Gerichtsprozess: Notdurft verrät Panzerk(n)acker

Weil der Bandenchef sich erleichtert, erleichtert er den Ermittlern die Arbeit. Am Dienstag begann der Prozess gegen das Einbrecher-Trio.
| John Schneider
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Viel Betrieb auf der Anklagebank: Die sechsköpfige Einbrecherbande mit ihren Anwälten.
jot Viel Betrieb auf der Anklagebank: Die sechsköpfige Einbrecherbande mit ihren Anwälten.

München - Was so eine Notdurft alles anrichten kann, hat jetzt eine Einbrecherbande erfahren müssen. Ein unüberlegt abgelegter Haufen brachte die Polizei auf die Spur der Bande. Das kam so: Der mutmaßliche Bandenchef Edvin D. (40), der laut Anklage im Juni 2015 mit einem Komplizen aus einem Hotel in Rottach-Egern einen Tresor gestohlen haben soll, verspürte nach vollbrachter Tat ein dringendes Bedürfnis. So dringend, dass er sich in der Nähe des Tresors auf der Wiese erleichterte.

DNA-Spur brachte Treffer im Zentralregister der Polizei

Keine gute Idee. Denn die Polizei hatte nun eine brauchbare DNA-Spur, die tatsächlich beim Abgleich mit dem Zentralregister einen Treffer ergab. Seit Dienstag sitzen der so identifizierte Bandenchef und seine fünf Komplizen auf der Anklagebank.

Die Anklage: Die sechs Panzerk(n)acker sollen im Großraum München und in Baden-Württemberg von Dezember 2012 bis Oktober 2015 immer wieder in Hotels und Gaststätten eingebrochen sein. Die fünf Männer und eine Frau im Alter zwischen 35 und 55 Jahren hatten es bei insgesamt 24 Einbrüchen vor allem auf Tresore abgesehen – und sollen so ungefähr 170.000 Euro Beute gemacht haben.

Typisch ihr Vorgehen bei einem anderen Hotel am Tegernsee: Zwei Bandenmitglieder hebeln ein Fenster auf, um ins Gebäude einzudringen. Auch die Tür zum Büro wird aufgehebelt. Die Einbrecher holen dann den Tresor raus und schleppen ihn an einen unbeobachteten Ort im Freien. Dort wird der Tresor aufgebrochen. Die Beute war in diesem Fall allerdings eher mager: Bargeld und Schmuck im Wert von 1.000 Euro. Schlimmer erwischte es da einen Münchner Wiesn-Wirt. Zwar fiel die Beute beim Einbruch in sein Geschäft noch geringer aus (20 Euro), aber die Panzerknacker hinterließen an Tür und Tresor einen Schaden von 20.000 Euro.

Bei Paulaner: Arbeiter von 80 Grad heißer Lauge verätzt

Der Prozess begann gestern eine halbe Stunde verspätet, weil einer der Prozessbeteiligten im morgendlichen Verkehrschaos geblieben war. Verteidiger Michael Weiss reichte zu Beginn einen Antrag auf Aussetzung des Prozesses ein. Dieser Antrag wurde vom Vorsitzenden Richter Thomas Bott aber zunächst zurückgestellt. Weiss kritisiert, dass er noch keine vollständige Akteneinsicht bekommen habe, und wollte mehr Zeit zur Vorbereitung.

Seinem Mandanten Lazar D, (45) wird noch zusätzlich vorgeworfen, in einem Telefonat am 30. Oktober 2015 seine Schwester aufgefordert zu haben, seine Ehefrau und deren Familie „erledigen“ zu lassen. Die Schwester soll ihm tatsächlich versprochen haben, sich nach den Kosten für einen solchen Auftrag zu erkundigen. Für die Staatsanwaltschaft ist das der Versuch zur Anstiftung zu einem Verbrechen. Ihm und den anderen Angeklagten wird zudem schwerer Bandendiebstahl vorgeworfen. Die angeklagte Frau sei an der Planung der Einbrüche beteiligt gewesen und habe einen Anteil an der Beute bekommen.

Weder die Angeklagten noch ihre Verteidiger haben sich bisher zu dem Fall geäußert. Nach bisheriger Planung soll am 10. Februar ein Urteil gefällt werden.

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