Geisterbaustelle in München: Ratten und Fixerspritzen in leerstehenden Wohnungen

Wo Franka Potente lebte: Die Linke fordert, dass die Stadt Chaos und Stillstand bei der Sanierung des Künstlerhauses in der Thalkirchner Straße 80 gründlich prüft.
| Eva von Steinburg
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Tilman Schaich vor dem Künstlerhaus an der Thalkirchner Straße. (Archivbild)
Bernd Wackerbauer 5 Tilman Schaich vor dem Künstlerhaus an der Thalkirchner Straße. (Archivbild)
Eine tote Ratte in einer leeren Wohnung.
privat 5 Eine tote Ratte in einer leeren Wohnung.
Unbewohnbar: Eine Wohnung im Künstlerhaus.
privat 5 Unbewohnbar: Eine Wohnung im Künstlerhaus.
Fixerspritzen liegen im Keller.
privat 5 Fixerspritzen liegen im Keller.
Das Schild weist auf die Ratten im Haus hin.
privat 5 Das Schild weist auf die Ratten im Haus hin.

München - Dieses Haus bekam den Münchner Fassadenpreis: Das war 2004. Doch die neuen Eigentümer haben nach dem ersten Verkauf 2017 sofort den Künstlern gekündigt, die Ateliers im Erdgeschoss und im Keller hatten: Ein Maler, ein Goldschmied und ein Fotograf haben das Künstlerhaus in der Thalkirchner Straße 80 schweren Herzens verlassen.

Einst wohnten hier Kreative, jetzt steht das Haus leer

Damals haben sich hier Kreative getroffen: Schauspielerin Franka Potente hat im Rückgebäude gewohnt, auch Regisseur Hans-Christian Schmid. Die Eigentümer starteten eine holprige Luxussanierung. Es gibt Probleme mit Ratten im Haus und Fixern im Keller, wegen Bauunterbrechungen.

Eine tote Ratte in einer leeren Wohnung.
Eine tote Ratte in einer leeren Wohnung. © privat

Seit zwei Jahren ruht die Baustelle komplett: 13 Wohnungen stehen leer. "Das ist traurig" sagt Dagmar Modrow (43) von der Linken. Der Verdacht: "Die Bäder wurden absichtlich entfernt, die Wohnungen so unbewohnbar gemacht, damit hier kein echter Leerstand und keine Zweckentfremdung vorliegen", vermutet ein Mieter.

Unbewohnbar: Eine Wohnung im Künstlerhaus.
Unbewohnbar: Eine Wohnung im Künstlerhaus. © privat

Die Linkspartei im Bezirksausschuss Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt will nicht in Wut und Machtlosigkeit verharren. "Da rührt sich nichts. Das kann nicht so bleiben. Wir fordern, dass die Wohnungen in einen bewohnbaren Zustand versetzt werden", sagt Dagmar Modrow von der Linken.

Ein Schild an der Kita-Tür warnt vor Ratten im Haus

Im Dezember hat der BA die Forderung der Linken einstimmig befürwortet. Mit der Hoffnung, die Stadt werde die Geisterbaustelle überprüfen und dem Eigentümer Beine machen. "Die Firma ist nicht aus München. Ihr muss klar gemacht werden, dass das so nicht bleiben kann. Im Erdgeschoss ist eine Kita. Auf einem Schild wird vor Ratten gewarnt", sagt Dagmar Modrow. Die Lokalpolitikerin stellt verärgert klar: "Wir sind kein Spekulantenland. München ist unsere Heimat. Wir leben hier!"

Fixerspritzen liegen im Keller.
Fixerspritzen liegen im Keller. © privat

Tilman Schaich, Organisator des Münchner Mieterstammtischs, wohnt im Hinterhaus, dritter Stock: "Früher war das Haus nicht gut in Schuss, jetzt ist es eine Wüste", erklärt der 50-Jährige. Er berichtet von Schimmel und Modergeruch. Auf der zurückgelassenen Baustelle läge Schutt, Kabel hingen herunter. "Man merkt, wie das Haus unter einem wegschimmelt."

Die Spekulationen um das Haus blühen

Eigentümer-Mieter-Gespräche zur Sanierung gibt es keine. So blühen Spekulationen. "Eine davon ist, dass die Hausbesitzer warten, bis der Preis hoch genug ist, um unser Haus weiterzuverkaufen", erklärt ein Mieter. Der Besuch von OB Reiter 2019 hat nichts bewirkt.

Das Schild weist auf die Ratten im Haus hin.
Das Schild weist auf die Ratten im Haus hin. © privat

Die Lokalpolitiker richten nun konkrete Fragen an die Stadtverwaltung: "Wurde der Leerstand in der Thalkirchner Straße über den städtischen Leerstandsmelder angezeigt?" Und: "Welche Maßnahmen hat die Stadt ergriffen, um den Leerstand zu beenden?"

Die übrigen acht Mieter haben im Oktober 2020 mit der Aktion "Wir haben Platz" auf die 13 leerstehenden Wohnungen in dem denkmalgeschützten Künstlerhaus aufmerksam gemacht — "in wunderbarer Wohnlage am Südfriedhof". Schaich: "Super, was die Linkspartei tut. Denn wir sind seit Jahren im Ungewissen. Dieses Gefühl schwingt jeden Tag mit. Es ist besser als Mieter, wenn man weiß, woran man ist."

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