Holocaust-Gedenktag: Erinnerungszeichen für diese Familie in München angebracht

Imanuel Samuel Rothschild wurde am 20. November 1941 am Güterbahnhof in Milbertshofen in den ersten Deportationszug aus München verfrachtet, gemeinsam mit seinen Eltern Fritz und Eugenie.
Erinnerungszeichen auch Mahnmal für die Zukunft
Offiziell sollte es für den damals 16-Jährigen zu einem Arbeitseinsatz im Osten gehen. Nach drei Tagen im Zug kam er in Kaunas im heutigen Litauen an, wurde für zwei Tage im Fort IX eingesperrt und am 25. November 1941 wie die anderen auch in den Festungsgräben des Forts erschossen.

Im stillen Gedenken, als Mahnmal für die Zukunft und in einer feierlichen Zeremonie sind am Dienstag in der Ohmstraße mehrere Erinnerungszeichen angebracht worden: Auf Höhe von Hausnummer 17 für die Familie Rothschild, also die Eltern Fritz und Eugenie, den Sohn Imanuel Samuel sowie für die 1942 in Izbica ermordete Tochter Ada Gabriele. An der Ohmstraße 20 wird zudem Siegfried Mathias gedacht, der 1939 in München Suizid beging.

Der 27. Januar als ein symbolträchtiger Tag
Der 27. Januar ist der internationale Holocaust-Gedenktag: Er erinnert an die Befreiung des
Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 1945.

"Der Tag steht für das Gedenken an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden sowie an alle weiteren Opfer des nationalsozialistischen Terrors und mahnt zu Erinnerung, Verantwortung und dem Schutz von Menschenwürde und Demokratie", heißt es in der Mitteilung des veranstaltenden Erinnerungsprojekts Jüdisches Leben in der Ohmstraße. Die bürgerschaftliche Initiative, vertreten durch Matthias Georgi, kooperiert dabei mit der Abteilung Public History im städtischen Kulturreferat.
Für "ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein gegen Ausgrenzung und Verfolgung"
"Ziel ist es, diese 200 Menschen nicht zu vergessen, ihnen einen Ort der Erinnerung zu geben und gleichzeitig für die Zukunft ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein gegen Ausgrenzung und Verfolgung zu schaffen", sagt Matthias Georgi.

Die Ohmstraße in Schwabing ist eine kurze Verbindungsstraße zwischen der Leopoldstraße und dem
Englischen Garten. Dort lebten in den 1930er und frühen 1940er Jahren rund 200 Juden, zum Teil nur wenige Wochen, zum Teil schon seit Jahrzehnten. 100 von ihnen überlebten die Zeit des Nationalsozialismus nicht.
2022 initiierte der Unternehmer Jan Fischer das Erinnerungsprojekt Jüdisches Leben in der Ohmstraße. Engagierte Nachbarn und Freunde recherchieren zu den Personen und verfassen Biografien. Historiker von "Neumann & Kamp Historische Projekte" unterstützen sie dabei.