"GenZ regelt" in München: "Wollen unsere Zukunft zurück"
Seit Wochen gehen in Frankreich Schüler auf die Straße, um für eine bessere Bildung zu kämpfen. Diese Demonstrationen – immer von großen und auch harten Polizeiaufgeboten begleitet – gipfelten in einem Großdemotag am 17. Oktober, bei dem Hunderttausende auf der Straße waren. Neben vielen friedlichen Schülern und Mitdemonstranten waren dabei auch gewaltbereite Linksextreme und die sogenannten "Casseurs", die zerstören und Läden plündern.
Entsprechend groß war die vorsorgliche Angst unter deutschen Politikern, dass solche Demonstrationen auch hier organisiert werden und dass sie auch so enden würden. Aber ist diese Sorge berechtigt?
"GenZ regelt" in München: Demonstration am Samstag, 31. Oktober
"GenZ regelt" heißt die Organisation, die sich die französischen Schülerproteste zum Vorbild nimmt und die zu Demos aufruft für kommenden Samstag, also den 31. Oktober, zu dem gleichzeitig Halloween gefeiert wird. Es soll sich dabei um eine lose Gruppe von etwa 20 bis 30 Jugendlichen handeln, die den Anstoß dafür gegeben haben.

In München arbeitet "GenZ regelt" mit der "Bayerischen Schüler*innenbewegung" zusammen. Die Schüler sind in München schon länger aktivistisch organisiert, in den letzten Jahren sind sie vor allem bekannt geworden durch ihre Forderung, unangekündigte Abfragen und Exen abzuschaffen. Das blieb allerdings bisher erfolglos.
"Wir wollen uns unsere Zukunft zurückholen", sagt nun Steven Sedeh von der "Schüler*innenbewegung" im Gespräch mit der AZ. Der 18-Jährige hat im Juni Abi gemacht, studiert jetzt im ersten Semester und ist auch Sprecher von "GenZ regelt München".
Die Schüler hätten sich mit "GenZ regelt" in Verbindung gesetzt und angeboten, die Demo in München mitzuorganisieren. "Die Forderungen und Vorstellungen haben zu unseren gepasst", sagt Sedeh. "Wir können unsere Erfahrung einbringen, planen die Demo mit und bieten unsere Räumlichkeiten an."
Die Demonstration wird am Samstag um 14 Uhr auf dem Geschwister-Scholl-Platz starten. Laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) wurden 500 bis 1000 Teilnehmer angezeigt.
"Erwarten viel Andrang"
Es könnten aber auch viel mehr werden: Auf der Webseite von "GenZ regelt" kann man mit einem Klick seine Teilnahme ankündigen. Aktuell (Dienstag, 27.10., 15 Uhr) haben das 6860 Menschen gemacht. Ob die auch wirklich am Samstag auftauchen, ist damit natürlich noch nicht sicher. Aber: "Wir erwarten schon, dass es viel Andrang gibt", sagt Sedeh. "Wir freuen uns auf einen großen Protesttag." Es gehe schließlich um Themen, "die bei Jugendlichen total brennen".

Auch die Münchner Polizei bereitet sich auf den Samstag vor: "Die in diesem Zusammenhang in den sozialen Medien verbreiteten Aufrufe und Beiträge sind der Münchner Polizei bekannt und fließen in die polizeiliche Lagebewertung zu diesem Polizeieinsatz ein", sagt ein Sprecher auf AZ-Anfrage. Die Polizei verfolge "die Entwicklungen und Vorfälle im Zusammenhang mit vergleichbaren Versammlungen in anderen Städten und dem europäischen Ausland aufmerksam". Dazu stehe die Polizei auch "in einem engen Informationsaustausch mit anderen Polizeibehörden sowie Sicherheitsbehörden", sagt ein Sprecher. Konkrete Hinweise auf geplante Gewalttaten oder Sachbeschädigungen lägen derzeit aber nicht vor.
"Wird überraschend wenig über Inhalte gesprochen"
Dass im Vorfeld so viel Angst vor Gewaltexzessen geschürt wird, kann Sedeh hingegen nicht verstehen. "Wir finden, dass überraschend wenig über Inhalte gesprochen wird, sondern viel mehr über ein theoretisches Szenario."

"GenZ regelt" fordert mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, ein bezahlbares Leben, dass Kürzungen nicht nur auf dem Rücken der Jungen gemacht werden, keine Wehrpflicht, dass Grundrechte geschützt werden und nicht der Überwachungsapparat weiter ausgebaut wird – und einen konsequenten Klimaschutz.
"Wir haben das Gefühl, dass unsere Zukunft an die Wand gefahren wird mit Kürzungen, es wird gefordert und gefordert", sagt Sedeh. "Da kann man die Frage stellen: Was kriegen wir überhaupt dafür?" – aktuell sehe es so aus, als kriegten sie dafür, "dass wir mit 60 den Hitzetod sterben, wenn wir nicht vorher an der Front gestorben sind", so Sedeh.
Zumindest in Frankreich hat sich gezeigt, dass die wochenlangen Schülerdemonstrationen bei der Regierung nun doch auf offene Ohren gestoßen sind: Sie hat Bildungsreformen angekündigt und unter anderem versprochen, mehr Lehrer einzustellen und zusätzliche Milliarden in Schulen und Universitäten zu investieren.
"Das ist das Schöne an energischem, friedlichen Protest: Irgendwann lässt er sich nicht mehr wegignorieren und die Politik muss handeln", sagt Sedeh dazu. "Die Erwachsenenwelt ist auf uns angewiesen, nicht andersherum."
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