Geheimnis um Joseph Steininger: Plötzlich taucht sein Grabstein in der Isar auf
Wenn durch die Sommerhitze die Flüsse weniger Wasser mit sich führen und teils eher einem Rinnsal denn einem Fluss gleichen, dann fördert die Wasserknappheit so manche Kuriosität ans Tageslicht. So hat beispielsweise vor einigen Tagen das Niedrigwasser im Rhein ein altes Bootswrack freigelegt. In Serbien wurden in der Donau Schiffswracks der deutschen Marine aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt.
Und auch die Isar, die derzeit weniger Wasser führt als sonst, offenbart derzeit das eine oder andere Geheimnis. Zwar wurden bisher keine alten Schiffswracks entdeckt, einen kuriosen Fund gab es aber dennoch. So ist dieser Tage, nur wenige Meter von der Münchner Weideninsel entfernt, plötzlich ein Grabstein aufgetaucht.
Augenzeugen erzählen der AZ, Jugendliche hätten ihn dann Richtung Ufer getragen, wo er nun sehr gut zu sehen ist. Einst zierte er das Grab eines ehemaligen Kaufmanns namens Joseph Steininger, der irgendwann in den 80er-Jahren des 19. Jahrhunderts zur Welt kam und, noch relativ jung, am 10. April 1911 gestorben ist.
Zudem lagen wohl, wenn auch nicht ganz einfach zu entziffern, Vater und Mutter von Joseph Steininger in dem entsprechenden Grab. Wie die obere Inschrift des Steines "Familie H. Härting" vermuten lässt, handelte es sich wohl um ein Familiengrab. Etwa verwittert lassen sich die Namen Heinrich Härting und möglicherweise Judith Steininger erkennen. Auch der Nachname der Mutter ist zu erkennen, so wie das Todesdatum vom Juli 1917.
Grabstein in der Isar – woher kommt er?
Doch wie kam es dazu, dass der Grabstein plötzlich seine letzte Ruhestätte in der Isar fand? Stammt er möglicherweise vom Alten Südfriedhof, der nur 500 Meter Luftlinie von der Fundstelle entfernt liegt? Vielleicht fand der Grabstein vor vielen Jahren bei einer Friedhofsräumung eine neue Aufgabe und wurde als Uferbefestigung an der Isar zweckentfremdet.
Und was nun wohl mit ihm passiert? Dieser Tage wurden zumindest schon Isar-Besucher gesichtet, die auf dem Grabstein saßen und die Beine ins Wasser baumeln ließen.

Die AZ hat beim städtischen Baureferat nachgefragt, bis Redaktionsschluss auf mehrere Anfragen allerdings keine Antwort bekommen. Vielleicht kann diese ja das Geheimnis vom Grabstein in der Isar lüften.
Dass alte Gemäuer von abgerissenen Gebäuden und auch geräumten Friedhöfen in der Isar eine neue Aufgabe finden, ist gar kein Novum.
150 Tonnen Stein der "Neuen Synagoge" als Hochwasserschutz verbaut
Vor drei Jahren, im Juli 2023, wurden insgesamt 150 Tonnen Stein aus dem Innenraum der früheren Münchner Hauptsynagoge aus der Isar geborgen. Viele davon waren mit Rosetten verzierte Schmucksteine und Fragmente von Säulen und Balkonen.
Doch wie landeten die Trümmer der abgerissenen Synagoge in der Isar? Weil in den 50ern die Gefahr bestand, dass das Isarwehr zum Hochwasserschutz an der Großhesseloher Brücke zu schwach sein könnte, hat man 1955 die Wehrmauer flussabwärts mit Steinen der 1938 abgerissenen Münchner "Neuen Synagoge "stabilisiert. Knapp 70 Jahre später tauchten sie wieder auf.
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