Geschäftsführer Max Wagner spricht über den Wiederbeginn des Konzertbetriebs

Der Geschäftsführer des Gasteig würde die Philharmonie mit einem Hygienekonzept wieder aufmachen. Auch bei der Sanierung bleibt er optimistisch
| Robert Braunmüller
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Max Wagner auf dem Dach des Gasteig.
Stefan M. Prager Max Wagner auf dem Dach des Gasteig.

Der Geschäftsführer des Gasteig würde die Philharmonie mit einem Hygienekonzept wieder aufmachen. Auch bei der Sanierung bleibt er optimistisch.

München - Die Deutsche Konzerthauskonferenz, in der neben der Elbphilharmonie, dem Leipziger Gewandhaus und der Berliner Philharmonie auch der Gasteig vertreten ist, fordert in einem "Offenen Brief" an Kulturstaatsministerin Grütters eine baldige Öffnung ihrer Säle. Mit Abstandsregelungen und Hygienekonzepten sei ein eingeschränkter Betrieb sehr wohl möglich. Sonst drohe eine nachhaltige wirtschaftliche Schädigung der vielen Dienstleister in der gesamten Konzertbranche.

AZ: Herr Wagner, vor zwei Wochen wurden Großveranstaltungen bis Ende August verboten. Hat Ihnen die Politik mittlerweile den Unterschied zwischen einer Veranstaltung und einer Großveranstaltung erklärt?
MAX WAGNER: Das weiß leider niemand. Diese Unklarheit war auch einer der Gründe unseres Briefs an Monika Grütters. Außerdem wollten wir in der Coronakrise an die Bedeutung der Kultur erinnern. Bisher wurde seitens der Politik wenig gesagt. Außerdem müssen wir irgendwann auch über Absagen entscheiden. Eine klare zeitliche Perspektive ist nicht nur wichtig für uns, sondern auch für die privaten Veranstalter.

Rechnen Sie noch mit Konzerten vor der Sommerpause?
Ich hoffe, dass sich die Ministerpräsidenten nach ihrer heutigen Beratung zu den kulturellen Veranstaltungen äußern. Für uns war es wichtig, durch den Brief ein Signal zu setzen, dass wir auch noch da sind. Parallel dazu arbeiten wir seit längerem an einem Hygienekonzept für die Philharmonie.

Wie kann das aussehen?
Es wird nicht von heute auf morgen einen Vollbetrieb geben. Wir sind mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt im Gespräch. Auch der Arbeitsschutz spielt eine wichtige Rolle. Es gibt Gespräche mit den privaten Veranstaltern, um Kammerkonzerte, die in anderen Sälen geplant waren, in den Gasteig zu verlegen.

Wagner: 600 Zuschauer wären kein Problem

Wie müsste man sich ein Konzert unter den aktuellen Bedingungen vorstellen?
Ich möchte ungern vorpreschen und die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Referat für Gesundheit und Umwelt beeinträchtigen. So viel kann ich sagen: Manche oft kritisierten Eigenschaften der Philharmonie erweisen sich als Vorteil, etwa die große Bühne und das große Volumen des Saals. Außerdem ist der Zuschauerraum sehr günstig in unabhängige Blöcke mit getrennten Zugängen gegliedert. Bei maximal 600 Zuschauern könnte der Abstand von 1,5 Metern problemlos eingehalten werden. Außerdem haben wir eine sehr gute Lüftungsanlage.

Und auf der Bühne?
Hier könnten zum Beispiel für die Bläser Plexiglaswände zur Abschirmung eingesetzt werden, die manche Orchester schon jetzt zum Schutz vor übergroßem Schalldruck verwenden. Die Münchner Philharmoniker haben dazu einen Plan vorgelegt. Das auch im Fernsehen übertragene Europakonzert der Berliner Philharmoniker am 1. Mai in Berlin wird beispielhaft zeigen, wie so etwas aussehen könnte.

Sind Sie sicher, dass überhaupt Leute kommen würden?
Die Musiker der Philharmoniker telefonieren derzeit mit ihren Abonnenten. Die Reaktionen sind geteilt. Manche Leute sind vorsichtig, andere würden sofort kommen. Ich würde unbedingt ein solches besonderes Konzert erleben wollen, allein um zu sagen: „Ich war dabei!“. Außerdem würde mich interessieren, wie unter diesen Bedingungen das Zusammenspiel der Musiker funktioniert. Die Philharmoniker könnten ihre Konzerte auch mehrmals wiederholen. Und ich denke: Es geht auch um ein kulturpolitisches Signal.

Gasteig-Sanierung: Wagner ist optimistisch

Im Etat des neuen Stadtkämmerers Christoph Frey ist zwar das Gasteig-Interim eingeplant, nicht aber die Sanierung. Droht da Gefahr angesichts sinkender Einnahmen?
Ich bin eher erleichtert, dass der Stadtkämmerer die Bedeutung des Interims so hoch einschätzt wie wir. Es ist ein Erfolg, dass das nicht infrage gestellt wird. Natürlich wird die Generalsanierung schwierig werden. Aber der Gasteig wird als Bauvorhaben in der grünroten Koalitionsvereinbarung explizit genannt, einschließlich Bibliothek und Volkshochschule.

Trotzdem müssen jetzt sicher alle städtischen Projekte auf den Prüfstand.
Wir sind im Endspurt der Vorplanung für die Generalsanierung. Gleichzeitig überlegen wir Sparvarianten. Mich würde freuen, wenn nicht gleich Tabula rasa gemacht würde. Es wäre auch schade um das viele Geld, das bereits geflossen ist. Ich glaube: Es wird nicht leicht für uns. Aber wir werden trotzdem im Schulterschluss mit dem Kulturreferat am Ende ein gutes Ergebnis bekommen.

Sie bleiben ein unerschütterlicher Optimist.
Aber ich gestehe, dass die Situation schizophren ist. Auf der Baustelle des Interims wurde das Dach der Trafohalle neu gedeckt, unsere Planungsabteilung arbeitet auf Hochtouren. Gleichzeitig ist das Veranstaltungsmanagement des Gasteig in Kurzarbeit.  

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