"Gault Millau": Gourmet-Lust und -Frust

Am Dienstag erscheint die große Feinschmeckerbibel „Gault Millau“ – und mischt die Münchner Top-Gastronomie tüchtig auf: Nicht immer sind sich die strengen Gourmet-Tester einig.
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Große Freude beim „Aufsteiger des Jahres“: Jakob Stüttgen, Küchenchef der „Terrine“.
Ronald Zimmermann Große Freude beim „Aufsteiger des Jahres“: Jakob Stüttgen, Küchenchef der „Terrine“.

MÜNCHEN - Am Dienstag erscheint die große Feinschmeckerbibel „Gault Millau“ – und mischt die Münchner Top-Gastronomie tüchtig auf: Nicht immer sind sich die strengen Gourmet-Tester einig.

Leichte Katerstimmung beim „Dallmayr“: In der neuesten Ausgabe der roten Feinschmeckerbibel „Gault Millau“ wird das hauseigene Gourmet-Restaurant als „holzgetäfelte Welt gepflegter Langeweile“ beschrieben: „Es muss lange her sein, dass wir für soviel Geld so uninspiriert gegessen haben“, so das harsche Urteil der Tester, die bei den Gerichten mit zig Edelprodukten „Kreativität und jene Prise Leidenschaft“ vermissen, „die für wirklich gute Küche unabdingbar ist“. In der Bewertung wurde das Restaurant „Dallmayr“ von 16 auf 15 Punkte herabgestuft.

Für viele Köche wären auch 15 „Gault-Millau“-Punkte ein (unerreichbarer) Traum, doch „Dallmayr“-Küchenchef Diethard Urbansky spielt in einer anderen Liga - wie die Tester des zweiten großen Gourmetführers befinden: In der neuen Ausgabe des „Guide Michelin“ bekam Urbansky auch heuer wieder zwei begehrte „Michelin“-Sterne (die in München gerademal zwei Köche erobert haben: Urbansky und Hans Haas vom „Tantris“).

Michelin zeichnet das Mandarin-Oriental aus - im Gault Millau ist das Hotel nicht mal erwähnt

„Wir können die Art und Weise der Kritik an Diethard Urbansky nicht nachvollziehen“, sagt Florian Randlkofer von der „Dallmayr“-Geschäftsleitung: „Wir wollen aber auch nicht darüber spekulieren, wie es zu so unterschiedlichen Bewertungen der Gourmetführer kommen kann.“

Das dürfte Tobias Jochim, dem Küchenchef des „Mark’s“ im „Mandarin-Oriental“-Hotel, nicht anders gehen: Von den „Michelin“-Testern bekam er letzte Woche wieder einen Stern. Im „Gault Millau“ (der ab heute für 29,95 Euro erhältlich ist) wurde Jochim nicht einmal erwähnt!

Uneins sind sich die Experten auch bei einem dritten Münchner Koch - bei Andreas Schweiger, Chef des „Schweiger2“ (ehemals „Showroom“): Vom „Michelin“ wurde der junge Küchenchef heuer erstmals zum Sternekoch gekürt. Vom „Gault Millau“ bekam er jetzt lediglich 14 Punkte.

„Aufsteiger des Jahres" - diesen Titel gibt es für "Terrine"

Ungetrübte Freude gibt es indes in der „Terrine“: Nachdem er erneut Sternekoch wurde, erhielt Küchenchef Jakob Stüttgen vom „Gault Millau“ gestern nicht nur 17 Punkte, sondern auch eine ganz besondere Ehre: Er wurde zum „Aufsteiger des Jahres“ gekürt. Die Begründung: „Als einfühlsamer Aromen-Dirigent entwickelte er mit ständig reifender Experimentierlust ein geschmackliches Forschungslabor zum kulinarischen Hotspot.“

„Oberkellner des Jahres“ wurde Manfred Friedel vom „Königshof“. Dessen Küchenchef, Sternekoch Martin Fauster, eroberte stolze 18 Punkte von 20 kaum erreichbaren – wie außer ihm nur noch Hans Haas vom „Tantris“.

Jeweils 17 Punkte bekamen außer der „Terrine“, das „Hippocampus“, das „Acquarello“, „Schuhbeck’s in den Südtiroler Stuben“ sowie zwei neue Gourmet-Lokale: das „Atelier“ im „Bayerischen Hof“ und das „181 first“ im Olympiaturm unter der Ägide von Starkoch Otto Koch.

Annette Baronikians

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