Hoffen auf ein „fettes Geld-Fass der Minister“

Zum Schulstart ist sie besorgt: Ein Interview mit Simone Fleischmann – sie ist quasi Bayerns neue Oberlehrerin.
| Eva von Steinburg
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Bayerns "Oberlehrerin" Simone Fleischmann.
az Bayerns "Oberlehrerin" Simone Fleischmann.

AZ: Frau Fleischmann, machen Sie sich Sorgen um den ersten Schultag in München?

SIMONE FLEISCHMANN: Ja. Wir fordern ja schon lange mehr Lehrer. Aber zum Start dieses Jahr ist die Lehrerversorgung auf extrem dünnen Eis – wegen der zusätzlichen Aufgaben. Ich habe Angst, dass das Eis bricht.

Statt 30 000 Kindern von Asylbewerbern werden in Bayern bis Ende des Jahres wohl 50 000 eine Schule besuchen. Ein Drittel der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Für die über Sechsjährigen beginnt nach drei Monaten hier die Schulpflicht.

Lehrer und Eltern sind verunsichert, weil wir nicht wissen, ob die Zahl von 50 000 schulpflichtigen Flüchtlingen überhaupt reicht.

Wie unterstützen Sie die Münchner Lehrer?

Wir hören hin, wenn eine Grundschullehrerin, die sich gerade auf ihren Unterricht in einer 2. Klasse mit 22 Kindern vorbereitet, ab Dienstag plötzlich fünf neue Kinder in der Klasse hat, die kein Deutsch können. Ich habe aber die Hoffnung, dass die Minister ein fettes Geld-Fass im Nachtragshaushalt aufmachen.

Auch für Personal?

Arbeitslose Gymnasial-Lehrer könnten Deutsch unterrichten. Damit es noch mehr als die angekündigten 460 extra Übergangsklassen für Flüchtlingskinder gibt, mit einem Schlüssel von 1:10. Die Lehrer sind unsere Seismographen: Wenn in 14 Tagen in bayerischen Schulen die Hölle los ist, geben wir das laut an die Politik weiter.

Das Immer-Gehetzt-sein und der gewaltige Stress von bayerischen Pädagogen in der „Turbo-Schule“ war eins Ihrer ersten Themen als neue Chefin des Bayerischen Lehrerverbands. Warum?

Ich will zeigen, was in der Schule eigentlich passiert, wie Schule wirklich ist. Dabei habe ich keine Angst vor Gefühlen. Ich habe Psychologie studiert und als Schulpsychologin gearbeitet. Bei Gesprächen bemerke ich, was nebenher noch mitschwingt. Dafür bin ich sensibel – ich will thematisch den Finger in die Wunde legen. Ich zeige, wo die Arbeit unsere Lehrer nicht glücklich macht.

Sie gelten als Energiebündel – und ansteckend positiv.

Ich bin ein Einzelkind, bekam meist, was ich wollte. Wenn du kämpfst, kriegst du es auch, habe ich als Kind gelernt. Diese Zuversicht strahle ich irgendwie auch aus. Ich glaube, ganz antrainieren kann man sich das nicht.

Im Kultusministerium gelten Sie als unbequem. Wie begegnen Sie Minister Spaenle?

Sag, was du willst, sag es klar und druckse nicht herum – das ist meine Devise. In Vier-Augen-Gesprächen sage ich: Bayerns Ressource ist das Hirn seiner Kinder. Ich werde alles versuchen, um für die Schüler und Lehrer Schule zu verbessern.

Sie sind geschieden. Jetzt leben sie glücklich mit ihrem Partner, einem nicht-verkopften Handwerker zusammen. Vermissen Sie eigene Kinder?

Ich spüre, dass ich zufrieden bin. Ich war eine leidenschaftliche Lehrerin – und fühle mich jetzt am richtigen Platz. Als Rektorin in Poing habe ich jahrelang jeden Morgen vor acht Uhr alle Kinder an der Schultür begrüßt. Das war sehr persönlich, denn Kinder sehen und kommentieren alles, wie: „hast du aber schöne Schuhe“ oder: „Warum schaust du so komisch“.

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