Gericht: Kinderschänder Shanti wird verhüllt!
MÜNCHEN - Weil eine Zeugin den Anblick des mutmaßlichen Sex-Täters nicht erträgt, wurde der Glaskasten während der Vernehmung mit Spanplatten verdeckt. Oliver Shanti soll die Frau als Kind missbraucht haben.
Lange Umbaupausen prägten den zweiten Tag im Prozess gegen Oliver Shant. Spanplatten sollten verhindern, dass ein Opfer des Guru ihren Peiniger während ihrer Zeugenaussage ansehen muss. Carmen Hapke, Anwältin der auch als Nebenklägerin auftretenden Frau, hatte beantragt, die Öffentlichkeit und den Angeklagten bei der Vernehmung der 33-jährigen Portugiesin auszuschließen.
Der Münchner Shanti ist des Kindesmissbrauchs in 314 Fällen an sechs Kindern angeklagt, die auf seiner portugiesischen Finca gelebt hatten. Er soll sich von 1985 bis 1998 regelmäßig an den Kindern der Kommune vergangen haben. Der Angeklagte hatte zum Prozessauftakt die Vorwürfe bestritten. Er habe niemals Kinder missbraucht. Sexuelle Kontakte mit drei Opfern räumte er zwar ein, die betreffenden Buben seien damals aber schon 17 Jahre alt gewesen. Mit weiblichen Wesen aber habe er in seinem ganzen Leben nie etwas gehabt.
Die erste Zeugin weiß da anderes zu berichten, hatte aber panische Angst Shanti gegenüber zu stehen. Sie fürchtete sogar einen Nervenzusammenbruch. Das Attest eines Regensburger Psychologen und eine Untersuchung durch den Landgerichtsarzt bestätigten, dass eine Konfrontation mit dem Angeklagten bei der Frau zu einer Starre und tagelanger Sprachlosigkeit führen kann. Nicht nur ihre Gesundheit wäre damit gefährdet, sondern auch der Prozess der Wahrheitsfindung.
Der Esoterik-Musiker soll die Zeugin etwa 200 Mal missbraucht haben
Das Gericht beschloss daraufhin einen Kompomiss. Statt Shanti ganz aus dem Saal auszuschließen, und ihm damit das Recht zu nehmen der Aussage (und den Vorwürfen des Opfers) zu folgen, ließ man seine Kabine mit einem Sichtschutz verkleiden. Der Angeklagte konnte gestern so die Zeugenaussage per Video und Lautsprecher verfolgen. Der Vorsitzende Richter Stephan Kirchinger warnte den Angeklagten: „Sie müssen absolut ruhig sein.“ Ansonsten müsste die Kammer über seine Entfernung aus dem Gerichtssaal entscheiden. Die Verteidigung kam mit ihrem Protest gegen diese Vorgehensweise nicht durch.
Die Öffentlichkeit aber wurde ganz ausgeschlossen. Damit soll die Intimsphäre des Opfers geschützt werden. Die 33-jährige Tochter von Shantis Gärtner in Portugal soll vor Gericht im Detail schildern, wie der Sektenguru, von dem sie nach eigenen Angaben „abhängig und hörig“ gewesen war, missbraucht hatte.
Shanti hat sie laut Anklage zwischen ihrem zwölften und vierzehnten Lebensjahr in etwa 200 Fällen missbraucht. Dabei sei es in einem Fall auch zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen. Für die Staatsanwaltschaft ein besonders schwerer Fall des sexuellen Missbrauchs. Shanti sitzt aufgrund einer Infektion mit dem sogenannten MRSA-Keim ohnehin getrennt von den anderen Verfahrensbeteiligten in einer Art Glaskabine. Der Erreger, der verschiedene lebensbedrohliche Krankheiten übertragen kann und resistent gegen Antibiotika ist, wird unter in Kliniken übertragen.
Der Prozess gegen Oliver Shant wird mit den Befragungen weiterer Opfer fortgesetzt.
John Schneider>/b>
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