Große Hunde, große Angst - Leinenzwang für Wolfshund

Irische Wolfshunde erreichen eine Schulterhöhe von einem Meter. So wie Paris. Das Prachtexemplar von Rassehund soll im Paul-Diehl-Park gemeinsam mit Artgenosse Adonis andere Hunde gebissen und einen Rollstuhlfahrer angeknurrt haben. Der Prozess.
| John Schneider
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Irische Wolfshunde werden richtig groß: Martha R. mit Adonis und Paris.
privat Irische Wolfshunde werden richtig groß: Martha R. mit Adonis und Paris.

München Adonis und Paris sind zwei Prachtexemplare der größten Hunderasse der Welt. Dass die Irischen Wolfshunde mit 90 beziehungsweise 100 Zentimetern Schulterhöhe auch Angstgefühle auslösen können – keine Überraschung. Die beiden riesigen Windhunde sehen aber nicht nur respekteinflößend aus, sie sollen im Paul-Diehl-Park auch richtig zugebissen haben.

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Drei Vorfälle mit den Hunden wurden allein im Jahr 2013 angezeigt. Einer der beiden Wolfshunde soll im Februar einem Berner Sennenhund im Genick gepackt und durch die Luft geschleudert haben. Ein Deutscher Langhaar weiß seit dem 25. März 2013 wie sich die Zähne eines Irischen Wolfshundes anfühlen.

Im Juli 2013 soll ein Mensch attackiert worden sein. Eine Zeugin zeigte den Hundehalter Peter R. (Namen geändert) an, weil Adonis und Paris einen Rollstuhlfahrer „wie verrückt“ attackiert und angeknurrt hätten. Der Hundehalter habe nur gelacht. „Das wird bestritten“, sagt Peter R. Er wüsste nichts von einem Rollstuhlfahrer. Stattdessen sieht er sich als Opfer einer Art Verschwörung. Da hätten sich Leute zusammen getan, um die Hunde aus dem Park zu vertreiben, glaubt er.

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Im Januar wurde dann ein Hovawart von Adonis und Paris gebissen. Das KVR reagierte und erließ im April einen Leinenzwang. Bei Androhung von 500 Euro Zwangsgeld müssen beide Hunde angeleint werden. Bei übersichtlichem Gelände darf einer frei laufen.

Es vergingen gerade einmal elf Tage, da wurde offenbar gegen diesen Bescheid verstoßen. Eine Zeugin hatte die beiden Hunde unangeleint gesehen. Fotos dokumentieren das. Das KVR schickte eine Rechnung von 1000 Euro. Peter R. klagte. Sowohl gegen den Leinenzwang als auch gegen das Zwangsgeld. Die Hunde bräuchten Bewegung für ihre Entwicklung argumentiert er. Leinenzwang? „Da kann ich sie ja gleich erschießen.“

Um das Gericht von der Gutmütigkeit der Riesenhunde zu überzeugen, berichtete seine Frau, dass sie mal im Englischen Garten mit einem Messer bedroht wurde. Adonis habe nichts gemacht, sei dann von einem Messerstich sogar noch schwer verletzt worden.

Verwaltungsrichter Tobias Knie machte den Hundehaltern dennoch klar, dass abgesehen von den gut dokumentierten Beißattacken allein schon das Angstgefühl, dass ein Hund bei einem Menschen auslöst, für einen Leinenzwang ausreicht. Bei der schieren Größe der Wolfshunde ist diese Schwelle schnell erreicht. Er empfahl, in gut einem Jahr mit einen erneuten Antrag zu versuchen, den Bescheid aufhebenzulassen – unterstützt von einem aktuellen Gutachten über das freundliche Wesen der Tiere.

Auf dieser Grundlage kam’s dann zum Kompromiss: Das KVR halbiert das Zwangsgeld, Peter R. zieht beide Klagen zurück.

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