Historische Münchner Speisekarten aus 150 Jahren

Das Digitalprojekt "Schmankerl Time Machine" präsentiert Münchner Speisekarten aus 150 Jahren.
| Bettina Funk
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DAS WIRTSHAUS IM SPESSART: Die als Pistole gestaltete Karte des "Abendlokals mit Pfiff und Knall" wirbt 1959 am Ausstellungspark mit erlesenen Räuber-Schmankerln, gutem Wein vom Fass und Tanz ab 20 Uhr. Auf einer weiteren Speisekarte des Wirtshauses in der Sammlung steht der Satz: "So Ihr zufrieden waret, kommet wieder; so nicht, schicket Eure lieben Verwandten!" Das "Wirtshaus im Spessart" ist außerdem eine Novelle aus dem Jahr 1826 und eine Filmkomödie (1958) mit Liselotte Pulver, in denen es auch um Räuber geht – die Vorlage für Gaststättenname und Speisekarten-Design.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 DAS WIRTSHAUS IM SPESSART: Die als Pistole gestaltete Karte des "Abendlokals mit Pfiff und Knall" wirbt 1959 am Ausstellungspark mit erlesenen Räuber-Schmankerln, gutem Wein vom Fass und Tanz ab 20 Uhr. Auf einer weiteren Speisekarte des Wirtshauses in der Sammlung steht der Satz: "So Ihr zufrieden waret, kommet wieder; so nicht, schicket Eure lieben Verwandten!" Das "Wirtshaus im Spessart" ist außerdem eine Novelle aus dem Jahr 1826 und eine Filmkomödie (1958) mit Liselotte Pulver, in denen es auch um Räuber geht – die Vorlage für Gaststättenname und Speisekarten-Design.
OPATJA: Diese Karte des Opatja von 1962 meint, dass Suppen nicht dick machen und sich an ihnen die Qualität der Küche misst. Das Balkan-Lokal gibt es heute noch. Das erste Opatja lag in der Brienner Straße 41. Von 1990 bis 2006 war das Optaja von Wirt Ralf Faltermeier am Viktualienmarkt, dann im Tal im ehemaligen Kartoffelhaus. 2009 eröffnete Faltermeier eine zweite Filiale, das Opatija am Alten Peter.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 OPATJA: Diese Karte des Opatja von 1962 meint, dass Suppen nicht dick machen und sich an ihnen die Qualität der Küche misst. Das Balkan-Lokal gibt es heute noch. Das erste Opatja lag in der Brienner Straße 41. Von 1990 bis 2006 war das Optaja von Wirt Ralf Faltermeier am Viktualienmarkt, dann im Tal im ehemaligen Kartoffelhaus. 2009 eröffnete Faltermeier eine zweite Filiale, das Opatija am Alten Peter.
P1: Auf der Cocktailkarte von 1960 stehen Cobblers, Sours und Fizzes, allesamt für 2,50 Mark beziehungsweise drei Mark. Gegründet wurde das P1 als Offiziersclub 1949 für die US-amerikanischen Besatzungstruppen nach dem Zweiten Weltkrieg im Haus der Kunst. Der Name des Clubs stammt von der Adresse: Prinzregentenstraße 1. In den 60er Jahren erhielt der Offiziersclub den Namen "Künstleratelier", wurde 1984 von Michael Käfer übernommen und ist bis heute im Haus der Kunst untergebracht, im Keller.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 P1: Auf der Cocktailkarte von 1960 stehen Cobblers, Sours und Fizzes, allesamt für 2,50 Mark beziehungsweise drei Mark. Gegründet wurde das P1 als Offiziersclub 1949 für die US-amerikanischen Besatzungstruppen nach dem Zweiten Weltkrieg im Haus der Kunst. Der Name des Clubs stammt von der Adresse: Prinzregentenstraße 1. In den 60er Jahren erhielt der Offiziersclub den Namen "Künstleratelier", wurde 1984 von Michael Käfer übernommen und ist bis heute im Haus der Kunst untergebracht, im Keller.
MÖVENPICK: Im voll klimatisierten ersten Stock des Künstlerhauses gab es laut der Karte von 1974 Brunch für die ganze Langschläfer-Familie. 1967 war das Künstlerhaus einen dreißigjährigen Dauernutzungsvertrag mit dem Besitzer des Bayerischen Hofs, Falk Volkhardt, eingegangen, der den Restaurationsbetrieb später an die Mövenpick-Kette weiterverpachtete. 2007 wechselte der Pächter und das Mövenpick zog aus.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 MÖVENPICK: Im voll klimatisierten ersten Stock des Künstlerhauses gab es laut der Karte von 1974 Brunch für die ganze Langschläfer-Familie. 1967 war das Künstlerhaus einen dreißigjährigen Dauernutzungsvertrag mit dem Besitzer des Bayerischen Hofs, Falk Volkhardt, eingegangen, der den Restaurationsbetrieb später an die Mövenpick-Kette weiterverpachtete. 2007 wechselte der Pächter und das Mövenpick zog aus.
KÜNSTLERHAUS: Zu welchem Anlass es am 10. Januar 1911 Bries-Pastetchen, Zander und die Prinz Pückler Bombe gab, ist nicht bekannt. Die Gastronomie im Künstlerhaus wechselte mehrmals – Prunkstück der Restauranträume im Erdgeschoss ist das Venezianische Zimmer aus Lenbachs Zeiten.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 KÜNSTLERHAUS: Zu welchem Anlass es am 10. Januar 1911 Bries-Pastetchen, Zander und die Prinz Pückler Bombe gab, ist nicht bekannt. Die Gastronomie im Künstlerhaus wechselte mehrmals – Prunkstück der Restauranträume im Erdgeschoss ist das Venezianische Zimmer aus Lenbachs Zeiten.
MATHÄSERBRÄU: Diese "Kriegs-Speisenkarte" stammt aus dem Jahr 1916. Kriegsbedingt herrschte Mangel – und so gab es fettlose und fleischfreie Tage in den Gaststätten. Manche Gerichte bekam man nur gegen Abgabe von Fleischmarken. Die Mathäserbräu-Bierhallen, einst die größte Wirtschaft der Welt, im Krieg zerstört und 1957 wiedereröffnet, befanden sich bis 1998 in der Bayerstraße. Nach dem Totalabriss entstand hier das neue Mathäser-Kino.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 MATHÄSERBRÄU: Diese "Kriegs-Speisenkarte" stammt aus dem Jahr 1916. Kriegsbedingt herrschte Mangel – und so gab es fettlose und fleischfreie Tage in den Gaststätten. Manche Gerichte bekam man nur gegen Abgabe von Fleischmarken. Die Mathäserbräu-Bierhallen, einst die größte Wirtschaft der Welt, im Krieg zerstört und 1957 wiedereröffnet, befanden sich bis 1998 in der Bayerstraße. Nach dem Totalabriss entstand hier das neue Mathäser-Kino.
SCHELLING-SALON: Die Traditionsgaststätte in der Schellingstraße 54 wurde 1872 eröffnet und wird bis heute von der Familie Mehr bewirtschaftet. Diese Karte stammt aus dem Jahr 1916.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 SCHELLING-SALON: Die Traditionsgaststätte in der Schellingstraße 54 wurde 1872 eröffnet und wird bis heute von der Familie Mehr bewirtschaftet. Diese Karte stammt aus dem Jahr 1916.
ANTON TAFELMEYER: Dies ist die älteste Karte der Sammlung – nämlich aus dem Jahr 1855. Im Gasthaus von Anton Tafelmeyer in der Ottostraße 3 gab es das halbe Hendl zu 18 Kreuzer, Maccheroni (hier: "Maccaroni") für 15 und "Niern-Braten" für zwölf Kreuzer. Wie lange es das Gasthaus gab, lässt sich jedoch nicht nachverfolgen.
dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine 8 ANTON TAFELMEYER: Dies ist die älteste Karte der Sammlung – nämlich aus dem Jahr 1855. Im Gasthaus von Anton Tafelmeyer in der Ottostraße 3 gab es das halbe Hendl zu 18 Kreuzer, Maccheroni (hier: "Maccaroni") für 15 und "Niern-Braten" für zwölf Kreuzer. Wie lange es das Gasthaus gab, lässt sich jedoch nicht nachverfolgen.

