"Hoffen, sie muss nie zum Einsatz kommen": Warum das Klinikum Schwabing eine neue Spezialstation hat

Dank einer neuen Station in Schwabing ist Bayern für den Ernstfall gut gerüstet. 
von   AZ
Die München Klinik schult einen Mitarbeiter der Universitätsklinik auf der modernisierten Sonderisolierstation.
Die München Klinik schult einen Mitarbeiter der Universitätsklinik auf der modernisierten Sonderisolierstation. © München Klinik

Lungenpest, Ebola oder unbekannte neue Erreger, die schwere Krankheiten mit oft hohen Sterblichkeitsraten auslösen: Für Krankheiten durch hochpathogene Erreger, sogenannte "High consequence infectious diseases" (HCID), stehen in Deutschland sieben Sonderisolierstationen (SIS) bereit.

In der München Klinik Schwabing steht die einzige SIS in Bayern – und ist nach einer umfassenden Modernisierung jetzt wieder einsatzbereit.

Die Station erfüllt höchste Sicherheitsstandards und besitzt als Behandlungszentrum spezialisierte Kompetenzen zur Versorgung von Patienten mit potenziell lebensbedrohlichen, ansteckenden Krankheiten mit besonderer Tragweite für das Behandlungspersonal und die öffentliche Gesundheit, so die München Klinik.

Weil die Vorhaltung einer solchen Sonderisolierstation Ländersache ist, hat der Freistaat die Modernisierung gefördert. Die München Klinik ist verantwortlich für Umsetzung und Betrieb der Station bis 2028, danach wird die Verantwortung an die Universitätsklinika der LMU und TUM übertragen. Die Vorbereitungen für den Übergang laufen bereits.

"Für den infektiologischen Ernstfall bestens gewappnet"

Mit der Modernisierung haben man gemeinsam eine Station geschaffen, "die modernen Anforderungen entspricht und auf die sich Bayern im Ernstfall verlassen kann", so München-Klinik-Chef Tim Guderjahn. Der leitende Oberarzt Wolfang Guggemos ergänzt: "Wir hoffen, dass diese Station niemals zum Einsatz kommen muss. Aber wenn ein HCID-Patient zu versorgen ist, dann muss die Station in allen Bereichen reibungslos funktionieren. Dazu ist infektiologisches Fachwissen, eine moderne Infrastruktur und für die Besonderheiten des Arbeitens auf einer SIS ausgebildetes Personal in ausreichender Anzahl erforderlich. Unsere neue SIS vereint diese Kriterien und damit ist Bayern für den infektiologischen Ernstfall bestens gewappnet.“

Bei der Wiedereröffnung der Sonderisolierstation, v.l.n.r.: Im Schutzanzug eine Mitarbeitende des TUM Klinikums, die kürzlich für die Sonderisolierstation geschult wurde. Daneben Dr. Tim Guderjahn (Kaufmännischer Geschäftsführer, München Klinik), Dr. Rainer Hutka (Amtschef, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention), Dr. Susanne Herrmann (Stellv. Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München) und Dr. Wolfgang Guggemos (Leitender Oberarzt, Infektiologie der München Klinik Schwabing).
Bei der Wiedereröffnung der Sonderisolierstation, v.l.n.r.: Im Schutzanzug eine Mitarbeitende des TUM Klinikums, die kürzlich für die Sonderisolierstation geschult wurde. Daneben Dr. Tim Guderjahn (Kaufmännischer Geschäftsführer, München Klinik), Dr. Rainer Hutka (Amtschef, Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention), Dr. Susanne Herrmann (Stellv. Gesundheitsreferentin, Landeshauptstadt München) und Dr. Wolfgang Guggemos (Leitender Oberarzt, Infektiologie der München Klinik Schwabing). © Klaus Krischock

Übliche Klinikstrukturen sind hierfür nicht nutzbar

Warum braucht es eine Sonderstation? Die München Klinik erklärt, bei der Behandlung von Patienten mit Infektionserkrankungen mit möglicherweise weitreichenden Konsequenzen (z.B. Ebola Fieber, Lassa Fieber) sind wegen der Anforderungen für den Schutz der Umgebung und des Personals die üblichen Strukturen einer Klinik nicht zu nutzen. Darum müssen alle diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, die zur Versorgung dieser Patienten erforderlich sind, auf einer autarken SIS gewährleistet werden.

Die baulichen Maßnahmen betrafen insbesondere die Belange einer hochkomplexen Klimatechnik mit Unterdruck in der Behandlungseinheit und mehrfachem Filtersystem der Abluft, einer Zutrittsbeschränkung durch Schleusen sowie einer hochmodernen Einheit zur sicheren Dekontamination des Personals.

Hochgesicherte Räume und speziell geschultes Personal

Die Schwabinger SIS befindet sich im Haus 10 und damit in unmittelbarer Nähe zur infektiologischen Hauptabteilung und verfügt in einem hochgesicherten Behandlungsraum mit angegliedertem Labor über zwei intensivmedizinische Bettenplätze.

Ein Mitarbeiter bei der Schulung: Gearbeitet wird im Ganzkörper-Schutzanzug.
Ein Mitarbeiter bei der Schulung: Gearbeitet wird im Ganzkörper-Schutzanzug. © München Klinik

Neben den baulich-technischen Anforderungen ist die elementare Voraussetzung für den Betrieb einer SIS die Vorhaltung von speziell ausgebildetem und geschultem Personal, das die besonderen Anforderungen der intensivmedizinischen Patientenversorgung unter den Erfordernissen eines maximalen Personalschutzes erfüllt.

Hierzu ist es erforderlich, die Patienten im Ganzkörper-Schutzanzug mit integrierter Luftversorgung und Kommunikationstechnik zu versorgen.

Die Station kann binnen Stunden aktiviert werden

Nicht alle ansteckenden Krankheiten sind „gleich ansteckend“. Die gängigen infektiösen Erkrankungen, wie Influenza, Covid-19 und Tuberkulose, aber auch seltene Tropenerkrankungen werden in der München Klinik in der spezialisierten Hauptabteilung für Infektiologie behandelt.

Die SIS wird nur für HCID-Fälle (i.d.R. höchste Risikostufe IV) vorgehalten, die nicht auf einer gewöhnlichen Infektionsstation behandelt werden können. Hierzu zählen Erkrankungen wie Lungenpest, Ebola-, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber sowie andere seltene Infektionen. Wenn notwendig, kann die Station binnen weniger Stunden aktiviert werden.

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