Grünen Politiker im AZ-Interview: Zu viel Polizei im Stadion

Im AZ-Interview spricht der Grünen-Abgeordnete Max Deisenhofer über Polizeieinsätze bei Fußballspielen. Seine Forderung: Weniger Polizei in den Stadien.
| Felix Müller
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Grünen-Politiker Max Deisenhofer.
ok-photography.de Grünen-Politiker Max Deisenhofer.

Im AZ-Interview spricht der Grünen-Abgeordnete Max Deisenhofer über Polizeieinsätze bei Fußballspielen. Seine Forderung: Weniger Polizei in den Stadien.

AZ: Herr Deisenhofer, die Polizei lobt, die Fans würden am Spieltag sogar an roten Ampeln warten. Wie nehmen Sie die Situation rund ums Grünwalder Stadion wahr?
MAX DEISENHOFER: Ich sehe das genau wie die Polizei. Im und ums Sechzgerstadion funktioniert das sehr gut. Weil die Fanszene sehr verantwortungsvoll mit dem Standort umgeht. Und weil sich die Sicherheitsbehörden im Großen und Ganzen im Rahmen ihrer Möglichkeiten zurückhalten.

Grünen-Politiker Max Deisenhofer.
Grünen-Politiker Max Deisenhofer. © ok-photography.de

Also alles sicher in Giesing?
Ich fühle mich absolut sicher beim Stadionbesuch. Und ich sehe viele Familien, Senioren. Dass der Fußball für alle Gesellschafts- und Altersschichten da ist.

Deisenhofer: "Das zurückhaltende Agieren der Einsatzkräfte hat sich bewährt"

Draußen im Viertel gibt es anders als vor Sechzigs Rückkehr befürchtet überhaupt keine Auseinandersetzungen. Man könnte argumentieren: Weil so viel Polizei da ist.
Ich glaube, es gibt Spiele, bei denen man mit deutlich weniger Polizei auskommen könnte. Das zurückhaltende Agieren der Einsatzkräfte hat sich bewährt. Zusammen mit den Fans, den Verbänden und dem Verein ist Sechzig im Grünwalder ein Gemeinschaftserlebnis.

Nach den neuen Zahlen haben sich in bayerischen Stadien letzte Saison 88 Menschen verletzt. Ist das viel oder wenig?
Erstmal sind das natürlich 88 zu viel. Aber es ist sicher keine Zahl, die ein angebliches Gewaltproblem in bayerischen Stadien belegt. Das haben wir nicht. Fußball in Bayern ist sicher. Bei den 88 sind übrigens auch Bienenstiche oder verstauchte Knöchel eingerechnet – und 25 Personen, die durch Pfefferspray oder Reizgas von Polizisten verletzt wurden.

88 Menschen wurden im letzten Jahr in bayerischen Stadien verletzt

Sie argumentieren mit den drastisch gesunkenen Zahlen aus der Gewalttäter-Sport-Datei.
Das sind die offiziellen Daten, wenn es um Gewalt im Fußball geht. Und diese Zahl ist um fast 50 Prozent gefallen. Da mögen auch ein paar Karteileichen rausgefallen sein, trotzdem zeigt sich deutlich, dass das Problem nicht größer, sondern kleiner wird.

Die Staatsregierung nennt aber explizit auch gestiegene Zahlen an "gewaltbereiten Personen".
Ich kann nicht feststellen, nach welchen Kriterien diese Daten erhoben werden. Hier braucht es deutlich mehr Transparenz.

Im konservativen Baden-Württemberg hat das CDU-geführte Innenministerium gezielt die Polizeieinsätze beim Fußball verkleinert, ein Fünftel der Beamten abgezogen. Wie ist das möglich?
Sie machen sich die Mühe, jedes Spiel einzeln anzuschauen und den Standort, die Beziehung der Fangruppen und so weiter zu bewerten, um herauszufinden, ob ein Spiel gefährlich sein könnte. Wenn es das nicht ist, trauen sie sich, die Einsätze deutlich zu verkleinern. Was sich bewährt hat, ohne dass es mehr Probleme gebeben hätte.

So gibt es in Hoffenheim Bundesliga-Spiele mit 65 Polizisten, während in Giesing hunderte Beamte über den Drittliga-Alltag wachen.
Ja. Wobei man da fairerweise schon die Größe der Fanszenen auch beachten muss. Aber insgesamt werden viel mehr Polizisten eingesetzt als nötig.

Sie haben die Staatsregierung gefragt, ob ihr Ziel ist, die Fußball-Einsätze zu reduzieren. Es ist offenbar nicht das Ziel.
Ich verstehe, dass man bei Hochrisikospielen ein hohes Polizeiaufgebot braucht. Aber wir haben es immer, bei jedem einzelnen Spiel, egal welches. Das muss nicht sein. Und die Staatsregierung müsste doch ein Interesse daran haben, die Überstunden bei der Polizei abzubauen.

Lesen Sie auch: Neue Zahlen zur Gewaltbereitschaft der Münchner Fußball-Fans

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