München - Wie wäre es mit einem Hummercocktail, gefolgt vom Hasen in der Terrine und Rehnüsschen und die Prinz Pückler Bombe als krönenden Abschluss?

Das Projekt "Schmankerl Time Machine" der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) macht das möglich – zumindest virtuell. Die IT-Gruppe Geisteswissenschaften hat rund 380 Speisekarten aus dem Literaturarchiv der Monacensia digitalisiert.

Die "Time Schmankerl Machine" gehört zum Projekt "Coding da Vinci”, durch das Stiftungen die Kulturinstitutionen mit der digitalen Welt vernetzen wollen.

Fast 380 historische Münchner Speisekarten digitalisiert

Die Speisekarten der "Schmankerl Time Machine" stammen aus den Jahren 1855 bis 1988.

"Die Nutzer können die Speisekarten vergrößern und sich selbst ein Menü aus den Gerichten zusammenstellen", erklärt Julian Schulz, wissenschaftlicher Mitarbeiter der LMU. Dieses Menü erscheint dann in einem Warenkorb – inklusive der jeweiligen Preise. "Einige der Gerichte haben wir mit der Rezeptsammlung auf Chefkoch.de verlinkt", so Schulz weiter. Mit den Rezepten können die Benutzer die Speisen dann nachkochen.

Bei einigen der Speisekarten sind außerdem historische Fotos der Lokale aus der Stadtbibliothek verlinkt.

Verlinkung der Speisekarten mit den Rezepten

"Die Speisekarten sind ein Spiegel ihrer Zeit", sagt Julian Schulz, "und sie haben einen kulturhistorischen Aussagewert."

Woher die Sammlung in der Monacensia stammt, ist jedoch unbekannt. "Wir gehen von einem privaten Sammler aus", sagt Christine Hanig, Leiterin der Monacensia-Forschungsbibliothek. "Wir haben aber noch mehr Karten, die bisher noch nicht digitalisiert wurden." Darunter sind auch Menüfolgen von privaten Festen. "Die Speisenfolge der Nobelpreisverleihung von Thomas Mann zeigen wir in unserer Ausstellung", so Hanig.

Sehen Sie sich eine Auswahl historischer Speisekarten in unserer Bildergalerie an.

Für vergrößerte Aufnahmen und hunderte weitere Speisekarten gehen Sie auf dhvlab.gwi.uni-muenchen.de/schmankerltimemachine


Wenn Sie alte Speisekarten haben, können Sie sich bei der Monacensia melden.

Wirtschaftswunder in München: Die Werbeplakate der 50er Jahre

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