Historische Parade in München zum 150. Jubiläum: "Gott sei Dank, haben wir die Tram erhalten!"

Trotz grauem Himmel versammelten sich überraschend viele Menschen am Samstagmorgen an der Tram-Station Marienplatz/Theatinerstraße. Für nichtsahnende Passanten könnte es nach einer Panne gewirkt haben, immerhin stand eine Straßenbahngarnitur mitten auf der Strecke. Bei genauerem Hinsehen fiel jedoch die besondere Folierung des Avenio auf, die auf den einzelnen Abschnitten der Bahn die verschiedenen optischen Epochen der Münchner Tram abbildet. Weiter hinten in Richtung Lodenfrey und Promenadeplatz waren diese Epochen dann leibhaftig vorhanden.

Dort hatten die historischen Wagen – eigentlich Museumsstücke, die teilweise von Ehrenamtlichen in Schuss gehalten werden – Aufstellung genommen. Bei fröhlicher Stimmung drängten sich Familien und Nahverkehrs-Nerds um die Fahrzeuge, Kinder wurden in Trams gehoben und unzählige Fotos geschossen, auch Videos aufgezeichnet. Wer glaubt, das Smartphone hätte Kameras und Camcorder schon endgültig abgelöst, wurde hier eines Besseren belehrt. Ernst schauende, rucksacktragende Aficionados wuseln mit viel Equipment zwischen den Wagons herum, um ja den besten Winkel für ein Foto zu erwischen.
Zum 150. Jubiläum: Korso mit historischen Trambahnen durch München
Zwischendrin bewegten sich viele MVG-Mitarbeiter in historischen Schaffneruniformen und brachten Broschüren, Sammel-Fahrkarten in altem Design und ihre Begeisterung für die Tram unter die Menschen. Viele Kollegen kamen auch außerhalb der Dienstzeit, um diesen besonderen Tag mitzuerleben. Pünktlich auf die Minute begann um 9:45 Uhr die endgültige Aufstellung an einer historischen Stations-Stele in der Kurve am Marienhof. Angeführt vom schon genannten Jubiläums-Avenio folgten elf Straßenbahnen: Von einer Pferdebahn und einem A-Wagen mit Baujahr 1901 bis zur neuesten Avenio 3+3 Generation.
Mittendrin ist auch ein P-Wagen (Baujahr 1968), der als Linie 13 das Fahrziel Hasenbergl anzeigte. Fahren durfte ihn heute Martin Sickinger. Der Straßenbahn-Chauffeur aus Leidenschaft freut sich, am heutigen Tag dabei sein zu dürfen. "Die Tram gehört zu München und hat eine interessante Geschichte. Es ist schön die technische Entwicklung zu zeigen und die fröhlichen Gesichter zu sehen."

Punkt 10 Uhr wurde kurz gesprochen, auch OB Krause hielt vom Pferdewagen aus, flankiert vom Münchner Kindl, eine kleine Rede. Überrascht über den großen Andrang, rühmte er die Vorzüge der Straßenbahn als zukunftsträchtiges Verkehrsmittel. Die Tram sei ein Stück Heimat, Münchner Identität. Andere Städte hätten sie irgendwann abgeschafft: "Gott sei Dank, haben wir die Tram erhalten!"

Florian Waller (73) schwelgte mit seiner Frau in Erinnerungen und freut sich, dass die alten Fahrzeuge so schön erhalten wurden. "Das hat sich rentiert! Ab dem D-Wagen (Baujahr 1911) habe ich alle Modelle noch im Regelbetrieb erlebt."
Wenn die Tram feiert, muss die Stadt kurz stillstehen
Dann ging es unter Applaus los in Richtung Maximilianeum, Max-Weber-Platz und schließlich Einsteinstraße. Auf dem ganzen Weg säumten viele Menschen die Route und erfreuten sich der Prozession. Wenn die Tram feiert, muss die Stadt kurz stillstehen. Die Maximilianstraße war komplett für den Autoverkehr gesperrt, während die schön geschmückten Wagen in Schrittgeschwindigkeit die Isar überquerten.
Die Münchner Straßenbahn bewegt auch nach 150 Jahren noch immer die Menschen und verbindet Alt und Jung, auf gegenständlicher wie emotionaler Ebene. Alles Gute und auf weitere 150 Jahre!