Handballtrainer missbraucht Buben (12)

Der Student (26) hat sich über Jahre an einem Schützling vergangen. Es geht um 60 Fälle. Ihm drohen 3 Jahre Haft - im  Höchstfall.
| Torsten Huber
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Mit Kapuze über dem
Kopf und einem Aktenordner
versucht der
Angeklagte, sein
Gesicht im Gerichtsaal
zu verstecken.
Torsten Huber Mit Kapuze über dem Kopf und einem Aktenordner versucht der Angeklagte, sein Gesicht im Gerichtsaal zu verstecken.

München Sport ist gut für die Entwicklung der Kinder. Weiß ja jeder. Eltern sehen es deshalb gern, wenn der Sohn oder die Tochter einen Sportverein besucht. Das Vertrauen zu den Trainern ist meist so groß, dass die Kinder sogar mit ihnen ins Zeltlager fahren dürfen.

Wenn dann Dinge geschehen, die nicht passieren dürfen, merken die Eltern es dann erst, wenn es zu spät ist. Wie im Fall des Schülers David G. (Name geändert). Der hat Handball gespielt in einem Verein im Münchner Westen. Und auch Tennisstunden genommen.

Der Trainer war jeweils derselbe: Felix H. (26), ein Wirtschaftsstudent. Jetzt steht H. vor dem Münchner Landgericht. Nach Erkenntnis der Staatsanwaltschaft soll er über Jahre den damals 12-jährigen David in 60 Fällen sexuell missbraucht haben. H. schweigt zu den Vorwürfen.

Über seine Verteidigerin Dorothee Heinerich legt er ein Geständnis ab: „Mein Mandant will im Gefängnis eine Sexualtherapie machen.“ Die Eltern des Opfers kennen den Angeklagten. Der Student ist bei ihnen ein- und ausgegangen: Vor den Übergriffen war er mit Davids großer Schwester liiert gewesen.

Als sie ihm im Sommer 2004 den Laufpass gibt, sucht der Angeklagte die Nähe ihres kleinen Bruders. Mit Streicheleien fängt es an. Dann berührt Felix H. den Jungen zwischen den Beinen, greift ihm in die Hose. Der Angeklagte nennt es verharmlosend „Sackeln“ oder auch „Eicheltwist“, wenn er an dem Geschlechtsteil des Opfers spielt.

Das geht über Jahre so. Die Berührungen werden zunehmend intensiv. Erst recht, als sie im Februar 2006 mit der Mannschaft im Handballlager im Bayerischen Wald sind. Auch für härtere Sexualpraktiken findet der Coach dabei verniedlichende Bezeichnungen. Bereits seit seinem 16. Lebensjahr soll H. um seine sexuellen Neigungen wissen.

„Aber er schämt sich, diese auszuleben, weil er Angst vor den Eltern hat“, sagt vor Gericht der Gutachter Bela Serly. Ihm vertraute H. an, dass er bisexuell sei. Serly weiter: „Er fühlte sich aber mehr zu Frauen hingezogen. Warum er mit dem 12-Jährigen Sex hatte, konnte er nicht sagen. Den Kontakt brach der Angeklagte von sich aus ab.“

Felix H. entschuldigt sich bei dem Schüler bereits persönlich in einem Brief: „Hallo David, Du weißt wo ich bin. Ich will Dir sagen, wie sehr es mir leid tut und an dieser Stelle entschuldige ich mich. Ich wünsche Dir viel Glück und Stärke.“ Durch sein Geständnis verspricht ihm das Gericht ein mildes Urteil: nicht mehr als drei Jahre Haft.

 

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