„Helfen ist unsere Pflicht“

Münchens Muslime engagieren sich als Dolmetscher, Ärzte und Vermittler für Asylsuchende – und das soll auch so bleiben.
| Natalie Kettinger
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Als Dolmetscherinnen, Ärztinnen und Trost-Spenderinnen im Einsatz: muslimische Helferinnen im Notquartier an der Richelstraße.
Helferkreis Münchner Muslime Als Dolmetscherinnen, Ärztinnen und Trost-Spenderinnen im Einsatz: muslimische Helferinnen im Notquartier an der Richelstraße.

München - Sie sind seit zwei Wochen im Dauereinsatz am Hauptbahnhof, in den Notquartieren an der Richelstraße, der Denisstraße und auf dem Messegelände: Mehr als 1000 Münchner Muslime helfen den neu ankommenden Flüchtlingen als Übersetzer, als Vermittler, Begleiter, Trostspender oder Ärzte.

Sie sammeln Spenden, verteilen Lebensmittel, Kleidung und Spielzeug – so auch am Dienstag, als 1800 Asylsuchende mit Zügen aus Österreich die bayerische Hauptstadt erreichen, und am Mittwoch, als die Behörden bereits mittags dieselbe Zahl an Geflüchteten verzeichnen.

„Eigentlich tun wir Gutes und schweigen darüber, weil wir davon ausgehen, dass Gott alles sieht“, sagt Sokol Lemaj, Vorsitzender des Muslimrates. Doch weil in der Öffentlichkeit immer wieder nach dem Engagement der Muslime in der Flüchtlingskrise gefragt wird, haben sich die Münchner Gruppen, Verbände und Vereine zu einer „PR-Offensive“ entschlossen: zur gemeinsamen Pressekonferenz in der Pasinger Moschee.

Die muslimischen Ehrenamtlichen seien eng mit dem Freiwilligen-Team vom Hauptbahnhof vernetzt, sagt Aida Dedovic vom „Helferkreis Münchner Muslime“. „Wenn von dort eine Anfrage kommt wie: ,Wer spricht Farsi?’ Oder: ,Wer kann Couscous kochen?’ finden wir über unser Netzwerk jemanden.“

Außerdem hätten die Münchner Muslime gut 700 Willkommenspakete gepackt und verteilt und zudem einen 7,5-Tonner voller Spenden nach Ungarn geschickt. Am Sonntag werden auf Initiative des „Münchner Forum für Islam“ zehn Friseure den etwa 180 Männern in der Funkkaserne gratis die Haare schneiden.

Und wenn am 24. September das Opferfest beginnt, wollen die Muslime Flüchtlingskindern aller Konfessionen Geschenke zukommen lassen – „um ihnen eine kleine Freude im neuen Alltag zu bereiten“, wie Aida Dedovic sagt. „Zudem stehen wir mit dem Sozialreferat in Kontakt, um muslimische Pflegefamilien für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zu finden.“

Mit Deutschkursen und Patenschaften, als Dolmetscher und „Integrationslotsen“ wollen sich die Münchner Muslime auch in Zukunft in der Flüchtlingshilfe engagieren. „Wir haben alle einen Migrationshintergrund, sind gut ausgebildet, sprechen viele Sprachen und lieben München – es ist unsere Pflicht zu helfen“, so Aida Dedovic.

Und Sokol Lemaj ergänzt: Viele Münchner Muslime wüssten noch genau, wie es ihnen selbst in den ersten Tagen als Flüchtling in Bayern ergangen sei und was sie damals gebraucht hätten. Diese Erfahrung könne man nun nutzen.

Allerdings stehe auch die muslimische Gemeinde vor einer großen Herausforderung, sagt der Penzberger Imam Benjamin Idriz. „Wir merken, dass die Moscheen sehr bunt geworden sind.“ Es gebe mittlerweile keine rein türkischen oder arabischen Gemeinschaften mehr. „Wir befinden uns ebenfalls in einem Integrationsprozess, bei dem wir eine enge Zusammenarbeit mit Stadt und Behörden benötigen.“

Zum Vorwurf, die reichen Golfstaaten würden zu wenig für ihre verfolgten Glaubensbrüder tun, sagt Idriz: Er wisse nicht, ob Saudi-Arabien tatsächlich, wie behauptet, 2,5 Millionen Syrer aufgenommen habe. „Aber Flüchtlinge wollen Freiheit. Deswegen würden die meisten selbst dann nicht in die arabischen Golfstaaten gehen, wenn ihnen diese ihre Türen öffnen.“

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