Hochschule München: Prüfungsstress im Homeoffice

Studenten der Hochschule München können derzeit nicht nur inhaltlich in Prüfungen scheitern. "Nicht bestanden" droht auch denjenigen, deren Webcam oder Handy während der Prüfung kurz ausfällt.
| Werner Stingl, Marie Heßlinger
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Uni findet derzeit daheim am Schreib- oder Esstisch statt - an der Hochschule München sogar die Prüfungen.
Uni findet derzeit daheim am Schreib- oder Esstisch statt - an der Hochschule München sogar die Prüfungen. © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

München - Als Antwort auf die Pandemiesituation hat die Leitung der Hochschule München schon am 15. Dezember 2020 beschlossen, in diesem Wintersemester ab dem 4. Januar 2021 sämtliche schriftlichen und mündlichen Präsenzprüfungen zu untersagen. Wollen Studenten ihre Prüfungen nicht in eine ungewisse Zukunft verschieben, müssen sie ihrer Prüfungspflicht statt in Räumlichkeiten der Hochschule am Schreibtisch zuhause nachkommen.

Hochschule München: Bei Prüfungen herrscht Dauerüberwachung

Wer glaubt, Studierende könnten sich zuhause leicht durch Prüfungen spicken, irrt. Webcams von PC und/oder Handy sind so einzustellen, dass der Prüfling und sein Arbeitsbereich die gesamte Prüfungszeit pausenlos videoüberwacht sind. Freilich müssen die Studierenden vorher zugestimmt haben - Datenschutz!

Dafür bekommen Studierende eine Anleitung, aus der ersichtlich ist, wie am Prüfungstag alles aufzubauen ist, damit der Prof auch kontrollieren kann.
Dafür bekommen Studierende eine Anleitung, aus der ersichtlich ist, wie am Prüfungstag alles aufzubauen ist, damit der Prof auch kontrollieren kann. © HM

Zusätzlich zum Lehrstoff müssen die Prüflinge für einen reibungslosen Ablauf der Fernklausuren eine Reihe von Vorschriften und Fertigkeiten verinnerlicht haben. Das Wichtigste ist auf 30 Seiten zusammengefasst. Wer hier was falsch macht, gefährdet seinen Prüfungserfolg selbst dann, wenn er allen Prüfungsaufgaben fehlerlos gewachsen war. Durchfallen droht auch jenen, denen ein in Präsenzprüfungen unmögliches oder irrelevantes Missgeschick passiert. Eine kurze Netzstörung, ein umgefallenes Handy, ein ins Zimmer platzendes Geschwisterkind oder einiges mehr können einen schwer widerlegbaren Schummelverdacht erregen, der ausreicht, die Prüfung zu annullieren.

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Probleme bei Prüfungen im Homeoffice

Doch auch wenn das Netz für die Zeit der Prüfung stabil ist und die Webcam-Überwachung tadellos funktioniert, besteht nicht notwendigerweise Chancengleichheit. So können zu Prüfende im freistehenden Einfamilienhaus wesentlich sicherer sein als im Wohnblock, nicht von bohrenden oder sonst wie lauten Nachbarn aus dem Konzept gebracht zu werden.

Ob es tatsächlich notwendig war, Prüfungen unter fragwürdigen Überwachungsmaßnahmen nach Hause zu delegieren, darüber könnte man streiten. Und vielleicht wird das früher oder später sogar vor Gericht passieren.Die TU beispielsweise will ihren Studenten bislang noch Präsenzprüfungen gewähren, wenngleich unter forcierten Hygiene- und Abstandsbedingungen. Am Platz dürfte es nicht liegen, dass die Hochschule München einen anderen Weg gewählt hat. Denn weil coronabedingt auch die Lehrveranstaltungen virtuell ablaufen, sind die Hörsäle gähnend leer.


Das sagt die Hochschule München - "Schummeln ist nie unmöglich"

18.000 Studierende legen in diesem Semester bis zu 90.000 Prüfungsleistungen an der Hochschule München ab, schätzt Vizepräsident Klaus Kreulich. Die Studierendenvertretung selbst habe dazu aufgefordert, alle Präsenzprüfungen abzusagen. "Weil es sonst zu Toten kommt", sagt Kreulich. Wenn von den vielen Prüflingen einer infiziert sei und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Hochschule fahre, sagt Kreulich, könne der Prüfling allein auf dem Weg dorthin weitere Menschen anstecken. Von 45 Infizierten sterbe im Schnitt einer.

Die Studierenden schreiben ihre Prüfungen deshalb von zuhause aus, vor laufender Webcam. Auch bei Präsenzprüfungen sei schummeln nie unmöglich. Bei den Online-Prüfungen der Hochschule ist es sogar erlaubt, Hilfsmittel wie Bücher zu benutzen. Bei den Aufgaben geht es eher um Wissenstransfer als um Wiedergabe von Auswendiggelerntem.

Eine Anleitung erkläre die technische Handhabung, beispielsweise zur Installation einer Webkamera, sagt Kreulich. Wenn ein Handy umfalle oder ein ähnliches Missgeschick passiere, sei das aber noch kein Grund, durch die Prüfung zu fallen. Und wer keine Online-Prüfung wolle, habe das Recht auf eine Präsenzprüfung. Doch nur weniger als 50 Studierende hätten sich gegen die Online-Prüfung entschieden.

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