"Großer Tag für die Münchner Justiz“: Einblicke in Münchens neuen Justizpalast

Ursprünglich sollte das Gebäude am Leonrodplatz bereits 2020 fertig sein – jetzt ist es endlich so weit. Die AZ lässt sich durch das neue Strafjustizzentrum führen und wirft einen Blick in die hellen, modernen Räume.
von  John Schneider
Das neue Strafjustizzentrum.
Das neue Strafjustizzentrum. © Bernd Wackerbauer

Hausherr Hans-Joachim Heßler freut sich. Es hat zwar gedauert, aber jetzt ist es so weit, das neue Strafjustizzentrum ist fertig, noch im Juni soll der Umzug erfolgen.

"Es ist ein großer Tag für die Münchner Justiz", erklärt der OLG-Präsident Heßler den versammelten Journalisten, die vor dem Einweihungsfest (siehe unten) die Gelegenheit bekommen, sich das neue Haus anzusehen. Er sei "stolz und glücklich", verrät der Hausherr im AZ-Gespräch.

Die Führung überlässt er aber Susanna Mayerle vom Staatlichen Bauamt und seinem Gerichtssprecher Laurent Lafleur. Der erste Eindruck: Das neue Justizgebäude kommt lichtdurchflutet und modern daher. Und nachhaltig, ergänzt Mayerle. Man habe hier fast Passivhausstandard erreicht. Geheizt wird mit Wasser und Wärmepumpen, auf dem Flachdach kommt Photovoltaik zum Einsatz.

Einer der 54 Gerichtssäle.
Einer der 54 Gerichtssäle. © Bernd Wackerbauer

Holzkirchen, Erding oder Kolbermoor – die Gerichtssäle sind nicht nur durchnummeriert, sondern tragen jeweils den Namen bayerischer Städte. Den größten des jeweiligen Amtsgerichtsbezirkes.

Der Weg bis zum 18. Mai 2026 hierher war durchaus steinig. Zwischenzeitlich kam es zu einigen Pannen und Verzögerungen beim Bau. Unter anderem war beispielsweise die Einfahrt zur Garage für Gefangenentransporte zu knapp bemessen worden.

Auch das Budget musste immer mal wieder angepasst werden. Baudirektorin Mayerle findet aber keineswegs, dass unverhältnismäßig hohe Summen angefallen seien. Was an höheren Kosten angefallen sei, bewege sich im Rahmen, sagt sie.

Nutzfläche ist 39.000 Quadratmeter groß.

Ein paar Zahlen: Das neue Justizzentrum wird Arbeitsplatz für 1300 Bedienstete der Strafabteilungen des Amtsgerichtes, der Landgerichte München I und II sowie der Strafsenate des OLG München. Auch die Staatsanwaltschaften München I und II kommen am Leonrodplatz unter.

Lichtdurchflutetes Treppenhaus im neuen SJZ.
Lichtdurchflutetes Treppenhaus im neuen SJZ. © Bernd Wackerbauer

Die Nutzfläche ist 39.000 Quadratmeter groß. Das reicht für 850 Büros, 54 Sitzungssäle, Kantine, Bibliothek, 38 Teeküchen, eine Cafeteria und einen Justizgarten im Hof zum Entspannen. Alles öffentlich, wenn man den Sicherheitscheck am Eingang zum Leonrodplatz hinter sich hat. Gekostet hat das alles am Ende 434 Millionen Euro. Zur Geschichte: Der Beschluss zum Umzug in ein neues Gebäude fiel 2010, nach der Ausschreibung 2013 begannen die Bauarbeiten im August 2017. Eigentlich sollte das Haus 2020 bezogen werden, tatsächlich dauerte es sechs Jahre länger. Dank des kompakten Architekten-Entwurfs, bleibt ein Drittel der Grundstücksfläche zunächst ungenutzt. Da kann also noch etwas entstehen.

Viel Glas und Licht in den Gängen.
Viel Glas und Licht in den Gängen. © Bernd Wackerbauer

Kuriosum am Rande: Gefangene in den Justizvollzugsanstalten in Stadelheim und Amberg haben das vorhandene Mobiliar für die Büros in Bayerns neuem Justizgebäude geschreinert. So schön das Gebäude daherkommt, der erste Praxistest kommt erst noch. Die Premiere im neuen Haus wird am 6. Juli ein Staatsschutzverfahren sein. Die letzte Sitzung im alten Strafjustizzentrum wird am 26. Juni über die Bühne gehen. Bis dahin müssen aber noch 300.000 Kartons bewegt werden. Das entspricht 1500 Lkw-Ladungen. Vom alten zum neuen Strafjustizzentrum, von der Nymphenburger Straße zum Leonrodplatz.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.