Hohe Strafen für die Schläger von Solln: "Ich bin erleichtert"

Das Urteil ist gefallen: Die Schläger von Solln werden zu neun und sieben Jahren Haft verurteilt. Markus S. muss wegen Mordes ins Gefängnis, Sebastian L. wegen gefährlicher Körperverletzung.
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Ein Foto von Dominik Brunner auf seinem Grab
dpa Ein Foto von Dominik Brunner auf seinem Grab

MÜNCHEN - Das Urteil ist gefallen: Die Schläger von Solln werden zu neun und sieben Jahren Haft verurteilt. Markus S. muss wegen Mordes ins Gefängnis, Sebastian L. wegen gefährlicher Körperverletzung.

Die Eltern des getöteten Dominik Brunner (50†) erfuhren vom Urteil durch ihre Anwältin Annette von Stetten. „Ich bin erleichtert und zufrieden“, sagte der Vater Oskar Brunner (80) am Telefon.

Der Saal 101 ist bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Vorsitzende Richter Reinhold Baier das Urteil verkündet: Haupttäter Markus S. (19) muss wegen Mordes neun Jahren und zehn Monaten in Jugendhaft. Sebastian L. bekommt wegen Körperverletzung mit Todesfolge sieben Jahre Haft.

Die beiden Angeklagten scheinen nicht überrascht. Mit gesenkten Köpfe hören sie dem Richter zu. Im Zuschauer möchten einige gerne klatschen. Einige tuscheln: „Richtig“, „Die gehören für immer weggesperrt.“ Ein älterer Herr zückt sein Handy, flüstert: „Auf das Gericht kann man sich noch verlassen. Ich muss gleich meine Frau anrufen.“ Dann verschwand er durch die Tür, kehrt wenig später zurück. Er will die Begründung des Gerichts in voller Länge anhören.

Das Gericht hält es für erwiesen, dass die beiden Angeklagten „aus Rache“ den Manager am 12. September 2009, gegen 16.10 Uhr, angegriffen haben. Nur weil Brunner Zivilcourage zeigte und vier Schüler (damals 13 bis 15 Jahre) vor ihn schützen wollte

Ausgangspunkt war damals die Donnersbergerbrücke. Markus S., Sebastian L. und ein Spezl (19), der bereits wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu 19 Monaten auf Bewährung verurteilt wurde, bedrängen die Schüler. Das Trio will 15 Euro für Drogen. Als die beiden männlichen Schüler kein Geld rausrücken, schlägt der Spezl zu. Sebastian L. unterstützt ihn dabei. Markus S. schaut nur zu. Als die S6 einfährt trennte sich das Trio. Markus S. und Sebastian L. nehmen wie die Schüler die S7 Richtung Wolfratshausen. Sie wollen in Mittersendling den Zug verlassen und zum Wohnheim von Sebastian L.

Die Angeklagten sitzen neben den Schülern im Viererabteil in dem Dominik Brunner sitzt. Der Vorstandschef einer Baustofffirma in Ergoldsbach bei Landshut will zu seinem Zweitwohnsitz nach Solln.

Brunner hört die Angeklagten sagen: „Wann rauben wir sie aus?“. „Wann schlagen wir sie?“ Richter Baier: „Es war ein stufenweises Vorgehen von Brunner: einmischen mit Worten, Drohung, die Polizei zu alarmieren und schließlich anzurufen. „Den Angeklagten war es scheißegal, ob Brunner die Polizei verständigt hat,“ sagt der Richter. Stattdessen beleidigen sie ihn: „Was mischt du dich ein, du Spasti!“ Markus S. und Sebastian L. fahren bis nach Solln.

Dort steigen auch Brunner und die Kinder aus. Sie warten gemeinsam auf die Polizei. Markus S. und Sebastian L. kommen hinterher. „Brunner ging davon aus, dass ein Angriff erfolgen werde“, sagte Baier. „Deshalb sagte er laut: ,Hier gibt es gleich Ärger!’ Baier: „Brunner hoffte auf Unterstützung. Er legte Rucksack und Jacke ab, ging in Boxerhaltung. Die Angeklagten hatten beschlossen, sich an Brunner zu rächen. Mit breiten Schultern und geballten Fäusten sind sie auf ihn zu.“

Mit Tritten versucht Brunner die Angeklagten von sich abzuhalten, rekonstruiert das Gericht. Markus S. ist weiter auf ihn zu. Baier: „Brunner versetzte einen Faustschlag gegen Markus S. Die Angeklagten zogen sich zurück und beschlossen Brunner abzustrafen.“ Markus S. nimmt einen Schlüssel in die Faust und lässt die Spitze zwischen den Fingern rausragen.

Markus S. und Sebastian L. gehen auf Brunner los. „Brunner gelang es anfangs, sich relativ gut zu wehren“, so Baier. Plötzlich geht Brunner zu Boden. Trotzdem schlagen und treten sie weiter auf ihn ein. Erst als Brunner regungslos liegen bleibt, lässt Markus S, von ihm ab. Die beiden flüchten übers Gleis, werden noch in Tatortnähe festgenommen. Brunner stirbt gegen 18.20 Uhr in einer Klinik. Todesursache Herzversagen. Auslöser: die Schläge.

19 Faustschläge und drei Fußtritte hätten laut Gutachter tödlich enden können. Ein Turnschuhabdruck von Markus S. war an Brunner Kopf sichtbar. Bei Markus S. sei das „Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe" erfüllt. Das Gericht kam der Forderung der Jugendhöchststrafe von 10 Jahren nicht nach, da Markus S. zur Tatzeit „alkoholisch enthemmt“ gewesen sei und nur „ein bedingter Tötungsvorsatz“ vorlag. Sebastian L. habe Brunner verletzt, als er noch nicht in Todesgefahr war. Er soll den „tödlichen Ausgang“ der Schläge und Tritte erkannt haben. Es lege kein „Tötungsvorsatz“ vor.

Torsten Huber

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