Wo München eine neue Fußgängerzone bekommt
Der St.-Anna-Platz im Lehel ist ein kleines urbanes Idyll. In den niedlichen Lokalen und Cafés mit Blick auf die Kirche lässt es sich gut aushalten. Dass man aus der hier vorbeiführenden St.-Anna-Straße eine Fußgängerzone machen könnte, ist schon länger im Gespräch. Denn nachdem eine mehrjährige Baustelle die Straße in zwei Abschnitte geteilt und für den KFZ-Verkehr unpassierbar gemacht hat, hatte sich gezeigt, dass es durch die Sperrung kaum nennenswerte Einschränkungen gab.
Entscheidung war fast einstimmig
Jetzt hat sich der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel fast einstimmig für eine Fußgängerzone an der St.-Anna-Straße ausgesprochen. Mit nur einer Gegenstimme hat das Gremium für eine Verkehrsberuhigung gestimmt. Das Mobilitätsreferat kann nun das dafür notwendige Umwidmungsverfahren in die Wege leiten.
Eine bauliche Umgestaltung ist zunächst noch nicht vorgesehen, jedoch wird eine Beschilderung eingerichtet und Stadtmobiliar an geeigneten Stellen aufgestellt, heißt es aus dem BA. So kann die neue Fußgängerzone zwischen Liebigstraße und der Kreuzung Bürkleinstraße und Gewürzmühlstraße noch in diesem Jahr eingerichtet werden.

"So sieht gelebte Bürgerbeteiligung aus"
BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier (Grüne) sagt, sie freue sich sehr, über diesen "weitreichenden Beschluss". Damit erhalte das mittlere Lehel "eine riesige Aufwertung" und für alle Bürger vor Ort steige "die Lebensqualität in unserem schönen Lehel nochmals weiter an", so Stadler-Bachmaier.
"Ich bin meinen Kollegen sehr dankbar, dass Sie gemeinsam mit mir über mehrere Jahre und gegen alle Widerstände dieses Projekt vorangebracht haben und wir gemeinsam mit der Bevölkerung des Viertels, mit den Schulen, mit den Gewerbetreibenden, mit den Gastronomen, mit der Kirchgemeinde und vielen weiteren Personen Ideen für die St.-Anna-Straße entwickeln und schlussendlich nun auch umsetzen konnten", so die Viertel-Chefin. "So sieht gelebte Bürgerbeteiligung aus und so wird lokale Politik lebendig und greifbar."
Vor einem Umbau erst einmal kleinere Maßnahmen
Philippe Louis (Grüne), Vorsitzender des Unterausschusses Mobilität und öffentlicher Raum im BA erklärt dazu: "Wichtig ist für uns zunächst, dass die Fußgängerzone kommt. Eine bauliche Umgestaltung mit Angleichung der unterschiedlichen Höhen und eine Herstellung der Barrierefreiheit ist wichtig und muss umgesetzt werden, sobald die Stadt dafür wieder die finanziellen Möglichkeiten hat."
Davor benötige man noch kleinere Maßnahmen wie das Abschleifen und Einfassen des historischen Kopfsteinpflasters, um gute Bedingungen vor allem für den Radverkehr, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und Kinderwägen zu schaffen. "Wenn mit Umsetzung von ein paar kleinen Stellschrauben dafür gesorgt wird, dass alle, egal ob Anwohner, Händler, Schüler oder Passanten sich sicher und voller Freude in der St.-Anna-Straße bewegen können, dann kann die Fußgängerzone nur ein voller Erfolg werden", so Louis.
Vorbild für andere Viertel
Sofie Langmeier, Grünen-Stadträtin aus dem Lehel, sagt: „Den Verkehr aus der St.-Anna-Straße rauszunehmen und eine Straße für Menschen zu schaffen, ist schon lange ein expliziter Wunsch im Viertel." Das zeige die breite Mehrheit im Bezirksausschuss deutlich. „Ich bin sicher, das kann richtig gut werden!“, so Langmeier.
Gudrun Lux, mobilitätspolitische Sprecherin der Stadtratsfraktion Die Grünen/Rosa Liste/Volt, ergänzt: „Hier können wir einen echten Quartiersplatz schaffen mit Bänken zum Rasten und Ratschen, ein kleines Viertelzentrum, in dem sich die Menschen aus dem Lehel treffen können.“ Die neue Fußgängerzone werde ein Beitrag dazu, dass Wege sicherer und Quartiere lebendiger sind – und Vorbild auch für andere Münchner Viertel, so Lux.
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