Henriettas kuriose Angewohnheit: So kam das Huhn also an Münchens Hauptbahnhof

Update vom 3. Februar, 14.57 Uhr: Vier Tage nachdem am Münchner Hauptbahnhof ein dunkelbraunes Huhn im Fundbüro der Deutschen Bahn abgegeben wurde, ist das Rätsel um "Henrietta", so wurde das Tier von der Bundespolizei getauft, gelüftet.
Wie Gerhard Wendl vom Vogelnotruf in Olching dem Sender SWR3 am Dienstag erzählte, habe sich die Besitzerin am Montag gemeldet. Dort fand "Henrietta" ein kurzzeitiges Zuhause. "Es musste aber noch abgeklärt werden, ob es wirklich ihr Huhn ist", so Wendl. "Henrietta" heißt eigentlich "Pipsi" und fristet ihr Dasein normalerweise in Moosach. Die Identifizierung erfolgte mittels Fotovergleich. Am Dienstag wird die gefiederte Ausreißerin wieder zu ihrer Hühnerschar zurückkehren.
Doch wie konnte "Henrietta", also "Pipsi", eigentlich von Moosach zum Hauptbahnhof gelangen? Da lieferte die Besitzerin, die anonym bleiben will, eine lustige Erklärung. Offenbar habe "Henrietta" die Marotte, gerne mal als Tramper auf Reisen zu gehen. "Wenn ein Lieferwagen bei ihr am Hof steht und die Tür ist offen, dann hat ‚Henrietta‛ diese blöde Angewohnheit, dort einzusteigen, sozusagen zu trampen", erzählte die Besitzerin. Sie geht daher davon aus, dass dies am Freitag der Fall gewesen sei. "Henrietta" stieg wohl, ohne Wissen des Fahrers, in einen Lieferwagen. Als dieser dann wohl einen Lieferstopp am Hauptbahnhof unternahm, stieg "Henrietta" dort aus. Eine Reisende wurde dann auf das dunkelbraune Huhn aufmerksam und gab den tierischen Ausreißer im Fundbüro ab.
Ihrer Besitzerin ist "Henriettas"-Reisefreudigkeit wohlbekannt. Sie informiere alle Leute: "Bitte Türe schließen, das Huhn steigt ein", so Wendl zu SWR3.
Bundespolizei am Hauptbahnhof hat auf einmal einen gefiederten Gast
Ursprungsmeldung vom 1. Februar 2026: Die Bundespolizei hat es ja Bahnhöfen und Grenzen oft mit etwas gröberen Angelegenheiten zu tun. Da ist mal eine Schlägerei am Hauptbahnhof oder ein Betrunkener pöbelt hin und wieder. Dann sind die Männer in den dunklen Uniformen zur Stelle. Doch tierische Einsätze wie diesen erleben sie wohl eher selten.
So hat am frühen Freitagabend (30. Januar) gegen 17.30 Uhr eine Frau am Hauptbahnhof ein dunkelbraunes Huhn im Fundbüro der Deutschen Bahn abgegeben: relativ klein, offensichtlich herrenlos. Wer vergisst denn sein Huhn am Hauptbahnhof, fragt man sich da unweigerlich.
"Auch gefiederte Reisende haben Anspruch auf Hilfe"
Das Tier wurde zuvor offenbar am nördlichen Ausgang zur Arnulfstraße gefunden. Möglicherweise hatte es sich auch verlaufen, obwohl die Zeiten bekanntlich lange vorbei sind, als noch in der Stadt gewiss auch Hühner gehalten wurden.
Das Fundbüro kontaktierte offenbar - möglicherweise etwas ratlos - die Bundespolizei. Die wählte die Nummer des Vogelnotdienstes. Doch hier war am Freitagabend niemand erreichbar. Kurzerhand brachten die Beamten das gefiederte Tier in die Dienststelle und versorgten es mit Wasser und Haferflocken. Auch gefiederte „Reisende“ haben Anspruch auf Hilfe, schreibt die Bundespolizei in einer Presseinfo mit einem Augenzwinkern.
Nun ist Henrietta wohlbehalten beim Vogelnotdienst
Kurzerhand wurde das Tier getauft. Henrietta hieß sie, mindestens bis zum Morgen. Auch in den Nachtstunden erreichten die Beamten offenbar niemanden vom zuständigen Vogelnotdienst. "Henrietta wurde fürsorglich durch die Nachtschicht begleitet", schreibt die Bundespolizei, "um sie wohlbehalten und ausgeschlafen an die Tagschicht zu übergeben."
Am Samstagmorgen konnte Henrietta wohlauf an den Vogelnotdienst Olching übergeben werden. Schade eigentlich. So ein Huhn als Dienststellen-Haustier der Bundespolizei ist eine sympathische Vorstellung.