Greenpeace-Aktivisten auf Siemens-Dach: Polizei räumt Areal

Ein unruhiger Mittwoch am Rande der Hauptversammlung von Siemens hatte sich bereits angekündigt, nun haben Greenpeace-Aktivisten bereits am Dienstag das Dach der Münchner Zentrale gestürmt.
| AZ/dpa
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung protestiert die Umweltorganisation Greenpeace gegen den Beitrag des Industriekonzerns für ein riesiges Kohlebergwerksprojekt des Adani-Konzerns in Australien.
Peter Kneffel/dpa 4 Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung protestiert die Umweltorganisation Greenpeace gegen den Beitrag des Industriekonzerns für ein riesiges Kohlebergwerksprojekt des Adani-Konzerns in Australien.
Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.
Peter Kneffel/dpa 4 Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.
Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.
Peter Kneffel/dpa 4 Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.
Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.
Peter Kneffel/dpa 4 Einen Tag vor der Siemens-Hauptversammlung haben Aktivisten von Greenpeace am Dienstag das Dach der Konzernzentrale in München besetzt.

Ein unruhiger Mittwoch am Rande der Hauptversammlung von Siemens hatte sich bereits angekündigt, nun haben Greenpeace-Aktivisten bereits am Dienstag das Dach der Münchner Zentrale gestürmt.

München - Der Anruf der Konzern-Sicherheit der Firma Siemens bei der Einsatzzentrale der Polizei ging gegen 14 Uhr ein: Ein verdächtiges Fahrzeug befinde sich an einem Bürogebäude.

Auf dem Dach der Siemens-Zentrale in der Jägerstraße/Ecke Werner-von-Siemens-Straße versammelten sich Umwelt-Aktivisten mit Transparenten, um im Streit um die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein riesiges Kohlebergwerk des indischen Konzerns Adani in Australien Stellung zu beziehen.

Nach Angaben der Polizei waren die Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace mit einem ausrangierten Feuerwehrfahrzeug vorgefahren und mit Hilfe einer Drehleiter auf das Dach des Gebäude gelangt. Wie die Polizei am späten Abend weiter mitteilte, seilte sich ein Trio von dort ab und entrollte ein Transparent mit der Aufschrift "Buschbrände beginnen hier".

Umwelt-Aktivisten wollen auf Siemens-Dach übernachten

Weitere Aktivisten gelangten auf das terrassenförmige Flachdach des Bürokomplexes - von dort aus versuchte die Gruppe das Gebäudeinnere zu betreten - dies verhinderten Mitarbeiter der Siemens-Konzern-Sicherheit und die ersten eintreffenden Streifen der Münchner Polizei.

Bis zum Abend  hielten sich noch etwa 40 Personen auf dem Dach der Siemens-Hauptverwaltung auf: Sie waren mit Zelten ausgestattet, wollten offensichtlich die Nacht dort oben verbringen. Die Personen weigerten sich in der Folge, das Gebäudedach zu verlassen und gaben an, dort im Rahmen der Aktion auch übernachten zu wollen.

Siemens-Zentrale: Polizei räumt das Dach gegen 20.20 Uhr 

Etwa gegen 19.40 Uhr entschlossen sich elf Aktivisten dennoch freiwillig die Dachfläche zu verlassen und wurden durch Einsatzkräfte in das Gebäude begleitet. "In den weiter durchgeführten Gesprächen mit der Münchner Polizei wurden durch die Aktivisten alle Angebote zur Lösung der Situation abgelehnt", hieß es in der Mitteilung der Polizei.

Gegen 20.20 Uhr räumten Spezialeinheiten und weitere Einsatzkräfte das Dach, dabei wurden die verbleibenden Aktivisten vom Dach ins Innere des Gebäudes getragen und "nach erfolgter Identitätsfeststellung im Polizeipräsidium" wieder entlassen.

Die letzten Personen, dabei handelte es sich um drei Aktivisten, die an Kletterseilen an der Fassade hingen, sollten auf eigenen Wunsch mit Hilfe einer Hubbühne der Berufsfeuerwehr München geborgen werden. Als die Berufsfeuerwehr gegen 22.45 Uhr zwei der drei Personen geborgen hatte, seilte sich die dritte Person eigeninitiativ zehn Meter ab und beendete anschließend ihre Aktion selbständig.

Greenpeace: Gesprächsangebot von Siemens-Chef angenommen

Wie Greenpeace per Twitter mitteilte, soll Siemens-Chef Joe Kaeser den Aktivisten ein Gesprächsangebot gemacht haben - das nahmen die Aktivisten demnach an. Dann aber erfolgte nach ihren Angaben die Räumung des Daches. 

