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Grüne Oase mitten in der Stadt: Diesen Park kennen selbst viele Münchner nicht

Mitten im Münchner Trubel versteckt sich der Finanzgarten, ein stiller Dichtergarten auf historischem Boden: fern vom Radlverkehr, mit alten Bäumen, viel Schatten und Skulpturen von Chopin, Konfuzius, Tjutschew und Heine – ein Rückzugsort mit Geschichte.
von  Nina Job
Auf einem Hügel in dem kleinen Park ist dem deutschen Dichter Heinrich Heine eine Grotte gewidmet.
Auf einem Hügel in dem kleinen Park ist dem deutschen Dichter Heinrich Heine eine Grotte gewidmet. © Daniel von Loeper

Wer ihn nicht kennt, kann ihn leicht übersehen. Denn den Dichtergarten, den viele alteingesessene Münchner bis heute Finanzgarten nennen, findet man nicht einfach so. Einen direkten Zugang gibt es nicht, wenn man vom Hofgarten kommt. Die meisten, die etwas Erholung im Grünen suchen, gehen direkt weiter zum Englischen Garten.

Radlfreie Wege schlängeln sich durch eine hügelige Landschaft

Um in den Finanzgarten zu gelangen, muss man erst durch die Galeriestraße an den geparkten Autos vorbeigehen oder in der Von-der-Tann-Straße über dem Altstadtring-Tunnel nach dem unscheinbaren Einschlupf suchen.

Die Anzahl der Besucher, die in diesen wie hingezauberten kleinen Park eintauchen, ist deshalb fast immer überschaubar. Manchmal hat man den Garten sogar ganz für sich allein – während wenige Gehminuten entfernt im südlichen Teil des Englischen Gartens der Bär los ist.

Marion Papadopoulos (l.) und Annette Hecht schätzen, dass hier kein Trubel ist.
Marion Papadopoulos (l.) und Annette Hecht schätzen, dass hier kein Trubel ist. © Daniel von Loeper

Hier schlängeln sich radlfreie Wege unter weiten Baumkronen durch eine hügelige Landschaft, eine Wiese lädt zum Ausruhen ein – der kleine Park ist perfekt für eine Pause unter alten, Schatten spendenden Bäumen. Der Garten befindet sich auf dem Gelände einer früheren Bastion. Im Dreißigjährigen Krieg befand sich hier ein Teil der alten Stadtbefestigung. Ein Rest davon ist noch zu sehen.

Zwischen Bäumen und Büschen stehen noch Reste der alten Stadtbefestigung herum.
Zwischen Bäumen und Büschen stehen noch Reste der alten Stadtbefestigung herum. © Daniel von Loeper

Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde das Areal 1644 dem Theatinerkloster überlassen, die Mönche verwendeten es als Nutzgarten. Nachdem das Kloster 1802 aufgelöst worden war, kaufte Staatsminister Abbé Pierre de Salabert den Garten samt einiger Grundstücke im Bereich der ehemaligen Stadtbefestigung. Der Erzieher des Kurfürsten Maximilian IV. Joseph ließ einen Landschaftspark mit einem Pavillon anlegen, in dem sich heute der Heinrich-Heine-Brunnen befindet.

Einst bauten hier Mönche Gemüse an

Abbé Pierre de Salabert ließ nebenan zudem das Palais erbauen, in das später Prinz Carl, ein Sohn von König Max I. Joseph, einzog. Er nutzte den Park als Lustgarten. Ende des 19. Jahrhunderts bekam der Garten schließlich den Namen, der sich bis heute bei vielen Münchnern gehalten hat: Finanzgarten. Denn das Prinz-Carl-Palais wurde Wohnsitz des bayerischen Finanzministers, der Garten gehörte dazu. Öffentlich zugänglich wurde er erst in den 1980er-Jahren.

Der mächtige Konfuzius wiegt mitsamt Sockel neun Tonnen.
Der mächtige Konfuzius wiegt mitsamt Sockel neun Tonnen. © Daniel von Loeper

Heute beherbergt der idyllische Park, in dem die Natur weitgehend sich selbst überlassen wird, Skulpturen und Denkmäler für Persönlichkeiten, die eine Verbindung zu München hatten: Das polnische Kulturministerium hat eine Statue von Frédéric Chopin (1810–1849) gestiftet, der 1831 in München Station machte.

Mit dieser Statue ist der Komponist Frédéric Chopin verewigt.
Mit dieser Statue ist der Komponist Frédéric Chopin verewigt. © Daniel von Loeper

Auch eine neun Tonnen schwere Steinplastik von Konfuzius (vermutl. 551–479 v. Chr.) steht zwischen den Bäumen. Sie ist ein Geschenk von Münchens chinesischer Partnerprovinz Shandong. Dritter im Bunde ist der russische Dichter und Diplomat Fjodor Iwanowitsch Tjutschew (1803–1873), der 21 Jahre in München gelebt und gearbeitet hat. Die Statue ist ein Geschenk seiner Heimatstadt Brjansk.

Erich Kästner initiierte das erste Denkmal

Tjutschew wiederum traf in München auf Heinrich Heine, dem im Dichtergarten eine Grotte gewidmet ist. Darin kauert eine Bronzefigur von Toni Stadler. Initiiert hatte das Denkmal Ende der 1950er-Jahre der Schriftsteller und Wahlmünchner Erich Kästner. Der Park ist ein Ort, an dem man sich inspirieren lassen oder einfach nur Natur genießen kann – ein Geschenk, wie die Statuen darin.

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