Gesundheitsreferentin Jacobs: Die Krise hinterlässt ihre Spuren

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) erzählt in der AZ, wie Corona beruflich und privat ihr Leben enorm verändert hat.
| Protokoll: Emily Engels
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Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.
RGU Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.

München - Mein Arbeitstag als - derzeit hauptsächlich - Gesundheitsreferentin der Stadt München beginnt meistens gegen 7.30 Uhr. Dann bespreche ich mit meinem engsten Team, zirka elf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, auf dem Weg ins Büro telefonisch, was an dem Tag ansteht und wie sich der aktuelle Stand des Coronainfektionsgeschehens darstellt.

Unsere "oberste Infektionsschützerin" aus dem Gesundheitsamt liefert schon morgens eine Einschätzung zu den aktuellsten Corona-Zahlen und zur aktuellen Lage in München.

Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs.
Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs. © RGU

Stephanie Jacobs: "Inzwischen sind die nötigen Strukturen geschaffen"

Im Anschluss folgen weitere Besprechungen – etwa im Stab des Oberbürgermeisters für außergewöhnliche Ereignisse, der jeden Tag am Vormittag zusammenkommt.

Vorher gibt es, ebenfalls täglich, mit den rund 50 Krankenhäusern der Stadt eine Telefonkonferenz, um auch die Lage in den Kliniken abzugleichen und Handlungsbedarfe schnellstmöglich zu erkennen und gegenzusteuern.

Seit der Katastrophenfall ausgerufen wurde, ist auch die Führungsgruppe Katastrophenschutz mit den ärztlichen Leitern und dem Versorgungsarzt in unserem Krisenmanagement involviert. In den ersten Wochen lag der Schwerpunkt meiner Arbeit vor allem darin, die nötigen Strukturen für die Bewältigung der Krise zu schaffen.

Zum Beispiel: Kontaktpersonenermittlerteams, Testzentren, Institutionalisierung von Austauschplattformen und Gremien mit den wichtigen Partnern, wie die in München niedergelassene Ärzteschaft, die Kassenärztliche Vereinigung, die Münchner Kliniken und die Landkreise mit ihren Gesundheitsämtern aus dem Umland. Inzwischen sind diese Strukturen geschaffen und weitgehend eingespielt.

"Dass irgendwann die Pandemie kommen würde, war mir klar"

Jetzt geht es darum, diese Strukturen weiter auszubauen, zu optimieren und an die Dynamik der Entwicklung anzupassen. Besonders werden wir die Ermittlerteams im Gesundheitsamt weiter verstärken und die Betreuung der uns bekannten an Covid-19 Erkrankten in häuslicher Quarantäne weiter ausbauen.

Dass irgendwann eine Pandemie kommen würde, war mir als jemand, der schon länger im öffentlichen Gesundheitswesen tätig ist, irgendwo schon immer klar – nur nicht, dass sie in dieser Form und mit solchen Auswirkungen kommen würde. Krisenerprobt war ich schon vor Corona.

Bevor ich 2015 Gesundheitsreferentin wurde, war ich seit 2005 im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz beschäftigt. In dieser Zeit durfte ich unter anderem an der Bewältigung der Vogelgrippe und später der Schweinegrippe mitwirken und war an der Erstellung der Pandemiepläne beteiligt. Meine Arbeit mit den mir auch persönlich sehr wichtigen Bereichen Umwelt und Gesundheit mache ich sehr gerne. Auch wenn sie eigentlich immer – und aktuell besonders – durch die Fülle an Themen und Vielzahl der Aufgaben zeitintensiv ist.

Unmittelbar vor der Coronakrise lag der Schwerpunkt zuletzt eher bei den Umweltthemen, hier vor allem beim Klimaschutz, der Erarbeitung einer Biodiversitätsstrategie, der Luftreinhaltung und der Frage, wie unser Leben in der Stadt ganz generell nachhaltiger gestaltet werden kann.

"Wann wieder Normalität einkehrt, ist schwer zu sagen"

Seit Ausbruch des Coronavirus rund um die Firma Webasto Ende Januar liegt mein Fokus natürlich vor allem auf der bestmöglichen Bewältigung der Coronakrise.

Ganz persönlich hinterlässt die aktuelle Situation, wie bei jedem anderen auch, ihre Spuren. In den wenigen Stunden mit Freizeit erkunde ich derzeit mit meinen beiden Söhnen, sechs und acht Jahre alt, das unmittelbar vor unserer Haustür liegende wunderschöne Würmtal ganz neu.

Wenn wir die Krise weitgehend überwunden haben, werde ich mich auf jeden Fall bei all meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken, die eine so tolle Arbeit leisten und alle mit vollem Einsatz und Engagement dabei sind. Es ist wirklich schön, zu sehen, wie alle an einem Strang ziehen und so eine Krise auch zusammenschweißt. Ob ich mich in Form einer Feier bedanken werde oder auf eine andere Art und Weise, muss man sehen. Denn: Wann wirklich wieder Normalität einkehrt und was dann erlaubt sein wird, ist derzeit schwer zu sagen.

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