"Der Riesenkonzern verspricht nachhaltiges Handeln, hat aber weiterhin Verträge wie die mit der Adani-Kohlemine in Australien", begründete Greenpeace in einem entsprechenden Tweet seine Aktion. Die Polizei war bereits am Nachmittag mit einem größeren Aufgebot vor Ort, "um die Situation zu bereinigen", wie es hieß. Zwischenzeitlich kreisten auch Hubschrauber über dem Areal. "In der Spitze" waren laut Polizei rund 150 Einsatzkräfte vor Ort.

Die Lage sei trotz der Räumung "ruhig und friedlich" gewesen, eine "öffentliche Beeinträchtigung" habe es nicht gegeben. Die Münchner Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung. Die Räumung sei insgesamt friedlich verlaufen, nach gegenwärtigem Kenntnisstand seien keine Einsatzkräfte und keine Aktivisten verletzt worden.

Siemens-Hauptversammlung am Mittwoch wird ungemütlich

Die Siemens-Hauptversammlung am Mittwoch könnte die letzte von Konzernchef Joe Kaeser sein. Zum Aktionärstreffen an diesem Mittwoch in München planen Aktivisten verschiedener Gruppierungen Proteste vor und in der Hauptversammlung. Auch von Investoren dürfte es Kritik geben. Der Streit um das Adani-Kohlebergwerk in Australien überschattet die Hauptversammlung.

Zum Jahresende läuft Kaesers Vertrag als Vorstandsvorsitzender aus. Aktivisten von "Fridays for Future" haben Proteste vor der Olympiahalle, in der die Hauptversammlung traditionell stattfindet, angemeldet. Wie viele Demonstranten kommen, sei schwer einzuschätzen, sagte ein Sprecher.

Vor der Olympiahalle: Groß-Demonstration gegen Siemens 

Unterstützt wird die Demonstration unter anderem von Greenpeace, dem Bund Naturschutz, der Umweltbewegung "Extinction Rebellion" und von Campact. "Mit Sicherheit wird das sehr voll, weil ja auch viele dazu aufrufen", sagt eine Greenpeace-Sprecherin. Campact hat rund 18.000 Menschen aus dem Großraum München angeschrieben und zur Teilnahme aufgefordert, rechnet aber damit, dass von den Angeschriebenen nur eine kleine Zahl Zeit für die Aktion finden wird.

Bei Siemens heißt es, es handle sich um eine normale Hauptversammlung. Der Konzern sei sich aber bewusst, dass es wohl größere Proteste als sonst geben werde. "Wir richten die Sicherheitsanforderungen daran aus", sagte ein Sprecher. Er betont aber auch, dass die Proteste, die es bisher gegeben habe, gewaltfrei und friedlich gewesen seien.

Im Inneren der Olympiahalle wird sich Kaeser ebenfalls Kritik anhören müssen. Alleine mit den Stimmrechten der Vereinigung der kritischen Aktionäre will ein Dutzend Redner ans Mikrofon treten - darunter eine Vertreterin der vom Adani-Projekt betroffenen Ureinwohner Australiens. Zudem gibt es mehrere Anträge von Einzelaktionären, die sich gegen eine Entlastung des Vorstands, des Aufsichtsrats oder von Kaeser als Vorstandsvorsitzendem aussprechen. Sie dürften allerdings keine Aussicht auf Erfolg haben. Auch von institutionellen Investoren dürfte es aber negative Töne geben.

"Fall Adani war ein kommunikatives Desaster für Siemens"

So sagte Vera Diehl von Union Investment: "Der Fall Adani war ein kommunikatives Desaster für Siemens." Diehl positioniert sich auch klar für ein Ende von Kaesers Zeit bei Siemens: "Momentan spricht aus unserer Sicht wenig dafür, dass Herr Kaeser eine weitere Vertragsverlängerung als Vorstandschef bekommt oder einmal den Aufsichtsratsvorsitz übernimmt."

Ingo Speich von Deka Investment sagt, man sei "an einer geordneten Nachfolgeregelung interessiert", die keine weitere Amtszeit von Kaeser vorsehe. Dabei hat Kaeser solide Zahlen vorgelegt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hatte Siemens der schwächelnden Weltkonjunktur getrotzt und Umsatz sowie operatives Ergebnis gesteigert.

Lesen Sie auch: <strong>Siemens stellt sich Fragen der Aktionäre</strong>

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren