der Unterführung kommt. "Es gibt keine Kommunikation seitens der S-Bahn", erklärt sie ihren Ärger. "Auf den Anzeigetafeln steht nichts, sodass man die Verspätung gar nicht merkt – dadurch verpasst man dann auch noch den Bus."

Der Frust ist groß in Laim. Die Gewerbetreibenden rund um und in der Laimer Unterführung hoffen jetzt auf ein baldiges Ende ihrer misslichen Lage – und bis dahin auf mehr Unterstützung.
Der Zeitplan
Die Baustelle in Laim geht in die nächste Runde. Bis 25. August ist der Bahnhof komplett gesperrt, um das zweite Gleis in Betrieb zu nehmen. Die Bahn bietet stattdessen SEV-Busse an. Ist das geschafft, wird ab 25. August mit dem Rück- und Neubau des Bahnsteiges begonnen. Diese Arbeiten sollen bis Mitte 2028 dauern. In dieser Zeit werden S3, S4, S6 und S8 stadteinwärts (im Gegensatz zur Gegenrichtung) nicht mehr in Laim halten. Wer nach Laim will, kann dann bis Hirschgarten fahren und von dort eine Station zurück.
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