Große Pläne für Theresienwiese und Grünwalder Stadion: So hat München die Olympia-Bewerbung überarbeitet

Nun beginnt die heiße Phase der Münchner Bewerbung für die Olympischen Spiele des Jahres 2036, 2040 oder 2044. Die Stadt hat dafür ihr Bewerbungskonzept noch einmal überarbeitet. Der Zeitrahmen ist sportlich: Nächste Woche entscheidet der Stadtrat über die neue 70 Seiten starke Vorlage, bis zum 1. Juni muss die Stadt ihr Konzept einreichen und einen Fragenkatalog beantworten. Im Juli und August schaut sich eine Fachkommission alle Bewerbungskonzepte an und gibt eine Empfehlung ab. Am 26. September, also mitten zur Wiesnzeit, fällt dann der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) die endgültige, davon unabhängige Entscheidung.
Münchner Olympia-Bewerbung: Jetzt beginnt die heiße Phase
Er hoffe also darauf, dem Ministerpräsidenten Markus Söder zur Wiesn nicht nur die erste Maß zu überreichen, „sondern, dass wir auch auf den Zuschlag anstoßen“, so OB Dominik Krause (Grüne) am Freitag im Rathaus.

Hört man ihm, seinem Sportreferenten Florian Kraus und Michael Asbeck, dem Koordinator der Münchner Olympiabewerbung zu, so kann es eigentlich gar keine andere Entscheidung geben, als dass München den Zuschlag bekommt. „Unsere Bewerbung hat auf internationaler Ebene die größte Chance“, sagt Krause selbstbewusst.
Dafür wurde die Bewerbung noch einmal stark überarbeitet. Zum einen das Sportstättenkonzept, wo es vor allem darum geht, den sogenannten „One-Village-Gedanken“ zu berücksichtigen, also dass die Athleten möglichst kurze Reisezeiten haben zwischen dem Olympischen Dorf und den Sportstätten.
Fußball im Grünwalder Stadion
Neu soll darum auch im Grünwalder Stadion Fußball gespielt werden – bisher war nur Rugby vorgesehen. Und auch das Olympiastadion wird laut Asbeck gerade auf seine Fußballtauglichkeit hin überprüft. Die Fußball-Finals sollen in der Allianz Arena ausgerichtet werden. Damit das funktioniert, sind die Rugby-Spiele sowohl in der Arena als auch im Grünwalder geplant.

Die Stadt hat auch noch mal angepasst, welche sogenannten Ergänzungssportarten gezeigt werden sollen. Breakdance, Parcours und Mountainbike-Downhill sind rausgeflogen (alle drei sind nicht olympisch), neu dazu kamen Baseball, Softball, Cricket, Flag Football, Lacrosse und Squash. Die seien alle in Los Angeles 2028 im Programm und für Brisbane 2032 im Gespräch, so Asbeck. Das bedeutet auch: Die Stadt plant eine Cricket-Anlage in Riem, die nach den Spielen auch in verkleinerter Form erhalten bleiben soll.
Ideen für die Theresienwiese
Baseball und Softball sollen im Olympiapark gespielt werden, dafür soll die temporäre Halle für Volleyball an der Messe gebaut werden. Auch interessant: Squash ist in der Paketposthalle vorgesehen. Vor allem wegen der neuen Sportarten rechnet die Stadt aktuell mit 12,5 Millionen Zuschauern.
Auch für die Theresienwiese gibt es neue Ideen: Das Oktoberfest soll auch im Olympiajahr regulär stattfinden. Das Sportreferat könnte sich vorstellen, das „Volunteer Center“ für die freiwilligen Helfer (zwischen 40 und 50.000 sogenannte Volunteers) in den Wiesnzelten unterzubringen. „Dadurch unterbricht man den Aufbau nur kurz und kann ihn danach fortsetzen, um die Wiesn herzustellen“, so Asbeck zu der Idee.

Eine „olympische Wiesn“ anstatt der Oidn Wiesn soll außerdem „das Lebensgefühl und die Lebendigkeit des Oktoberfestes schon während der Spiele sichtbar und spürbar“ machen, heißt es in der neuen Stadtratsvorlage. Ein temporäres Beachvolleyball-Stadion für 15.000 Zuschauer soll auch auf der Wiesn aufgebaut werden.
Gelöst ist der Konflikt mit dem FC Teutonia (AZ berichtete), der um seine Plätze fürchten musste. Man könne den Verein „aus dieser Sorge entlassen“, sagte Asbeck zum neuen Konzept. Auf dessen Platz hatte die Stadt Skateboard, Basketball und BMX vorgesehen, das ist nun nicht mehr geplant.
Kosten: knapp unter fünf Milliarden Euro
Das alles kostet natürlich auch Geld. Das Sportreferat rechnet aktuell mit einem Event-Budget von „knapp unter fünf Milliarden für die Olympischen und Paralympischen Spiele selbst“, sagt Asbeck. Es sei aber „die schöne Erkenntnis“ früherer Spiele, dass die Erträge so hoch sind, dass dieses Geld auch wieder reinkommt, es „eventuell sogar einen kleinen Überschuss gibt“, so Asbeck. Die ganzen Infrastrukturprojekte seien aber nicht mit dabei, das müsste erst noch ausgehandelt werden mit Bund, Ländern und dem DOSB.

Aktuell rechnet die Stadt dafür mit Kosten von rund 18 Milliarden Euro – in erster Linie für Projekte im Wohnungsbau und dem öffentlichen Personennahverkehr.
Um mit der Münchner Bewerbung beim DOSB zu punkten, hat die Stadt sogenannte „Powerprojekte“ definiert. Diese sollen die Einzigartigkeit der Bewerbung zeigen und als sogenannte Querschnittsprojekte alle Elemente verbinden - also den Sport, die Infrastruktur, etc. Das hat die Stadt gemeinsam mit „MCube“ erarbeitet.
München soll erste "zirkuläre Spiele" ausrichten
Die Münchner Spiele sollen die ersten „zirkulären Spiele“ werden. Das ist ein Begriff aus der Nachhaltigkeit, der bedeutet dass jegliche Materialien und Rohstoffe, die für die Spiele verbraucht werden, wieder nutzbar gemacht, also in den Kreislauf zurückgegeben werden. Von den Spielen als „Katalysator“ in dem Bereich spricht Sportreferent Florian Kraus.
Das zweite „Powerprojekt“ ist Autonomes Fahren. Es sollen die ersten Spiele mit autonomer Mobilität sein, die in den Alltag integriert ist. Shuttles und Rikschas sollen autonom im öffentlichen Raum unterwegs sein und zentrale Orte verbinden.
All das soll der Stadt insgesamt einen Schub geben, von einem „25 Jahre Booster-Vorteil mit Olympischen Spielen“ spricht Sportreferent Florian Kraus. Das habe die Studie von „MCube“ zu den Spielen gezeigt. Oder wie es der Bewerbungschef Michael Asbeck sagt: „Für München heißt die beste Chance Olympia“.
Ob das auch der Stadtrat so sieht, entscheidet sich am 20. Mai. Dann ist München wieder im Wettbewerb mit Berlin, Hamburg und Köln um die Austragung, entweder im Jahr 2036, 2040 oder 2044.